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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (24): Heather Fell – Mitfavoritin zum Fünfkampf-EM in Leipzig im Interview

Marko Hofmann
Heather Fell.
Heather Fell.
Heute soll ich sie treffen! Die erste Olympiateilnehmerin, die mir überhaupt über den Weg läuft und dann noch eine Silbermedaillen-Gewinnerin aus Tavistock. Heather Fell (26). Bei den Olympischen Spielen im Modernen Fünfkampf nur von der deutschen Lena Schöneborn geschlagen.

Die L-IZ im Überblick

Gerade ist sie aus Prag wiedergekommen und wird nur wenig Zeit in England verbringen, denn bald geht es zur EM der Modernen Fünfkämpfer nach Leipzig.

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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Letzte Woche nahm ich mit der ehemaligen Kelly-Schülerin Kontakt auf. Nach ein paar E-Mails ist klar: Wir treffen uns und zwar Donnerstag, zehn nach drei vor der Post in Tavistock. Eine halbe Stunde hat sie Zeit. Man bin ich aufgeregt. Sie soll nämlich noch sehr nett aussehen.

Heather kommt im alten, blauen Golf angedüst und versteckt sich ein wenig hinter ihrer großen Sonnenbrille. „Ich sehe heute nicht so gut aus. Mit Fotos ist es da eher schlecht“, wirft sie mir zu. Sind das etwa Starallüren? Oh nein! Weit gefehlt. Ihr merkt man nicht an, was sie in Peking 2008 erreicht hat. So locker, cool und nett hatte ich mir eine Olympia-Zweite nun wirklich nicht vorgestellt. Auf einer Bank vor dem Rathaus Tavistocks führen wir unser Gespräch über Olympia 2008, deutsche Partytiere, athletenfreundliches Essen und Ausgehen in Leipzig.

Wie oft hast du schon so tun müssen, als ob du in deine Silbermedaille beißt?

Ich glaube, das habe ich nie gemacht. Das war mir zu billig. Ich denke aber, dass 40 -50 Leute andere dafür in meine Medaille gebissen haben. Nun will ich auch nicht mehr reinbeißen. Viel zu viele hatten die schon im Mund, da viele Kinder ein Bild wollten wie sie in die Medaille beißen.

Was für ein Gefühl war es für dich bei Olympia teilzunehmen? Zwei Jahre vorher wolltest du noch deine Karriere beenden ...

Ja! Ich hatte eine langwierige Schienbeinverletzung. Trainieren war fast unmöglich. Überhaupt nach Peking zu kommen, war für mich deswegen so unreal. Viele Sachen waren kurz hintereinander passiert und mein Kurs stieg immer mehr und mehr und dann hieß es, ich sei dabei. Das war einfach eine geniale Sache. Erwartungen hatte ich keine. Ich war froh, überhaupt dort zu sein. Aber das Interessante und Lustige war eigentlich, dass eine andere erfolgreiche Moderne Fünfkämpferin auch aus Tavistock kommt (Kate Allenby gewann in Sydney 2000 Bronze/Anmerk. d. Red.). – Jedenfalls war es für mich ein positiver Schock, auf einmal Zweite zu sein.

Geht zur Fünfkampf-EM in Leipzig an den Start: Heather Fell.
Geht zur Fünfkampf-EM in Leipzig an den Start: Heather Fell.
Foto: privat

Einen richtigen Favoriten gab es ja gar nicht…

Doch! Eine Ägypterin und eine Französin. Die Französin hat die WM 2007 und 2008 gewonnen. Die waren 1. und 2. in der Rangliste. Aber in unserem Sport kann alles passieren. Ich würde nie beim Modernen Fünfkampf wetten. Das ist alles eine Sache der Tagesform.

Hast du nach dem Wettkampf mit Lena Schöneborn gesprochen?

Ja klar. Wir kannten uns schon vorher gut. Sie ist richtig lustig und wir verstehen uns fantastisch. Lena ist auch immer für eine Party zu haben. Im Oktober nach den Spielen haben wir wieder gegeneinander gekämpft. Da habe ich sie geschlagen und am nächsten Tag hatte sie mehr Party gemacht, als ich … Aber im Prinzip ist der Wettkampf des Modernen Fünfkampfs bei den Olympischen Spielen doch ein ganz gewöhnlicher. Es sind dieselben Athleten, die man schon kennt. Er ist einfach bloß wichtiger.

