Es ist kein großer Denkakt, von den stark ansteigenden Grundschülerzahlen in weiten Teilen der Stadt nicht nur auf einen Anstieg der Schüler bei den Mittelschulen, sondern auch bei den Gymnasien zu schließen. Vier Stück muss die Stadt in Zukunft wohl bauen, alle in Zentrumsnähe, um andere Gebiete zu entlasten und eine gute Erreichbarkeit zu ermöglichen.
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Vor einer Woche läutete die Schulklingel in der Außenstelle des Neuen Nikolaigymnasiums in der Bornaischen Straße zum ersten Mal. Gut für die Schüler, gut für Leipzigs Schüler, denn die Rückkehr des Schulgebäudes des ehemaligen Theodor-Mommsen-Gymnasiums auf den Schulnetzplan bedeutete für alle Schüler der Stadt, dass zwar immer noch wenig Platz im Klassenzimmer ist, aber dass es immerhin noch Platz gibt. Mit Aufnahmemöglichkeiten für gerade mal fünf weitere Klassen pro Jahrgang in der gesamten Stadt war die Kapazität der Gymnasien in Leipzig schon letztes Jahr offiziell „erschöpft“. Die neue Außenstelle in Connewitz gibt nur kurz Zeit zum Durchatmen. Kurz- und mittelfristig braucht Leipzig vier weitere neue Gymnasien.
Allein im Planungsraum Zentrum-Süd, in dem das Reclam-Gymnasium, das Thomas-Gymnasium, das Ostwald-Gymnasium, das Kant-Gymnasium und nun das Neue Nikolaigymnasium/Außenstelle zusammengefasst sind, wird ein Anstieg der 5. Klassen von jetzt 16 auf 34 in den Jahren 2020 bis 2023 erwartet. Dass die Grundschülerzahl im Süden im gesamten Stadtgebiet am stärksten steigt, könnte vor allem für das Kant-Gymnasium und seinen neuen Nachbarn in Connewitz ein Problem werden, denn diese beiden Gymnasien sind die einzigen im Süden, die von potenziellen Schülern keine Aufnahmeprüfung als Voraussetzung für eine vertiefte Ausbildung verlangen.
Wo einst das Haus der heiteren Muse stand, ist mittlerweile die Natur zurück.
Foto: Marko Hofmann
Verteilt man die für 2020 und folgende Jahre prognostizierten 34 neuen 5. Klassen auf die jetzt fünf Schulen im Planungsraum, müsste jede Schule pro Jahr rund sieben neue 5. Klassen aufnehmen. Was so schon unmöglich erscheint, wird noch dadurch verschärft, dass der Bedarf schon vorher angewachsen sein wird, die Schulen also theoretisch weit mehr als drei- oder vierzügig geführt werden müssten. Wenn, ja wenn nicht Abhilfe geschaffen wird, die sich im Süden als Einrichtung von zwei neuen Schulstandorten manifestieren soll.
Doch Bauflächen mitten im Süden sind rar, am ehesten käme wohl der Standort der ehemaligen Clara-Zetkin-POS in der Telemannstraße oder das Gebiet hinter dem Bayerischen Bahnhof in Frage, wie schon unlängst Dr. Siegfried Haller vom Amt für Jugend, Familie und Bildung gegenüber L-IZ.de erklärte. Dort könnte ein neues Gymnasium entstehen, aber nicht vor 2015. Ein anderes würden die Verfasser des Entwurfs des Schulentwicklungsplans (SEP) gern im Planungsraum Ost sehen, denn auch dort soll sich die Lage in Zukunft verschärfen. Ein Neubau soll nicht nur den Osten und den Süden entlasten, sondern auch „stabilisierend auf die sozialräumliche Entwicklung im Leipziger Osten wirken“, wie es im Entwurf heißt.
Die Hofmeisterstraße östlich vom Hauptbahnhof.
Foto: Marko Hofmann
Die Stadt sucht deshalb händeringend nach einer Baufläche im Übergang zwischen Zentrum-Ost und Neustadt-Neuschönefeld, die mit dem öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen ist. Ein potenzieller Bauplatz wäre sicherlich die seit der brandbedingten Zerstörung des Hauses der heiteren Muse ungenutzte Fläche östlich vom Bahnhof entlang der Hofmeisterstraße. Doch dieses eine neue Gymnasium wird dem Süden und dem Osten nicht helfen können. Für den Planungsraum Ost wird langfristig von einer Überschreitung der Gesamtkapazität im Planungsraum von fünf Zügen ausgegangen.
Im SEP wird deshalb gefordert, dass sich die Stadt im Einzugsbereich der Humboldt-Schule und der Neuen Nikolaischule eine Vorbehaltsfläche sichern sollte, um kurzfristig reagieren zu können, falls sich die prognostizierte Bedarfsentwicklung bestätigen wird.
Die Außenstelle des Neuen Nikolaigymnasiums.
Foto: Marko Hofmann
Ganz ähnlich sieht es im Norden aus. Hier können die vier Schulen, Heisenberg-Gymnasium, Schiller-Gymnasium, Brockhaus-Gymnasium und Leibniz-Gymnasium insgesamt 15 neue 5. Klassen aufnehmen. Konnte eine Überschreitung dieses Wertes im letzten Schuljahr noch durch Lücken in älteren Jahrgängen kompensiert werden, droht auch für diesen Bereich eine langfristige Überbuchung der Bildungseinrichtungen um dauerhaft vier 5. Klassen ab 2017/2018. Deshalb soll auch für den Norden nach 2015 ein neuer, aber fünfzügiger Standort geschaffen werden, idealerweise zwischen Hauptbahnhof und Chausseehaus. Dort stand – bis zur Zerstörung im Krieg – einst die Schillerschule.
Die Zeiten, in denen Eltern aus dem Süden Leipzigs ihr Kind mangels Platz im eigenen Stadtteil an das Johannes-Kepler-Gymnasium in der Dieskaustraße schicken sollten, gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Der Planungsraum West braucht jeden Stuhl, und weil selbst das ab dem Schuljahr 2014/2015 zu wenig sein wird, wird dann auch hier die Stadt tätig werden. Mit dem Neubau eines vierzügigen Gymnasiums soll der Bedarf in Plagwitz, Schleußig, Lindenau und den innenstadtnahen Gebieten gedeckt werden.
Das macht zunächst insgesamt vier neue Gymnasien für Leipzig, mit der Option auf ein weiteres.
Noch bis 30. September haben die Schulen Zeit, sich zum Entwurf zu äußern. Ab Dezember hat der Stadtrat das Wort, er muss jede einzelne vorgeschlagene Maßnahme diskutieren und einer Entscheidung zuführen.
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