Marko auf der Insel (22): Warum denn ausgerechnet Tavistock? Ein Interview mit Louisa, Julia, Marcel & Sebastian (1)
Marko Hofmann
20.06.2009

Die vier jungen Deutschen im Kelly.
Zum Glück bin ich nicht der einzige Deutsche hier. Jedes Jahr bekommt das Kelly auch ein paar Deutsche, die zumindest für ein Jahr bleiben. Sie erleben das Internat und vor allem die englische Jugend aus einer anderen Perspektive.
Louisa aus Hamburg, Julia aus Meppen, Marcel aus Oldenburg sind 17 und sind das erste Jahr hier. Sebastian aus München, 19, bereits das Zweite. Diese vier habe ich zu einer Tafel Milka-Schokolade – ein Stück Heimat – ins Deutschzimmer eingeladen und in einem emotionsgeladenen, die gewohnte Lautstärke häufig übersteigenden Interview so manche interessante Sache erfahren. Kreischende Mädels und unproduktive Kommentare inklusive. Es sprudelte quasi bei allen förmlich heraus.
Mehr zum Thema:
Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Ihr seid Deutsche an einer englischen Schule. Warum habt ihr euch für ein Jahr im Ausland entschieden?
Marcel: „Gute Frage.“
Louisa (entreißt ihm das Mikro): „Ich habe mich für ein Jahr im Ausland entschieden, weil das Schulsystem in England meiner Meinung nach besser ist und weil ich lernen wollte, selbstständiger zu werden.“
Marcel: „Um mein Englisch zu verbessern und neue Freunde kennenzulernen!“
Warum seid ihr da nicht nach Amerika gegangen?
Louisa: „Weil Amerika zu weit ist und meine Eltern die Politik nicht mögen.“
Marcel: „Alles klar. Na ja, es ist halt zu weit weg. So kann man schneller in den Ferien mal nach Hause fliegen. Außerdem ist das Englisch hier natürlich besser.“
Julia: „Ja, genau. Ich finde das auch besser.“
Warum ist es ausgerechnet Tavistock mitten im Nichts geworden?
Marcel: „Ich habe mir vorher ein paar Internate angeguckt und da war Kelly College einfach das Beste. Die anderen waren deutlich schlechter. Eins in London war ganz gut, aber innen noch schlimmer.“
Julia: „Ja! Die ich gesehen habe, waren viel schlimmer und verdreckter. Die Mädchenhäuser waren echt eklig teilweise.“
Marcel: „Die Mädchenhäuser hier finde ich aber voll gut, nur die Jungshäuser sind es eben nicht.“
Julia: „Ich wollte auch immer ans Wasser, auch wenn es bis zum Flughafen immer ein weiter Weg ist.“

Die Jungs sind ganz gespannt auf die Mädchen ...
Foto: Marko Hofmann
Was waren denn eure Gedanken bevor ihr ans College kamt?
Louisa: „Ich habe mich gefragt, wie ich das im Internat aushalten werde.“
Marcel: „Mein erster Gedanke war, mit wem ich wohl aufs Zimmer komme und ob ich es mit dem aushalte.“
Wart ihr vorher schon einmal in England oder auf einem Internat?
Marcel: „Ja! Ich war mal in London.“
Louisa: „Ich auch und ich war auch schon für zwei Wochen auf einem Internat in Brighton. Da hat es mir voll gut gefallen, deswegen wollte ich auch wieder auf eins.
Julia: „Ich war mal zwei Wochen auf einem Internat in Oxford.“
Louisa: „Und natürlich mal auf dem Reiterhof.“
Wie war das denn am Anfang mit der Sprache?
Louisa: „Ich hatte keine großen Probleme. Aber es war natürlich eine Umstellung innerhalb weniger Stunden.“
Marcel: „Also ich hatte schon Probleme. Am Anfang habe ich gar nichts verstanden.“
Louisa und Julia: „Was?“
Marcel: „Na ja, sagen wir wenig.“
Julia: „Also wenn du dich konzentriert hast, dann hast du es gut verstanden, aber jetzt kann man halb zuhören.“
Marcel: „Jetzt versteht man alles. Am Anfang hat man sich das noch alles richtig im Kopf übersetzt. Das ist jetzt überhaupt nicht mehr.

