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Marko auf der Insel (34): Auf Wiedersehen Schottland, Willkommen zurück in England: Aber nur für drei Tage

Marko Hofmann
Mitte Juli: Das Jahr in England neigte sich dem Ende zu. Nun hieß es nur noch vom Norden in den Süden, Formalitäten und Einkäufe erledigen. Von Fort William bis nach Dover sind es ellenlange 957 km. Von wegen Insel = klein. Wir schafften die Strecke gemütlich in zwei Tagen.


Die letzten zwei Nächte verbrachten wir auf einem Bauernhof bei Dover. Drei Hunde, Hühner, Böcke, Katzen und ganz viel Feld. Mittendrin unsere Luxusbruchbude. Davor stehend fielen wir bald in Ohnmacht. So ein heruntergekommenes Haus hatte ich nirgendwo in England gesehen, schon gar nicht als B&B-Unterkunft und für 35 Pfund die Nacht. Drinnen: Gemütlichkeit vom allerfeinsten. Alles in weiß, braun und beige gehalten. Ideal. Das Frühstück: ländlich. Spiegeleier von der Ente.

Die Formalitäten waren schnell erledigt und die Kathedrale in Canterbury wurde auch noch besucht. Leider nur die Hälfte, die andere Hälfte war für drei Tage gesperrt: Die Unis in Canterbury – deren drei – hielten dort ihre Feierstunden ab. Trotzdem ein Muss.


Außerdem mussten wir unsere Einkaufs- und Bestellliste abarbeiten. 15 Packungen Kekse, vier Dosen baked beans, zehn Alkopops, ein Kilogramm Chips und eine Spielkonsole mussten in den Korb. Bei letzterer sparten wir locker 100 Euro gegenüber Deutschland. Danke Pfund!

Die letzte Nacht tobte noch ein Gewitter über unserer exquisiten Herberge. Aber Petrus! Ich bin doch nicht aus der Welt, nur in Deutschland.

12 Uhr mittags legte die Fähre ab. An Bord geschätzte 400 PKW und 30 LKW. Die Fährgesellschaft warb übrigens anlässlich “65 Jahre D-Day“ mit dem Spruch: “Mal billig und sicher nach Frankreich?“


Zwei Stunden Fahrtzeit – gähnend langweilig, die meisten schlafen in den unvorstellbarsten Positionen- und eine Stunde Zeitverschiebung ergaben eine sichere Ankunft in Dünkirchen um 15 Uhr. Gute dreieinhalb Stunden später überquerten wir die Grenze nach Deutschland, besser gesagt: ins Land der Baustellen.

Mehr zum Thema:



Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
In England habe ich in diesem Jahr weniger als 10 Baustellen auf der Autobahn gesehen. Alleine auf der Strecke Aachen – Leipzig durchfuhren wir 15 (!). Die längste davon auf der A5 mit 13 km. Willkommen zurück!

0:30 Uhr war dann aber auch das geschafft, das Auto geparkt, eigentlich nichts wie ins Bett und das eigene Wohnzimmer tatsächlich voll mit erwartungsfrohen, bekannten Gesichtern. Ins Bett ging es erst gegen 5:30 Uhr …

Nach dem Abenteuer England gab es noch drei Wochen Abenteuer in Deutschland, getragen vom Gefühl endlich wieder zurück zu sein, ohne daran zu denken, dass in ein paar Tagen der Flieger wieder zurück geht oder man noch diesen und jenen vorm Abflug besuchen muss. Aber dann war auch wieder der deutsche Alltag eingekehrt.

“Mein“ England werde ich aber nie vergessen. Das steht fest. Zu viele schöne Begegnungen hatte ich, zu viel habe ich gelernt über Menschen (nie das “please“ bzw. das “thank you“ vergessen) und Kultur (Türe aufbrechen ist besser, als noch mal auf das Schlüsselbund zu gucken), als dass ich das aus meinen Erinnerungen streichen könnte. Ich werde auf jeden Fall die abgepackten Salate und Sandwichs vermissen …


Kleine Englandstatistik:
20.142 gefahrene Kilometer
545 Seiten Tagebuch
282 Tage in England
163 Telefonate mit Skype nach Deutschland
65 neue Freunde bei Facebook
28 besuchte Städte (von B wie Bath bis Y wie York, darunter alle drei Hauptstädte - der Durchschnittsengländer sieht in seinem ganzen Leben 22 Städte in seinem Land)
8 besuchte Kathedralen und 1 besuchtes Minster
1x Fish & Chips (und nie wieder)
1x Haggis (und nie wieder)
1 Paar abgefahrene Winterreifen
0 Kilogramm zugenommen (letztes Jahr dachte ich, ich würde in England abnehmen …)


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