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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (3): Was zieht man an zum roasted chicken?

Marko Hofmann
Hier wohnt Marko.
Hier wohnt Marko.
Foto: Marko Hofmann
Vom Abenteuerwochenende kam ich leicht verschreckt und geschafft zu meinem neuen Zuhause zurück. Meine Wohnung befindet sich im obersten Stockwerk des Internatshauses dem ich zugeteilt wurde. Kelly College verfügt insgesamt über sechs Internatshäuser.

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Russel (als Rückzugsort für Tagesschüler), Conway (für die elf und zwölfjährigen und für beide Geschlechter zusammen), Marwood, Newton (jeweils für Mädchen ab 13 Jahren), Courtenay und School House (für Jungs ab 13). Ich wurde School House zugeordnet und soll dort neben meiner Tätigkeit als German Assistant an der Schule die Funktion des Resident Tutor ausüben. Boss jedes boarding houses, also Internatshauses, ist der sogenannte Housemaster bzw. die Housemistress.
In der Wohnung des Resident Tutors, also meiner zukünftigen, sah es gestern, als ich sie das erste Mal sah, aus wie in einer kleinen Rumpelkammer. Ein kaputter Schreibtisch stand mitten im hohen Wohnzimmer der ca. 25 qm² Wohnung und ein rotes, durchgesessenes Sofa stand lieblos in der Ecke. Der Kühlschrank in der Küche, die außerhalb der Wohnung am Ende eines acht Meter langen Ganges ist, war voller braunem Bratenfett.

Aber: Das Bett im 2 x 3 Meter großen Schlafzimmer sah gut aus und auch das Bad war besser, als man bei englischer Klempnerei vermutet hatte – zumindest wurde ich nicht mit Wasserhähnen konfrontiert, die zu nah am Beckenrand gebaut waren. Eine Brigade von jungen Frauen war gerade dabei die Wohnung zu säubern, während ich mich fragte, wann sie wohl erfahren hatten, dass hier jemand einzieht. Die Nacht schlief ich ja sowieso nicht hier, es war Abenteuerwochenende, und so war mir das alles erstmal egal.

Bei meiner Rückkehr ins Haus jedenfalls, lernte ich auch den Housemaster von School House, Dominic, kurz Dom, und seine Frau Clare kennen, die ich aber nur zwei Minuten sah. Dom lud mich direkt zum Abendessen für den nächsten Tag ein: es sollte roasted chicken geben.
In meiner Wohnung hatte sich inzwischen einiges getan. Es gab einen neuen Schreibtisch und einen neuen Kühlschrank. Leider hat aber niemand daran gedacht, dass der auch unter die Küchenarbeitsplatte passen muss,. Doch er passte nicht, und deswegen stand er fortan angeschlossen mitten in der Küche herum. Ich war aber froh, dass man überhaupt soviel Anstrengung unternommen hatte.

Am nächsten Abend ging ich, der Einladung folgend, eine Etage nach unten in Doms Wohnung und wurde von ihm direkt ins Wohnzimmer geführt. Dort sah ich seine Ehefrau sitzen und diese sprach mich auch sofort an, sodass wir uns für eine Weile unterhielten. Nach zehn Minuten kam aber eine zweite Frau ins Zimmer, die auch gut Doms Frau sein konnte. Gute Nachrichten: Bigamie in England erlaubt!?

Ehrwürdig: Der Flur in Markos Internat.
Ehrwürdig: Der Flur in Markos Internat.
Foto: Marko Hofmann

Nein, diese war wirklich seine Frau und auf der Couch saß eine Lehrerin der Schule die wohl wusste, dass ich komme. Sie hat glücklicherweise nicht mitbekommen, dass ich sie zehn Minuten für Doms Frau gehalten hatte. Die beiden hatten kürzlich geheiratet und waren gerade von den Flitterwochen wiedergekommen und ich war froh, dass ich nicht die falsche Frau nach Reiseziel und Erlebnissen gefragt hatte. Dies hätte die Peinlichkeit offensichtlich werden lassen. Diese Gelegenheit bekam ich später.

Bei einer Einladung zum roasted chicken dachte ich an einen Grill mit einem Huhn drauf, denn immerhin war es Sommer – sogar in England. Es ging aber, statt in einen Garten, ins schmucke Speisezimmer mit Kamin und großem Spiegel. Das hätte ich vielleicht ohne Weiteres verkraftet, wenn ich mich wie ein Gast für das Speisezimmer angezogen hätte. Ich dachte mir aber, dass für die eine Etage nach unten Hausschuhe reichen; die Jeans mit den kaputten Hosentaschen und eine schlumpige Strickjacke schienen mir gerade zu perfekt für ein hübsches Grillen im Garten…

Keiner der Anwesenden sagte etwas zu meiner Kleidung und auch ich vermied selbstverständlich jegliche Erwähnung meines modischen Fehlgriffes. Das Huhn war übrigens ganz ausgezeichnet. Wenigstens hatte ich mitten im Essen auch die Serviette ordentlich auf meinen Schoß gelegt. Die anderen hatten es schon zu Beginn des Essens getan. Ich war noch zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Trotz meines Auftretens sollten Dom und ich in den folgenden Wochen gut zusammenarbeiten und so einige Probleme im Haus lösen können. Von den Aufgaben eines Resident Tutors aber nächste Woche mehr….

Die Schafe im Dartmoor: Jedes ordentlich gepunktet.
Die Schafe im Dartmoor: Jedes ordentlich gepunktet.
Foto: Marko Hofmann

Ach ja: Die Schafe in Dartmoor (oder auf Dartmoor (?) – wer weiß das schon) sind alle mit einem Punkt versehen, damit die Bauern wissen, welche Schafe zu welcher Farm gehören. Zäune und die typisch englischen Mauern (enclosures) gibt es hier nicht durchgängig.

Marko auf der Insel (2): Die erste Woche – ein Alptraum


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