Alle vier unterm Schild des Kelly Colleges.
Foto: Marko Hofmann
Wie gefällt es euch denn jetzt hier?
Julia: „Super.“
Louisa: „Voll klasse!“
Marcel: „Ja, ganz gut!“
Louisa: „Die Regeln sind bei uns aber ganz schön streng. Vor allem bei Julia und mir im Haus. Obwohl wir mit die Ältesten sind, dürfen wir relativ wenig. Das war am Anfang schon eine Umstellung. An die Stundenanzahl muss man sich auch erstmal gewöhnen.
Marcel: „Das ist ja eigentlich recht wenig. Ich finde das voll gut. Aber man hat trotzdem mehr Arbeit.“
Julia: „Ja, man hat bis 16 Uhr Unterricht und ist allerdings abends um 22 Uhr so müde, dass man ins Bett fällt. Zu Hause gehe ich nicht so zeitig ins Bett. Ein Tag hier ist so lang und man hat soviel zu tun“
Marcel: „Ja und dann hat man immer noch dieses Prep (Hausaufgabenzeit von 19-20.30 Uhr/ Anmerkung der Red.) abends. Das nervt voll. Da wird man noch gezwungen, zu arbeiten.“
Louisa: „Das ist gerade positiv, dass man einen geregelten Tagesablauf hat. Das bringt einem voll viel.“
Julia: „Ja, vor allem für die Schule!“
Ist dieser volle Tagesablauf nun gut oder schlecht?
Louisa: „Ich finde das gut. Ich bin eine, die Regeln im Leben braucht und einen Ablauf, sonst mache ich nämlich das was ich will und worauf ich Lust habe.“
Julia: „Hier kommt man automatisch in den Ablauf mit rein. Um 19 Uhr setzen sich alle hin, um Hausaufgaben zu machen und du musst mitmachen.“
Marcel: „Genau! wenn nicht, gibt es nämlich Ärger.“
Julia: „Ja! Zu Hause würde ich dann vor dem Fernseher sitzen.“
Marcel: „Ja! Ich auch. 20 Uhr sitze ich dann vor dem Fernseher.“
Gibt es etwas, was euch besonders gut gefällt?
Louisa: „Mir gefällt gut, dass es hier ein großes Angebot an Sport gibt.“
Julia: „Ja, vor allem Teamsport.“
Marcel: „Genau das finde ich auch gut und vor allem, dass man hier auch neue Sachen ausprobieren kann, wie Hockey, Rugby und so.“
Julia: „Das Gemeinschaftsgefühl ist durch die Kleidung ganz anders. Alle sind die Gleichen und du bist für ein Team da.“

... die Mädchen kommen brav in Schuluniform.
Foto: Marko Hofmann
Sebastian kommt auch endlich. Er war zu spät – oder die anderen zu zeitig.
Was gefällt dir hier besonders gut, Sebastian?
Sebastian: „Gar nichts. Ich bin ja schon zwei Jahre hier. Obwohl, dass stimmt jetzt auch nicht so. Es ist schon ok hier, aber nach einem Jahr wird es ein bisschen langweilig. Es ist immer wieder dasselbe. Der Alltag ist immer gleich.“
Marcel: „Ja, das nervt mich auch voll. Jeden Morgen Chapel (Schulandacht / Anmerkung der Red.), dass kotzt mich auch an.“
Julia: „Ich finde die Chapel immer schön. Am Morgen ein paar schöne Lieder zu singen, ist gut.“
Louisa: „Das ist auch ok. Ich hasse es nur, wenn der Pfarrer immer seine Geschichten erzählt.“
Marcel: „Ich habe noch nicht einmal bei diesen Geschichten zugehört.“
Wie klappt das Zusammenleben mit den Engländern so?
Julia: „Ich find das eigentlich ganz schön, denn da ist man nicht alleine. Abends ist immer gut, wenn du ´ne Partnerin hast. Am Wochenende bin ich aber dann froh, wenn meine Zimmerkameradin nach Hause fährt und ich meine Ruhe habe.“
Marcel: „Ach bei den Jungs klappt das ganz gut. Sind zwar immer paar dabei, die man nicht so mag. Aber das ist schon ok.“
Wurdet ihr viel mit Vorurteilen konfrontiert?
