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LVB dürfen Heiterblick endlich bauen: Die Abrissarbeiten beginnen schon im Sommer

Ralf Julke
Teslabrücke in Heiterblick.
Teslabrücke in Heiterblick.
Foto: Ralf Julke
Am 17. Mai, als die LVV im Neuen Rathaus ihre Bilanz für das Jahr 2010 vorstellte, war es immer wieder Thema in diversen Redebeiträgen, fast beiläufig: das Technische Zentrum der LVB in Heiterblick. Ein 90-Millionen-Euro-Projekt, das 2010 eigentlich schon fast begraben war - der Freistaat hatte keinerlei Fördergelder für die nächsten Jahre eingeplant. Nun wird es doch gebaut.

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Noch im Sommer sollen die Abrissbagger rollen und die alte Halle, die seit 1925 von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) genutzt wird, abreißen. Bis 2014 soll auf dem Gelände in Heiterblick Baustufe 1 des ursprünglichen Gesamtkonzepts umgesetzt werden, die moderne Hauptwerkstatt, in der der Niederflur-Wagenpark der LVB gewartet und repariert werden soll, möglichst schon bis 2013. Denn die Zeit drängt: Die alten Werkstätten in den Straßenbahnhöfen Paunsdorf, Heiterblick und der Wittenberger Straße sind für die Wartung der modernen Niederflurbahnen nicht ausgelegt.

Das alte LVB-Netz entstand vor über 100 Jahren, war wesentlich kleinteiliger und erreichte 1936 seine größte Ausdehnung. Dutzende Straßenbahnhöfe lagen überall im Stadtgebiet verstreut, ausgelegt für wesentlich kürzere Bahnen. Die meisten sind längst vom Netz genommen, völlig ungeeignet für die mittlerweile das Bild dominierenden Niederflurbahnen. Der einzige Straßenbahnhof, der in den letzten 20 Jahren für den modernen Wagenpark umgebaut wurde, war der an der Angerbrücke. Was völlig fehlt, ist eine Hauptwerkstatt, in der die modernen Niederflurwagen gewartet werden können.

Dafür war Heiterblick vorgesehen. Seit 2003 arbeiteten die LVB an dem Projekt, führten einen Architekturwettbewerb durch, den das Büro schulz + schulz gewann. "Das Projekt war von Anfang an in mehreren Stufen vorgesehen", erläutert Roland Juhrs, der Technische Geschäftsführer der LVB, die Genese des Projekts. Erst 2005 wurde das Ganze zu einem einzigen 90-Millionen-Euro-Paket geschnürt - es sollte als lukratives PPP-Projekt mit einem finanzstarken Investor umgesetzt werden. Der Vorteil für die LVB wäre gewesen: Sie hätte die enormen Eigenmittel von 30 Millionen Euro nicht selbst aufbringen müssen.

Doch es war wie mit so vielen PPP-Projekten in Deutschland: In der Praxis waren sie nicht umsetzbar. Die LVB wurden vom Verkehrsministerium aufgefordert, das Paket wieder aufzuschnüren und wieder kleine Bausteine draus zu machen. Dafür wurden Fördergelder in Aussicht gestellt - und die Enttäuschung in Leipzig war entsprechend groß, als im Doppelhaushalt 2011/2012 das Freistaats nicht ein Euro dafür eingeplant war.

Parallel zum Technischen Zentrum wird die Teslabrücke erneuert.
Parallel zum Technischen Zentrum wird die Teslabrücke erneuert.
Foto: Ralf Julke

Was selbst Ronald Juhrs dann überraschte, war die einhellige Solidarität, die die LVB im Herbst 2010 für das Projekt bekamen - vom eigenen Aufsichtsrat über die Stadtratsfraktionen bis zur Geschäftsführung der LVV. Der sächsische Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) wurde geradezu mit Briefen überschwemmt. Im Oktober beschäftigte sich der Stadtrat mit dem Thema, der Oberbürgermeister erklärte seine volle Unterstützung. Und im Dezember schrieb auch Sven Morlok einen Brief an die LVB und tat das, was schon niemand mehr erwartet hatte: Er sagte für die Förderung des Technischen Zentrums 10 Millionen Euro zu.

"Das war die dringend notwendige Unterstützung, die wir noch brauchten", sagt Ronald Juhrs. Im Frühjahr 2011 legte auch die Stadt Leipzig nach: Sie setzte den seit Langem immer wieder aufgeschobenen Neubau der Teslabrücke für 2012 auf die Agenda. Die Brücke bindet das Technische Zentrum an die Torgauer Straße an, ist aber schon seit Jahren lastenbeschränkt. "Für Straßenbahnen gilt hier Begegnungsverbot", so Juhrs.

Akribisch haben die LVB das Bauprojekt Heiterblick wieder in verschiedene Pakete aufgelöst. "Damit kam es für uns auch wieder in ein wichtiges Gleichgewicht", so Juhrs. Denn als PPP-Projekt wäre ein Generalauftragnehmer zum Zug gekommen, der schon aufgrund der schieren Projektgröße auf größere, eher nicht regionale Subunternehmer zurückgegriffen hätte. Juhrs: "Nun können wir die einzelnen Lose wieder so gestalten, dass heimische Unternehmen eine reelle Chance haben, bei den Ausschreibungen Erfolg zu haben." Im Juni soll das Projekt in den beiden Leipziger Kammern für den Leipziger Mittelstand präsentiert werden.

Die erste Ausbaustufe in Heiterblick hat jetzt einen Kostenumfang von 74 Millionen Euro. Darin enthalten sind die 12 Millionen Euro der Stadt für die neue Teslabrücke, für die die LVB die Bauherrenschaft übernehmen. Enthalten ist auch der Bau der neuen Hauptwerkstatt für knapp 43 Millionen Euro, in der ab 2013 die Niederflur-Flotte der LVB gewartet werden kann. Parallel dazu werden nordwärts der Halle Abstellgleise für 60 Straßenbahnen gebaut. Diese Fläche soll später für weitere 60 Fahrzeuge erweitert und überdacht werden.

Parallel dazu soll der Betriebshof Dölitz modernisiert werden. Hier bleiben die Hallen stehen - aber die Gleisanlagen müssen für die Ansprüche der modernen Fahrzeuge komplett neu konzipiert werden. Bis 2014 soll Dölitz wieder betriebsbereit sein.

In beiden Fällen ist die Planung sehr anspruchsvoll. "Nicht nur was den Fertigstellungstermin betrifft", so Juhrs. "Auch im Finanzbudget steckt nicht wirklich viel Puffer. Das wird eine wichtige Aufgabe bei der Projektsteuerung, innerhalb der Planvorgaben zu bleiben."

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