Marko auf der Insel (25): Das andere Cornwall – ein bisschen giftig
Marko Hofmann
05.07.2009

Cornwall ist der einzige County in England ohne Autobahn.
Foto: Marko Hofmann
Woran denken Sie eigentlich, wenn Sie Cornwall hören? Landhäuser mit viel Wald? Schnulzen à la Rosamunde Pilcher? Endlose Küste? Surfer mit wenig Grips und viel Potenz? Enge Straßen? Ja? Dann liegen sie gar nicht so falsch. – Na gut, Surfer kenne ich nicht so viele.
Ob das aber an deren Birne liegt oder daran, dass ich einfach nicht surfe, weiß ich nicht. Auch nicht, was wahrscheinlicher der Grund ist.
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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Aber kennen Sie auch die dunkle Seite Cornwalls? Die Seite, die die Touristenbusse umfahren, die Touristen nicht gezeigt bekommen? Zerstörte Landschaften, künstliche Hügel, hellgrüne Seen, in denen man weder Angeln noch Baden darf? Nein? Na gut, dann will ich mal nicht so sein.
Auch ich wäre beinahe mit der Meinung nach Hause gefahren, dass in Cornwall alles eitel Sonnenschein ist. Allerdings hatte mich schon ein Kollege gewarnt. „Cornwall ist der einzige County in England ohne Autobahn. Das sagt doch alles.“
Tatsächlich müssen sich die zahlreichen Touristen-Wohnmobile Richtung Südwesten über immerhin zeitweise vierspurige Landstraßen schieben. Cornwall ist auch eine von vier Regionen Englands, die Fördergelder von der EU erhalten. Strukturschwach und arm, seitdem die Zinnminen Ende des 19. Jahrhunderts von anderen auf der Welt im Preis unterboten wurden, seitdem auch die Zinnminen geschlossen wurden, die auf Arsengewinnung umgestellt worden sind, seitdem das Geschäft mit der Porzellanerde nicht mehr so läuft. Vor ziemlich genau 100 Jahren hatte Cornwall noch das weltweite Monopol darauf.
Toni, meine liebe Göschennachfahrin, hatte mich noch einmal zu ihr eingeladen, um mir mal das “etwas andere Cornwall zu zeigen“. So packten wir unseren Picknickkoffer und fuhren los.

Hellgrüne Seen – Angeln und Baden lebensgefährlich.
Foto: Marko Hofmann
Wie ich schnell gezeigt bekam, ist vor allem Mittelcornwall, übersät mit ehemaligen Abraumhalden und Abbaugruben. Erst vor zehn Jahren wurde beschlossen, dass diese kornische Wüste rekultiviert werden soll. Vor allem die Bereiche um die Arsen-Bergwerke sind beim Abbau durch Staub vergiftet worden. – Noch kann man die weißen Baumstammstützen auf den künstlichen Hügeln sehen.
„Ist das wirklich Cornwall?“, frage ich mich, als ich mit der rüstigen Toni von einem Aussichtspunkt diese Bergwerkreste übersehen konnte.
Graue Zweckbauten aus dem 19. Jahrhundert prägen das Bild in der direkten Nachbarschaft zu den Bergwerken. Von den typisch kornischen „cottages“ ist keine Spur. Wie auch? Diese Dörfer wurden ja extra für diese Bergwerke gebaut. Nichts kündet hier von der Schönheit einer Stadt wie St. Ives oder eines Dorfes wie Polperro.

Vor allem die Bereiche um die Arsen-Bergwerke sind beim Abbau durch Staub vergiftet worden.
Foto: Marko Hofmann
Das Picknick nehmen wir im Auto ein. Es regnet wie aus Kübeln und so bleibt mir nichts anderes übrig, als unsere Schnitten vor dem Lenkrad sitzend zu schmieren. Romantisches Cornwall.
Seen gibt es in England viele. Die meisten haben blaues Wasser. Einer, den wir auf dem Rückweg sehen, hat hellgrünes Wasser. Ein Gedanke beim Start der Rekultivierung war auch, dass man die Abbaugruben mit Wasser zulaufen lässt. So wie im Süden Leipzigs. Allerdings ist da ein kleiner Unterschied. Vor diesem hellgrünen See steht ein Schild: „Angeln und Baden lebensgefährlich. Kein Zugang“. In der Tat sieht dieser See nicht einladend aus.
Der Tourismus und die Landwirtschaft sind im 21. Jahrhundert die Haupteinnahmequellen und Hauptarbeitgeber in Cornwall. Man ist froh, dass nicht jeder “das etwas andere Cornwall“ sieht. - Aber: Da weltweit der Preis von Zinn steigt, gibt es einen Plan, die Zinnproduktion wieder aufzunehmen. Bessere Zeiten für Mittelcornwall?
Ach ja. Da sind ja noch die anderen drei Regionen, die von der EU gefördert werden. Ich fragte meinen Kollegen, ob er auch die anderen Regionen kennt. Er antwortete: „Wales, Schottland, Nordirland“. Hoch lebe die britische Konföderation.
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