Sebastian: „Ihr Rassisten.“
Marcel: „Ja und immer was zum Krieg.“
Julia: „Meine Zimmerkameradin hat mich am ersten Abend gefragt: `Sag mal schämt ihr euch nicht für eure Geschichte?`“
Louisa: „In der Prep machen die auch alle immer ´Heil Hitler!´ und finden das voll lustig. Die spaßen darüber immer und fragen, ob das wirklich so schlimm ist in Deutschland.“
Sebastian: „Es ist schlimmer in England. Hier gibt es mehr Nazis.“
Louisa: „Ja! Aber die Kleinen wissen das noch nicht und die denken, dass das derbe lustig ist.“
Und wenn man schon über die Witzigkeit der Briten nachdenkt: Wie sieht's denn dann mit ihren Macken, mit Partys und Klamotten aus? – Mehr dazu gleich morgen an dieser Stelle.
Es passte natürlich. Am einen Ende der Straße erklärte Baubürgermeister Martin zur Nedden den wissbegierigen Journalisten, warum die Stadt jetzt auffällige Piktogramme neben die Blindenleitstreifen in der Grimmaischen Straße malen lässt - und 100 Meter weiter stand ein Blumentransporter drauf und ein DHL-Auto parkte mal kurz. Es geht wohl nicht wirklich um die Leitstreifen im Pflaster. Es geht wohl mehr um die tägliche Gedankenlosigkeit der Eiligen.
mehr…
Am Samstag, den 26. Mai 2011 findet auf dem Sportcampus Jahnallee das alljährliche Internationale Kinderfest der Studentischen Eltern Leipzig e.V. statt. Das Fest für Leipziger Familien wird von Engagierten vieler internationaler Vereinigungen wie dem Zentrum für europäische und orientalische Kultur (ZEOK) und der Capoeira-Gruppe mit verschiedensten Aktionen getragen.
mehr…
Die Fotoausstellung "Es ‚messet’ wieder." ist Teil des Pilotprojekts „Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“ im Rahmen der Forschungsförderung „Geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung“ des Freistaates Sachsen. Die Studenten und Wissenschaftler des Fachbereichs Buchwissenschaft an der Universität Leipzig erforschen seit dem Wintersemester 2009/10 die vom Stuttgarter Stammverlag zur wissenschaftlichen Erschließung zurückgeführten Archivdokumente des Leipziger Parallelverlagsteils.
mehr…
Die LVB planen für August 2012 eine weitere Erhöhung der Fahrpreise. Ein Einzelfahrschein wird zum Beispiel 20 Cent mehr kosten. Insgesamt werden die Tarife um rund 10 Prozent erhöht. Die Grüne Hochschulgruppe kritisiert diese Entwicklung scharf. Sie sieht die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs gefährdet und findet, Busse und Bahnen sollten für alle bezahlbar bleiben.
mehr…
Wagner ist Leipziger. Irgendwie schon. Am 22. Mai 1813 hier geboren. 1834 fortgegangen Richtung Würzburg. "Als fertig ausgebildeter Komponist", betont Thomas Krakow, Wagner-Beauftragter der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender des Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. Wagner-Beauftragter ist er, weil Leipzig 2013 im Mittelpunkt steht, wenn der 200. Geburtstag des kleinen Wilhelm Richard Wagner gefeiert wird.
mehr…
Im Rahmen einer Tournee zu ihren Schwesternhochschulen in Aachen, Mainz und Hannover macht die Big Band der Hochschule für Musik und Tanz Köln auch Station in Leipzig. Sie tritt am Mittwochabend, 23. Mai, in der Hochschule für Musik und Theater, Grassistraße 8 auf. Gespielt werden zwei Kompositionen des Big-Band-Leiters Joachim Ullrich: „No Better Blues Suite“ und „Second Crime Suite“, die die Band in der letzten Phase erarbeitet und aufgenommen sowie in zwei Konzerten in Köln präsentiert hat.
