Leipzigs Schulentwicklungsplan: Auch neue Mittelschulen braucht die Stadt
Marko Hofmann
26.08.2011
Schule in der Breitenfelder Straße.
Foto: Ralf Julke
Die Zahl der Leipziger Grundschüler wird bis 2019 um mehr als 4.000 steigen. Ein Anstieg, der sich auch auf die weiterführenden Schulen in Leipzig auswirken wird. Noch können die Mittelschulen allen Schülern einen Platz geben. Ab 2015 wird das schwer, weshalb schon jetzt über Neubauten und Reaktivierungen nachgedacht wird.
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Noch haben die Schüler an den Leipziger Mittelschulen verhältnismäßig viel Beinfreiheit. Im Schuljahr 2010/2011 war im Mittelschulnetz der Stadt noch Platz für 38 Klassen. Ab dem Schuljahr 2015/2016 wird es aber - über das Stadtgebiet verteilt - zunehmend enger, weswegen im Entwurf zum Schulentwicklungsplan (SEP) drei Reaktivierungen von Schulgebäuden und zwei Neubauten vorgeschlagen werden. Sollte sich die Schülerzahl über das Jahr 2020 hinaus wie prognostiziert entwickeln, könnten bis zu zwei weitere neue Schulen hinzukommen.
Auch sie reicht nicht: Erich-Zeigner-Schule in Plagwitz.
Foto: Marko Hofmann
Wie bei den Grundschulen lässt sich dieses Platzproblem, auf das Leipzig zusteuert, nicht auf ein einziges Gebiet abgrenzen. Zwar können Schüler auf weiterführenden Schulen ihren Lernort frei wählen und sind nicht durch einen Schulbezirk an eine Schule gebunden, doch ist das laut SEP graue Theorie: „Die Auswertung der Erstwünsche der Schüler/-innen für die Wahl der Mittelschulen zeigt deutlich, dass die Schüler/-innen und Eltern vorrangig eine Mittelschule in Wohnortnähe wählen.“ Und weil das so ist, werden Leipzigs Mittelschulen spätestens ab 2015 ein Platzproblem bekommen, wenn nicht wie im SEP vorgeschlagen gehandelt wird.
Platzt auch aus allen Nähten: Schule am Adler.
Foto: Marko Hofmann
Da für Mittelschule keine Schulbezirke existieren, hat die Stadt verschiedene Schulen zu Planungsräumen zusammengefasst: Nord, Süd, West, Ost, Innerer Osten. Der Norden, der im Planungsraum das Gebiet von Lützschena-Stahmeln bis Plaußig-Portitz, und damit auch Gohlis und Wahren, umfasst, wird den bevorstehenden leichten Anstieg von elf neuen Klassen pro Jahr (2010/2011) auf 15 neue Klassen pro Jahr (2018 und 2019) durch die Reaktivierung der ehemaligen Hans-und-Hilde-Coppi-Schule an der Breitenfelder Straße und die Erweiterung der Paul-Robeson-Mittelschule von zwei auf zweieinhalb Züge auffangen können.
Muss wieder ans Schulnetz: die 55. Schule.
Foto: Marko Hofmann
Dafür notwendig ist der, im Amtsdeutsch „Herauslenkung“ genannte, Auszug der Paul-Robeson-Grundschule in das Objekt Opferweg, wodurch neuer Platz im gemeinsam genutzten Schulgebäude in der Jungmannstraße entsteht. Bisher ist dieser Auszug allerdings nur ein Vorschlag ohne konkreten Umsetzungszeitraum. Durch den Umzug der 68. Schule in das sanierte Schulgebäude Breitenfelder Straße würde zudem eine Kapazitätssteigerung um einen Zug erreicht. Die Sanierung wird 2013 abgeschlossen sein.
Auf etwas höherem Niveau wird der Anstieg im Planungsraum West, also im Gebiet von Böhlitz-Ehrenberg bis Hartmannsdorf-Knautnaundorf laut Prognose verlaufen. Bis 2018/2019 wird die Anzahl der Einstiegsklassen von 15 im letzten Schuljahr auf voraussichtlich 23 Klassen steigen, vor allem die Schule am Adler wird verstärkt nachgefragt werden. Kein Wunder, werden die Grundschule am Adler und die Erich-Zeigner-Schule ebenfalls demnächst arg zu kämpfen haben, um alle Schüler unterzubringen. Allerdings ist die Kapazität der Mittelschule am Adler schon jetzt ausgeschöpft, und so wird es bis 2013 allen Schulen gehen.
Im Entwurf des Schulentwicklungsplans wird deshalb dringend zu zusätzlichen Kapazitäten geraten, die im Westen durch derzeit ungenutzte Schulgebäude bereitgestellt werden sollen. So wird zur Befriedigung der Nachfrage in Lindenau, Alt-Lindenau, Leutzsch und Plagwitz eine Reaktivierung des Schulgebäudes der ehemaligen 57. Schule in der Georg-Schwarz-Straße zum Schuljahr 2014/2015 vorgeschlagen.
In Grünau soll der Schwall an neuen Mittelschülern durch die Sanierung der ehemaligen 55. Schule aufgefangen werden. Derzeit residiert dort noch bis voraussichtlich 2012 das Immanuel-Kant-Gymnasium. Nach der Sanierung soll dort die 84. Schule einziehen, die aktuell in der Stuttgarter Allee zu Hause ist und durch den Umzug einen Zug gewinnt.
Da niemand weiß, ob die Prognose für die Jahre 2018 und folgende tatsächlich so eintreten wird, wird im SEP vorsichtshalber dazu geraten, alle derzeit leerstehenden Schulgebäude in diesem Planungsbereich nicht zu veräußern, um entsprechend reagieren zu können.
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