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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (27): Die seltsamen britischen Sportarten

Marko Hofmann
Rugby - ein echter Herbstsport.
Rugby - ein echter Herbstsport.
Die Engländer und ihr Sport. Ich hätte nicht gedacht, dass die ausgeübten Sportarten hier so verschieden sind von denen in Deutschland. Na klar, die Engländer spielen viel Fußball, vor allem auf Ebene der Nationalmannschaften weniger erfolgreich, wie kürzlich erst wieder bestätigt wurde.

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Handball spielen in England nur wenige Vereine. Die meisten in London. Beim Mittagessen erklärte ich dem Fachbereichsleiter Sport erst mal, wie Handball überhaupt funktioniert.

Basketball ist genauso populär wie Handball – fast gar nicht. Volleyball reiht sich in diese Riege der in England kaum beachteten Sportarten problemlos ein. Am einsamsten muss sich in England der Wintersportredakteur fühlen. Keiner ist an seinen Geschichten interessiert. Ich kenne auch gar keinen englischen Wintersportler. Na gut, den legendären Eddie “The Eagle“ Edwards, aber das war es auch schon.

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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Die Engländer haben mit all dem Zeug nüscht am Hut. An meiner Schule rotieren die englischen Sportarten durch das Jahr.

Im Herbst und Winter dreht sich bei den Jungs alles um Rugby. Dass sich die Waschfrauen des Landes noch nicht über die dreckigen T-Shirts der Jungs beschwert und gestreikt haben, grenzt an ein Wunder. Im herbstlichen Dreck türmen sich die Schüler zu Bergen auf. Irgendwo unten liegt der Ball, und wer ihn hat, muss die Beine in die Hand nehmen. Mundschutz ist bei diesem rauen Sport, dessen verweichlichte Version als American Football in den USA gespielt wird, Pflicht.

Ich konnte am Kelly College einige Spiele sehen und bin überrascht, wie selten sich jemand verletzt hat, obwohl doch Rugby wie ein paar Kampfsportarten eine Vollkontaktsportart ist. Der Trick ist aber, das Tackling richtig anzusetzen. Auch wenn es immer aussieht, als wenn alles erlaubt ist, gibt es dabei einige Regeln. Ich kenne sie nicht, auch wenn sie mir immer wieder erklärt wurden.

Eine Rugby-Mädchenmannschaft gibt es auch am Kelly. In der dritten Trainingseinheit wurde einer Deutschen beim Tackling der Knöchel gebrochen. Vielleicht ist es einfach nicht unser Sport…

An englischen Schulen geht's bei Matschwetter erst richtig los ...
An englischen Schulen geht's bei Matschwetter erst richtig los ...
Foto: Marko Hofmann
Im Frühjahr dreht sich bei den Jungs alles um Hockey, was die Mädchen größtenteils im Winter erledigt haben. Wie auch bei Rugby werden jede Woche zwei Partien gegen andere Schulen im Südwesten gespielt. Der diesjährige Hockeyjahrgang der 1. Mannschaft (also 11. und 12. Klasse) war leider nicht für Hockey geboren …

Die Mädchen wechseln vom Kunstrasen auf den Asphalt und spielen Netball. Netball ist, ums kurz zu machen, Basketball für Frauen. Der Ball ist leichter und hinter dem Korb hängt kein Netz. Das Spielfeld ist ein wenig größer und in Drittel eingeteilt. Jede Spielerin darf sich nur in einem Drittel bewegen, welches das ist, hängt von ihrer Position ab. Ach so: Es ist ein ruhiger Sport, denn die Gegenspielerinnen müssen einen Mindestabstand von 90 cm einhalten. Das ist Netball in Kürze. Spannend fand ich das nicht. Gespielt wird es vor allem in den Commonwealth-Ländern.

... beim Rugby bleibt kein Trikot sauber.
... beim Rugby bleibt kein Trikot sauber.
Foto: Marko Hofmann
Übrigens genauso wie Kricket, was bei uns nahezu unbekannt ist. Ich habe aufgehört, mich über die weißgekleideten Spieler zu wundern. Das ist Teil des Krickets. Jeder muss hier auf Schullevel weiße Kleidung und ein Basecap tragen. Ähnlichkeiten hat Kricket mit Brennball und Baseball. Spannend ist es damit noch lange nicht. Es passiert mir einfach zu wenig. Ich kann mit den “Ich werfe den Ball und du schießt ihn sonst wohin, damit ich Probleme habe, ihn wieder zu holen!“-Sportarten nichts anfangen.

Während die Herren in weiß im Sommer diesem Spielchen frönen, spielen die Mädchen Rounders. Ein Sport, der vor allem in Devon gespielt wird und eine weitere Abwandlung von Brennball ist. Hier muss kein Weiß getragen werden, aber es ist ähnlich langweilig.

Fußball buhlt in England mit Rugby, Kricket und Hockey nicht nur um die besten Talente bei den Ballsportarten, sondern auch um die Gunst der Fernsehzuschauer. Dass im Sommer verstärkt Tennis, Pferdesport und Golf im Fernsehen gezeigt werden, macht den Wettbewerb nicht einfacher.

Erst letzten Samstag hatten viele Engländer ein Problem: Während Andy Murray im Center Court von Wimbledon spielte (BBC1 und BBC2 berichten täglich live von 12 bis 22 Uhr von Center Court und Court Number 1), spielte in Südafrika die britische Nationalmannschaft Rugby. Und im Garten warteten die Krocket-Tore. Ein weiterer Sport, welcher im Endeffekt eine Mischung aus Golf und Minigolf ist und sehr beruhigend. Ich brauch' auf jeden Fall kein Rugby, ich brauche Krocket.


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