Kannst du eigentlich Deutsch?

(antwortet auf Deutsch): Ein bisschen. (weiter auf Englisch): Aber nicht viel mehr als das. Ich habe es bis zur 10. Klasse gelernt. Mit 16 war ich außerdem mal eine Woche zum Schüleraustausch in der Nähe von Köln. Meine deutsche Austauschschülerin war aber die gesamte Woche nicht da und da musste ich sehen, wie ich mich auf Deutsch mit ihren Eltern verständigen konnte. Leider war ich seitdem nie wieder dort und mein Deutsch ist eingestaubt.

Was denkst du so allgemein über die Deutschen? In England sind sie ja nicht gerade populär.

Oh ja. Nicht wirklich. Ich bin mir nicht sicher…Also die Deutschen die ich am besten kenne, sind alles Moderne Fünfkämpfer. Die sind alle lustig, können sehr gut Englisch. Wenn ich meine Aussage auf diese Leute stütze, würde ich sagen, dass alle lustig sind. Aber andere kenne ich eben kaum. Auf jeden Fall würde ich sie besser nicht nach ihren Modetrends beurteilen (lacht).

Dein Name ist sehr Deutsch. Wusstest du das?

Wirklich? Also ich kenne meine Familiengeschichte bis ins 19. Jahrhundert, denn da zogen meine Vorfahren nach Neuseeland und später kamen sie zurück. Von Deutschen weiß ich aber nichts.

Ich erkläre ihr, was “Fell“ auf Englisch heißt und sie ist sehr überrascht. „Really?“. Irgendwie kamen wir von Fell, aufs englische Essen.

Nicht nur im Sportdresse eine Insel-Schönheit: Heather Fell.
Nicht nur im Sportdresse eine Insel-Schönheit: Heather Fell.
Foto: privat
Englisches Essen ist nicht gerade gutes Essen für einen Athleten, oder? Ich meine baked beans und so ein Zeug …

Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal baked beans gegessen habe. Aber ich denke allgemein gesehen ist das englische Essen für mich gar nicht schlecht. In der Woche gibt es zweimal abends etwas Gebratenes, denn das ist es, was man braucht. Mittags esse ich meistens Pasta. Ich muss aber auch häufig genug schauen, dass ich während des Tages überhaupt Zeit zum essen finde. Gestern beispielsweise bin ich um 10 Uhr Reiten gegangen, dann Schwimmen, dann zur Massage. 16 Uhr war ich dann mal kurz zu Hause und 18:30 Uhr war dann schon wieder Fechten angesagt. Ich kam also vor 22:30 Uhr nicht zum Essen.

Eine Geschichte, die nach deiner Silbermedaille immer wieder erzählt wurde, war, dass du früher sogar noch drei Nebenjobs hattest…

Ja! Nach meinen Verletzungen 2006 bekam ich keine Förderung mehr. Also arbeitete ich als Schwimmtrainerin am Kelly, in einem Pub in Princetown/Dartmoor und machte auch ein wenig Massage in einer Physiotherapie.

Nun bist du Tischredner. Was für ein Aufstieg! Was machst du da überhaupt?

Ach. Das ist ein gutes Einkommen und einfache Arbeit. Mir gefällt das und ich rede gern.

Aber was erzählst du den Leuten?

Das kommt auf das Publikum an. Meistens geht es um meine Vorbereitung auf Olympia und den Erfolg an sich. Wie ich das alles erreicht habe und so.

In Deutschland beschweren sich viele Athleten, auch die Modernen Fünfkämpfer, dass ihr Sport weder von der Öffentlichkeit, noch von Sponsoren richtig wahrgenommen wird. Wie ist das in England?

In England ist es im Prinzip dieselbe Situation. Diesen Sommer ist die WM in London. Hoffentlich stehen wir da mehr im Rampenlicht. Dadurch dass wir bei den letzten Spielen jeweils gut abgeschnitten haben, hielt sich das Interesse immer für ein weiteres Jahr. Danach flaute es aber immer mehr ab. Wir haben aber Glück, dass wir von der Regierung Förderungen kriegen. Ich glaube, dass ist in Deutschland nicht so. Wir können also die ganze Zeit trainieren und haben kaum finanzielle Sorgen.

