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Müllskandal im Freistaat: Wer bezahlt den "Rest"?
Mit Müll hat der Freistaat Sachsen so seine Probleme. Mal werden Deponien überdimensioniert, mal verschwinden italienische Importe flugs über die Landesgrenze, mal sorgt eine Entsorgungsanlage für Umweltbelastung. Eine Dauergeschichte über Negieren, Absegnen und Aussitzen.
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Nach Schadstofffunden in Sachsen-Anhalt: Grüne fordern Untersuchungen auch auf sächsischen Deponien

Ralf Julke
Johannes Lichdi.
Johannes Lichdi.
Foto: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Sachsen
Ein sächsischer Abfallskandal sorgt gerade im Nachbarland Sachsen-Anhalt für Wirbel. Bei Kontrollanalysen auf Deponien in Sachsen-Anhalt wurden Schwermetalle gefunden. Die Quelle der Schadstoffe ist eindeutig die Firma S.D.R. Biotec in Pohritzsch im Landkreis Nordsachsen. Von dort sind auch tausende Tonnen Materials auf sächsische Deponien gelangt.

Die L-IZ im Überblick

Die S.D.R. Biotec hatte belastete Abfälle unter anderem an die Mitteldeutsche Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft (MDSE) in Bitterfeld-Wolfen geliefert. Am 10. März stand dort die Polizei vor der Tür. Am 17. Juni berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung" über die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

"Seit 2006 arbeitete die MDSE mit S.D.R. Biotec zusammen", steht dort unter anderem zu lesen. "Die sächsische Firma war darauf spezialisiert, giftige Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen so zu behandeln, dass Schwermetalle wie Blei, Chrom, Cadmium in unschädliche Stoffe umgewandelt werden. In der Fachsprache heißen die Stoffe 'stabilisierte Abfälle.' Anstatt die Filterstäube teuer als Sondermüll in alte Salzbergwerke zu bringen, können sie so kostengünstig auf Übertagedeponien gelagert werden. Doch das Verfahren ist umstritten."

"Die Langzeitstabilität der Abfälle ist bis heute ungeklärt", erklärte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe in der MZ. Vielleicht habe die Umwandlung der Filterstäube gar nicht in vollem Umfang funktioniert.

Johannes Lichdi.
Johannes Lichdi.
Foto: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Sachsen

Ein Verdacht, der durch ein Schreiben des sächsischen Umweltministeriums von Januar gestützt wird. "Nach Auffassung des Landkreises Nordsachsen hat die Firma S.D.R. Biotec mit den von ihr dazu vorgelegten Unterlagen diesen Nachweis nicht erbracht", heißt es darin. Dazu kamen hohe Schwermetallbelastungen im direkten Umfeld des Unternehmens. Im März musste die S.D.R. Biotec die Lieferung dieser Abfälle einstellen. Die Frage, die jetzt Johannes Lichdi, Obmann der Grrünen-Fraktion im Müll-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages umtreibt, ist: Liegt der schwermetallbelastete Abfall nur in Sachsen-Anhalt auf Deponien, die dafür nicht vorgesehen sind, oder auch auf sächsischen Halden?

"Umweltminister Frank Kupfer muss endlich Nachforschungen auf den sächsischen Deponien in Cröbern (Landkreis Leipzig), Spröda (Landkreis Nordsachsen), Grumbach (Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge) und Weißer Weg (Chemnitz) anordnen", fordert er. "Wenn mögliche Schäden erst Jahre später nachgewiesen werden und die Schuldigen 'über alle Berge sind', muss der Steuerzahler für die Sanierungskosten aufkommen."

Vehement hat sich Lichdi seit Jahren um Aufklärung über die Firma S.D.R. Biotec und ihr umstrittenes Verfahren bemüht.

"Dass die Firma hochgiftigen Schlacken aus der Metallindustrie nicht wirksam unschädlich gemacht hat, ist nachgewiesen", stellt er fest. "Nun muss auch Klarheit über den Zustand der Deponien erlangt werden, die von der Firma beliefert wurden. Es kann nicht im Interesse des Freistaats sein, die Aufklärung zu vertrödeln", appellierte der Abgeordnete an den Umweltminister.


Der Beitrag in der "Mitteldeutschen Zeitung" (Halle) vom 17. Juni.

Pressemitteilung der Grünen vom 30.März: "Genehmigung der S.D.R. Biotec zur Abfallannahme erlischt am 1. April"

Beitrag im Halleforum "Industrie-Giftmüll im Saalekreis entsorgt?"

Müll-Untersuchungsausschuss im Sächsischen Landtag: Grüne reichen Beweisanträge zu Pohritzsch und Cröbern ein

Sächsischer Giftmüll: 68.000 Tonnen augenscheinlich auf sechs mitteldeutschen Deponien gelandet

Pohritzsch ante portas: Neue Analysewerte sind noch beängstigender



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