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Neue Abfallgebühren in Leipzig: Stopfen erhöht die Tonnenpreise

Ralf Julke
Der neu gewählte Stadtrat soll sie in der Novembersitzung beschließen: die neue Abfallgebührensatzung der Stadt Leipzig. 2010 stehen den Leipzigern saftige Preiserhöhungen ins Haus. Dabei haben sie schon gespart wie die Weltmeister.


Sie haben 2008 nur noch 76.672 Tonnen Restabfall in die Tonnen gestopft, rund 3.000 weniger als im Vorjahr. Doch 2010 rechnet Dr. Frank Richter, Leiter des Eigenbetriebs Stadtreinigung der Stadt Leipzig, mit Mehrkosten in der Abfallentsorgung von 1,3 Millionen Euro gegenüber 2008, insgesamt 32,5 Millionen Euro. Daran hat auch die gegenwärtige Wirtschaftskrise ihre Aktie. Aber nicht nur.

Denn rund 300.000 Euro werden allein deshalb fällig, weil der Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW) am 1. Januar 2009 die Tonnage-Preise für Restmüll anheben musste - von 159,70 auf 162,67 Euro pro Tonne. Hauptgrund: die nicht ausgelastete Mechanisch Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) Cröbern.

Rund 600.000 Euro hat die Leipziger Stadtreinigung dafür gegenüber den Personalkosten des Vorjahres eingespart - auf den Müllkippern fahren fast nur noch zwei Leute mit statt drei. Doch die Personaleinsparung wurde 2009 konterkariert durch einen Einnahmeausfall: In der Wirtschaftskrise fielen die Preise für Schrott und Papier. "Für Schrott müssen wir sogar draufzahlen, um ihn überhaupt loszuwerden", sagt Frank Richter. Bislang hat die Stadtreinigung die gesammelten Wertstoffe noch gewinnbringend absetzen können. Das wird aber erst wieder passieren, wenn die Weltwirtschaft anzieht.

Teuer wurde die lange verzögerte Erneuerung des Fahrzeugparks. Notwendige Voraussetzung für die Personaleinsparung, denn erst die neuen, niederflurigen Fahrzeuge machen es möglich, dass nur noch zwei Mann Besatzung mitfahren müssen. 2008 hat Leipzigs Stadtreinigung zehn neue Fahrzeuge gekauft, 2009 waren es acht. Das schlägt sich dann als hohe Abschreibungssumme in der Bilanz nieder.


Teurer wird auch die Ausbildung. Zwar hat die Stadtreinigung sowieso Gärtner und Kfz-Mechatroniker ausgebildet, doch 2007 hat man die Ausbildung von "Ver- und Entsorgern" eingestellt, das, was man neuerdings "Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft" nennt. "Da haben wir wohl die Demographie nicht ganz im Auge gehabt", sagt der Leiter der Stadtreinigung. Heißt im Klartext: Leipzigs Stadtreinigung muss in diesem Jahr wieder drei Azubis anlernen und durch Ausbildung den eigenen Nachwuchs sichern. Die Zeit, als Müllmänner einfach nur Muskeln und eine kräftige Lunge brauchten, ist längst vorbei.

Dazu kommt das Aufbrauchen der in der Vergangenheit angesammelten Rücklagen. Macht dann in der Milchmädchenrechnung 600.000 eingesparte Euro und einen Mehrbedarf von 1,9 Millionen. Und diesmal wird das auf alle Mülltonnen-Größen in Leipzig umgelegt. Und besonders heftig trifft es diesmal die Leipziger, die an eine 80-Liter-Tonne "angeschlossen" sind. Für sie erhöht sich der Preis pro Leerung um 49 Cent - von 4,56 auf 5,05 Euro. Während 120-Liter-Tonnen nur um 14 Cent pro Leerung teurer werden (von 5,71 auf 5,85 Euro).

Die Ursache steckt im Gewicht. Auch in diesem Jahr hat die Stadtreinigung - wie schon 2007 und 2008 die verschiedenen Behältergrößen stichprobenartig gewogen. In den letzten Jahren waren es vor allem die größten, die 1.100-Liter-Tonnen, in denen der Müll - oft mit mechanischen Hilfsmitteln - künstlich verdichtet wurde. So passte mehr in die Tonne. Das sparte. Zumindest im ersten Jahr.

Auch 2009 gelang es den emsigen Hausmeistern, noch mehr Abfall in die großen Tonnen zu pressen: 140,5 Kilogramm im Durchschnitt. Im Vorjahr waren es noch 135,7 Kilogramm gewesen. Aber nicht nur Hausmeisterdienste stopfen die Tonnen, bis sie platzen. Auch in die kleinen, zumeist von Hauseigentümern genutzten 80-Liter-Tonnen wurde 2009 mehr hineingestopft als im Vorjahr: durchschnittlich 21,2 Kilogramm (gegenüber 19,7 in 2008).

Weil sich aber an den Gesamtkosten, die für die Abfallentsorgung entstehen, dadurch nichts ändert, werden diese nur anders umgelegt. Die Tonnen werden zwar seltener entleert - dafür steigt der Entleerungspreis. Und in diesem Jahr auch die so genannte Verwertungsgebühr, die quartalsweise pro Tonne erhoben wird. Hier stecken einige Service-Leistungen drin, die die Leipziger von der Stadtreinigung bekommen: die Entsorgung von Sperrmüll etwa, Elektro-Altgeräten und Gartenabfällen und natürlich der Betrieb der 20 Wertstoffhöfe.

Das tröstet vielleicht den ein oder anderen, der den Service auch fleißig nutzt. Nur die eh schon von Kaufkraftschwund gebeutelten Leipziger wird's wohl ärgern, weil auch das wieder die Nebenkosten verteuert. Und ein guter Teil davon wird auch wieder - über die Unterkunftskosten - bei der Stadt landen.


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