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Marko auf der Insel (28): Die Schweinegrippe in Tavistock, des Dramas erster Teil

Marko Hofmann
Tavistock ist nun wirklich nicht der Mittelpunkt der Welt. Auf Deutsch gesagt liegt es eher am Hinterteil. Das hat nicht immer Nachteile. Es hat auch Vorteile.


Als im April die Nachrichten voll vom Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko und der Ankunft in Europa waren, fühlte ich mich ziemlich sicher im beschaulichen Tavistock. Mexiko ist weit weg und hierher kommt der Virus eh erstmal nicht. Was soll mir schon passieren?

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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Die Schule bereitete sich trotzdem für den Fall der Fälle vor. Es wurden Notfallpläne ausgearbeitet und täglich die neuen Anweisungen des Gesundheitsamts studiert. Überall in der Schule hingen warnende, knallblaue Plakate mit der Aufschrift: “Cough and Sneezes spread diseases“ – “Husten und Niesen verbreiten Krankheiten“ – zugesandt vom Gesundheitsamt. Die erste Aufregung dann im April, als ein 12 Jahre altes Mädchen aus Devon Schweinegrippe aus Mexiko mitbrachte. In Tavistock kam der Erreger aber vorerst nicht an.

Der Schulbetrieb lief weiter und die Schweinegrippe kam fortan nicht mal in die Nähe von Tavistock. Es schien so, als ob das Schuljahr ohne Schweinegrippenzwischenfälle zu Ende gehen würde. Das schien aber nur so …

Ich war zusammen mit anderen Kollegen beim Direktor zum förmlichen Abschiedsessen eingeladen. Wir saßen nett beieinander und ich unterhielt mich eine ganze Weile mit Andy, der den gesamten Abend neben mir saß. Dass er zuweilen trocken hustete fiel mir zwar auf, ich dachte mir dabei aber nichts. Was haben wir gelacht, als ein anderer Kollege immer mal zwischendurch behauptete, dass Andy Schweinegrippe hat.

Am nächsten Nachmittag lag Andy mit einem weiteren Kollegen im Krankenzimmer der Schule. Grippeähnliche Symptome; Verdacht auf Schweinegrippe. Fünf Tage Quarantäne. Es kam raus, dass die beiden am vorangegangenen Wochenende in Exeter beim Uni-Ball waren. Wenige Tage nach diesem Uniball wurde bekannt, dass zehn Studenten der Universität Exeter positiv auf Schweinegrippe getestet wurden.

Nichts war es mit einem ruhigen Jahresausklang. Alle Wettkämpfe am Wochenende und alle Schulexkursionen wurden erstmal gestrichen. Der Unterricht lief normal weiter und Schüler die sich unwohl fühlten, sollten sich bei den Schulschwestern melden. So unterrichtete auch ich.

Am Nachmittag allerdings war ich auf einmal so geschwächt, dass ich mich gar nicht mehr aus der Wohnung traute. Da die Schulkrankenschwester auch für mich zuständig ist, kam sie in meine Wohnung und maß Fieber. “Nur“ 37,4. Viel trinken und Bettruhe.

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich wieder auf Arbeit, aber schaffte es gerade so in die Kantine. An Unterricht war nicht zu denken. Stattdessen schlief ich drei Stunden und informierte dann Freunde in Deutschland übers Internet. Die Hysterischen unter ihnen sahen mich schon dem Tod geweiht und schrieben “Oh mein Gott“, “Ich drück’ die Daumen, dass du es überlebst!“

Ich fragte mich, ob über Nacht bekannt wurde, dass man als gesunder Mensch an Schweinegrippe sterben kann. Es war doch nur eine Grippe und daran sterben jährlich mehrere tausend Menschen in Deutschland, ohne dass es jemanden interessiert.

Die Schulkrankenschwester überprüfte nun meine Temperatur jede Stunde und brachte mir auch das Mittagessen aus der Kantine nach oben. Meine Wohnung war seit heute Morgen der einzige Ort an dem ich mich aufhalten durfte. Noch waren die Blutproben der anderen beiden nicht ausgewertet. Unter Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen etc. litt ich nicht. Ich war einfach nur unnatürlich kaputt und hatte erhöhte Temperatur.

Es kann richtig langweilig in so einer 1,5-Zimmer-Wohnung sein. Vor allem, wenn man die ganze Zeit im Bett liegen muss. Wimbledon kam im Fernsehen und so zerrte ich den Fernseher vor die Schlafzimmertür, da das TV-Kabel gerade so bis dorthin reichte. Ich schaute den ekstatischen Briten beim Jubeln zu und schlief irgendwann ein.

Schlafen soll ja Wunder wirken, mir ging es nach dem Schlaf aber noch schlechter. Das Fieberthermometer hatte schlechte Nachrichten…

Nächste Woche Teil 2: Von versaubeutelten Blutproben, 39,5°C Fieber und nepalesischem Essen als Heilmittel.


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