mehr…
"agra - Brücke B2. Und wie weiter?" Unter dieser Überschrift lädt die Arbeitsgruppe Landschaftspflege des Grünen Ringes Leipzig am Mittwoch, 23. Mai, in den Kleinen Lindensaal des Rathauses Markkleeberg ein. Verschiedene Planungen für den Bereich der agra sollen näher vorgestellt, näher beleuchtet und mit allen Beteiligten diskutiert werden.
mehr…
Annaberg ist eigentlich nur die halbe Stadt. Annaberg-Buchholz heißt die Doppelstadt an der Sehma seit 1945. Die Sehma war 1497 noch Landesgrenze zwischen dem ernestinischen und dem albertinischen Sachsen, als die Neustadt am Schreckenberg gegründet wurde, die ab 1501 Annaberg hieß. Der Grund für die Gründung mitten im wilden Erzgebirge: das Erz natürlich, das große Berggeschrei, das genau von hier aus losging 1491.
mehr…
In ihrem ersten Heimspiel der neuen Football-Regionalliga-Saison mussten sich die Leipzig Lions den Rostock Griffins glatt mit 0:41 geschlagen geben. Gegen die Greife von der mecklenburgischen Küste fanden die heimischen Löwen am Sonnabend einfach keine Mittel. Für Running Back Daniel Teubert war es zugleich das letzte Spiel im Lion-Dress.
mehr…
Es ist eine Mischung aus Volksfest und hochklassigem Sportevent. Die 9. Auflage der „Sparkassen Neuseen Classics – Rund um die Braunkohle“ war auch am Sonntag, den 20. Mai, eine Erfolgsstory. Über 50.000 begeisterte Zuschauer jubelten bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen Profis wie Amateuren auf ihren Rennrädern entlang der Strecke und im Gewerbepark Zwenkau zu.
mehr…
Im Prozess um den Tod einer Leipziger Arabistik-Studentin gibt es ein Geständnis. Verteidiger Ralf Juhnke verlas zu Beginn des zweiten Verhandlungstags eine Erklärung. Sein Mandant Sebastian T. (28) habe Franziska S. (25) im Streit mit einem Hammer erschlagen. Im Studentenwohnheim in der Johannes-R.-Becher-Straße lauerte der Berliner seiner Ex-Freundin auf, um sie zur Rede zu stellen.
mehr…
Am Dienstag, 29. Mai, beginnt die große Festwoche am Neuen Nikolaigymnasium, mit der das 500-jährige Bestehen der Schule gefeiert wird. Im Gegensatz zur Thomasschule wissen die Nikolaitaner sogar recht sicher, dass ihre Schule ihre Wurzeln im Jahr 1512 hat. Und selbst das Schulgebäude existiert noch am Nikolaikirchhof. Hier könnte man in diesem Jahr auch feiern. Das tut man auch. Am 29. Mai eröffnet dort die Ausstellung "Bürgerstolz und Bildung".
mehr…
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben einen Meilenstein auf dem Gebiet der Erforschung von Gliazellen gesetzt. Sie konnten in einer internationalen Zusammenarbeit den Nachweis führen, dass Nervenzellen und Gliazellen ähnliche Wirkmechanismen haben. Beide setzen zur Kommunikation Botenstoffe frei. Bislang wurde den Gliazellen diese Fähigkeit abgesprochen, sie galten nur als "Stützgerüst" für die Nervenzellen.
mehr…
Nach dem überraschenden Rücktritt von Lok-Trainer Willi Kronhardt hat beim 1. FC Lok Ernüchterung Einzug gehalten. Präsident Michael Notzon rekapituliert noch einmal für L-IZ.de die Ereignisse am Sonntagvormittag und bezieht Stellung zur Finanzsituation des Vereins.
mehr…
Ein Film über eine einzigartige Begegnungsreise durch die Krisenregion Nahost ist am Dienstag, dem 22. Mai, um 19:30 Uhr der naTo, Karl-Liebknecht-Str. 8, zu sehen. Für den Film „Wir weigern uns Feinde zu sein“ begleiteten Stefanie Landgraf und Johannes Gulde zwölf deutsche Jugendliche.
mehr…