Nach deinem Medaillengewinn hat sich einiges in deinem Leben verändert. Nicht nur deine Nebenjobs. Die englische Presse ist berühmt und berüchtigt und nie um eine Story verlegen.

Oh ja. Vor allem die yellow press hat sich sofort auf meine Vergangenheit im Pub gestürzt. Das wurde ganz schon ausgeschlachtet. “Das Mädchen von der Bar“. Das ist zum Glück aber auch das Einzige, was sie bei mir finden können.

Keine falschen Spesenabrechnungen?

(lacht): Oh nein. Die auf keinen Fall.

Kannst du überhaupt abends wie andere junge Erwachsene in Plymouth oder Exeter ausgehen oder verbietet dies das Training?

Na ja. Ich bin früher gern in Plymouth ausgegangen. Aber das ist mittlerweile eine Art Brennpunkt. Zum Glück habe ich Freunde in Exeter, sodass wir dort immer mal weggehen. Das ist durchaus möglich, aber natürlich nicht direkt die Nacht vor dem Wettkampf. Ist doch nichts dabei, wenn man den nächsten Tag frei hat.

Was macht eine Moderne Fünfkämpferin noch so in ihrer Freizeit?

Also ich verbringe viel Zeit mit unseren Pferden. Ist ja als Fünfkämpferin nicht das Schlechteste. Außerdem spiele ich Tennis. Ich mag Sportarten mit viel Bewegung. Surfen, Segeln. Wenn ich darf, gehe ich auch im Winter Ski fahren. Ich lese aber auch gern und gehe gern ins Theater. Aber das ist momentan eher schlecht, da ich nicht weit vorausplanen kann. Manchmal kriegen wir zwei Wochen vorher gesagt, dass wir für einen Wettkampf ausgewählt wurden. Ansonsten mag ich, einfach Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, wie es wohl jeder macht.

Tavistock ist deine Heimatstadt. Stolz?

Ja. Es ist eine tolle Stadt. Leider wird sie immer touristischer. Ich finde, dadurch dass mehr und mehr Häuser in den Außenvierteln gebaut werden verliert die Stadt ihr Flair. Aber ich bin stolz auf meine Heimatstadt.

Wo ist dein Lieblingsplatz?

Natürlich im Dartmoor. Ich wohne dort oben und ich mag einfach diese wilde Landschaft. Ich bin ja ständig auf der Welt unterwegs. Letzte Woche war ich in Prag, davor war ich eine Woche in Rom und nächste Woche geht es nach Leipzig. Ich komme so gern hierher zurück. Hier mache ich auch meine Läufe. Die ganze Zeit auf der Tartanbahn zu laufen, wäre doch langweilig.

Was rechnest du dir für die EM in Leipzig aus?

Zuallererst geht es für mich darum, mich gegen die anderen Briten durchzusetzen. Denn die besten zwei werden automatisch für die WM in London ausgewählt.

Dir wäre es also egal, wenn du Fünfte wirst, aber dafür die beste Britin?

Ach. Ich will einfach einen guten Wettbewerb ablegen und so viele Punkte wie möglich sammeln.

Freust du dich auf das deutsche Team?

Auf jeden Fall. Ich hoffe, es wird danach eine ordentliche Party geben. Normalerweise organisieren die immer was Schönes.

In Leipzig kann man auch gut ausgehen…

Na, dann ist es ja gut.

Letzte Frage: Was machst du im Sommer 2012?

Wenn ich das wüsste. Vielleicht bin ich im Urlaub, vielleicht bin ich in einem Wettkampf. Das Auswahlverfahren ist hier in Großbritannien anders, als in Deutschland. Für die letzten Spiele haben sich zwei Deutsche qualifiziert und beide durften fahren. Hier haben sich vier Kämpferinnen laut Richtlinien qualifiziert, aber nur die besten zwei durften zu den Spielen. Ich erwarte auch, dass aufgrund der Spiele in England 2012 allerhand Nachwuchs nach oben kommt. Das Gemeine ist ja, dass man die zwei Jahre zuvor gut abgeschnitten haben kann. Wenn man am Qualifikationstag schlecht ist, hat man schlechte Karten.

Danke Heather und grüß mir die Heimat!

Die EM im Modernen Fünfkampf findet vom 25. bis 30. Juni 2009 in Leipzig statt. Mehr dazu:

www.dkb-em.de


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