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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (17): Die Visite beim Direktor zweiter – kulinarischer – Teil

Marko Hofmann
Das College.
Das College.
Zum Glück hatte ich heute noch mal die Essensregeln laut Knigge durchgelesen und diese verrieten mir wichtige Dinge, die ich schon kannte, und wichtige Dinge, die ich glücklicherweise noch mal nachgelesen hatte. Dass das Besteck von Außen nach Innen benutzt wird, wusste ich noch.

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Es war noch mal gut, daran erinnert zu werden, dass der Brotteller immer links vom Gast steht und dass das Brot nicht geschnitten, sondern gebrochen wird. Zur Suppe gab es nämlich Brot und Butter.

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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Als die Gastgeberin mit dem Brotkorb herumging, wäre ich beinahe in eine böse Falle getappt. Sie kam zwischen Mercedes und mich und bot aber nur Mercedes Brot an. Kurz gezuckt hatte ich. Den ersten Gang, die Suppe, überstand ich aber ohne Probleme und legte den Löffel auch ordnungsgemäß auf dem Unterteller ab.

Der Hauptgang war dann eine Geflügel-Spinat-Kombination, zu der (gewürzter) Kartoffelsalat, gebratene Möhrenscheiben und Rotkraut gereicht wurden. Die überschaubare Rotwein-Sauce war nichts für mich und auch der süße Bestrich des Geflügels fand nicht meine Zustimmung. Aber wie immer bei solchen Anlässen lächelte man es den Hals hinunter. Das Fleisch an sich und auch der Spinat waren wunderbar.

Die Gespräche am Tisch führten natürlich die Gastgeber sowie meine unmittelbaren Nachbarn. Ich war die meiste Zeit eher Zuhörer. Aber selbst das Zuhören musste ich mir erst einbläuen, denn Segeln, Surfen, südliches Afrika und die Cayman-Inseln sind nicht meine Fachgebiete. Da meine Nachbarn an dem Abend aber festgestellt haben, dass sie beide in Afrika aufgewachsen sind, beide segeln, beide die Cayman-Inseln mögen, bestimmten sie meist die Themen am Tisch und schafften es auch immer irgendwie, dass wir wieder auf die Themen zurückkamen. Zu meinem Unglück ist auch der Direktor ein leidenschaftlicher Segler und so hatte er mit dem Thema kein Problem, sondern fachsimpelte kräftig mit. Hallo? Wo ist hier die englische Gastfreundlichkeit. Die anderen Gäste sagten auch nicht viel und so konnte ich nur auf den nächsten Gang warten.

Der dritte Gang schien den etwas langweiligen Abend zu retten: Es gab gleich drei verschiedene Nachspeisen: einen Schokoladenkuchen, einen Zitronenkuchen und einen Kuchen namens Paveloa (oder so). Ich hoffte, mehrmals nehmen zu dürfen. Das alles sah einfach so lecker aus, dass ich notfalls auch den Knigge Knigge hätte sein lassen. Zu meinem Glück wurde noch gefragt, ob jemand noch etwas möchte und nicht nur ich wollte. Der Schokoladenkuchen bestand nicht nur aus 100 % Kalorien, sondern füllte auch gut. Nun war ich schon satt, obwohl ich doch gern auch den Zitronenkuchen probieren wollte. Welch ein Ärger. Ich hätte den Hauptgang zurückgehen lassen und gleich nach dem Nachtisch fragen sollen.

... auch Nachwuchslehrer können beim Direktor noch was lernen.
... auch Nachwuchslehrer können beim Direktor noch was lernen.
Fotos: Marko Hofmann
Die Gespräche liefen eine Weile weiter und irgendwann drehte sich die auch eingeladene Spanischassistentin zu mir und fragte mich „Sweets?“ und ich sagte „No“, denn ich dachte sie meinte den Nachtisch. Sie hatte aber „cheese“ gesagt, denn Frau Direktor holte noch Käse. Da ich aber „no“ gesagt habe, gab sie mir keinen Teller, aber dabei hätte ein wenig Käse schon noch reingepasst. Das hat mich auch geärgert.

Richtig bizarr wurde es dann, als die Gastgeberin zum Schluss noch Kaffee brachte. Ich hatte gar keinen Durst und deswegen sah ich mich auch nicht genötigt, zu antworten, als sie fragte, ob jemand Tee oder Heiße Schokolade möchte. Ich wollte ja auch keine Umstände machen. Das war das. Dann fragte sie aber die Leute einzeln, ob sie lieber Kaffee wollten und als ich an der Reihe war, habe ich tatsächlich „Ja!“ gesagt. Während sie eingoss ging ich tief in mich, um herauszufinden, warum ich denn zugestimmt habe. Ich hab doch auch, genauso wie der Französischassistent, Orangensaft getrunken, während die anderen Wein tranken. Es nützte alles nichts. Der Kaffee stand da und nun musste die Milch her, die das Trinkvergnügen halbwegs rosig erschienen ließ. Ich war ganz froh, dass niemand hörte, wie ich „Du Idiot“ dachte. Wie kann man nur so dämlich sein.

Wie es so ist, gingen dann alle, als die Ersten gehen wollten, und so verabschiedeten sich alle auf einmal. Frau Direktor fragte, was man in Deutschland zur Verabschiedung macht und ich antwortete: „Natürlich Hände schütteln und Wangen küssen“ und es hat geklappt. Aber eher weil sie das schon bei den anderen vier Gästen vor mir gemacht hat.

Unter durcheinander gerufenen Dankesbekundungen verließen wir das Haus und der Kaffee sollte mich noch die halbe Nacht beschäftigen. Immerhin hatte ich mir nicht noch einen Zahn locker gequatscht …


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