Prognose mit Investitionswarnung: Schülerzahlen in Sachsen steigen und in Leipzig fehlen dutzende Schulen
Ralf Julke
12.07.2011
Sehr ernsthaft beschäftigt man sich seit Jahren im Sächsischen Landesamt für Statistik mit den demografischen Entwicklungen. Denn nur wer weiß, wie sich die Bevölkerung verändert, kann die richtigen Entscheidungen treffen. Und während die Landesregierung fast nur die Themen Bevölkerungsschwund und Überalterung sieht, gibt es auch ganz andere Entwicklungen. Und da müsste jetzt eigentlich gewaltig investiert werden.
Anzeige
Das betrifft nämlich den vielgeliebten Nachwuchs im Land. Fast zwei Jahrzehnte hat man da landesweit nur abgebaut, dichtgemacht, Personal gekürzt. Doch seit drei Jahren ist der Rückgang der Kinderzahlen eigentlich vorbei. Die Geburtenzahlen sind wieder gestiegen. Die Zahl der sächsischen Kinder pendelt sich wieder auf höherem Niveau ein. Zwar nicht dem von 1989/1990. Aber deutlich über dem der vergangenen zehn Jahre. Was im Klartext bedeutet: Es braucht neue Kindergärten, aber auch neue Schulen und mehr Lehrer.
Zu Beginn des Schuljahres 2010/11 lernten an sächsischen allgemeinbildenden Schulen und Schulen des zweiten Bildungsweges rund 312.000 Schüler.
In seiner 2. Schüler- und Absolventenprognose hat das Statistische Landesamt nun zwei Varianten ausgerechnet, wie sich die Schülerzahlen in den nächsten Jahren möglicherweise entwickeln. Die Variante 1 ist dabei die optimistischere. Danach wird der Höchststand mit 346.000 Schülern in den Schuljahren 2016/17 bis 2020/21 erwartet. Danach erfolgt bis 2030/31 ein Rückgang auf 324.000 Schüler.
In Variante 2 werden für das Schuljahr 2016/17 mit etwa 338.000 die meisten Schüler prognostiziert. Nach einem kontinuierlichen Rückgang werden es bis 2030/31 in dieser Variante nur noch 285.000 sein.
Wobei natürlich sämtliche Prognosen ab dem Jahr 2016 mit gewaltigen Unsicherheiten behaftet sind. Denn ab da wird ja mit Kindern gerechnet, die überhaupt noch nicht geboren sind. Und die Geburtenzahlen hängen nicht nur davon ab, wie genau die Bevölkerungsvorausschätzungen des Freistaats eintreffen. Sie hängen auch von wirtschaftlichen und sozialen Rahmendaten ab, die beeinflussen, ob Frauen sich ihren Kinderwunsch noch erfüllen (und in welchem Alter) und wieviele Kinder sie haben wollen.
Da verläuft prognostisch die Entwicklung nicht nur in den einzelnen Schularten unterschiedlich.
Nach Prognose des Landesamtes könnten die Schülerzahlen an den Grundschulen im Schuljahr 2016/17 mit 126.000 (V2) bzw. 127.000 (V1) Schülern ihren Höchststand erreichen und danach bis 2030/31 um 15 bis 26 Prozent auf dann 94.000 bzw. 107.000 sinken. Hauptausgangspunkt für diese Annahme sind natürlich die geburtenschwachen Jahrgänge von Mitte der 1990er Jahre, die jetzt ins gebärfähige Alter kommen. Doch schon die Leipziger Geburtenentwicklung der letzten drei Jahre hat gezeigt, dass dieser Faktor möglicherweise gar nicht so in die Statistik eingeht, weil immer mehr junge Frauen ihren Kinderwunsch erstmals mit dem 29. und 30. Lebensjahr erfüllen.
Die Mittelschulen erreichen nach Prognose des Statistischen Landesamtes ihre höchsten Schülerzahlen mit 95.000 bzw. 98.000 im Schuljahr 2020/21. Danach sinken diese auf 83.000 bzw. 94.000 im Schuljahr 2030/31.
An den Gymnasien werden in Variante 1 in den Schuljahren 2020/21 bis 2027/28 etwa 103.000 Schüler erwartet, bis zum Schuljahr 2030/31 sinken dann die Schülerzahlen wieder leicht auf 102.000. In Variante 2 werden die höchsten Schülerzahlen mit 98.000 im Schuljahr 2020/21 erreicht. Danach wird bis zum Schuljahr 2030/31 mit einem Rückgang auf 89.000 gerechnet.
Wie gesagt: Alles mit Fragezeichen. Denn eines ist jetzt schon klar: Immer stärker wird die Entwicklung in den drei kreisfreien Städten die Entwicklung im Freistaat bestimmen. Mit dem permanenten Bevölkerungsverlust verlieren die ländlichen Räume auch an jungen Menschen, die Familien gründen und Kinder gebären könnten. Sie sind in den letzten Jahren verstärkt in die drei Großstädte abgewandert und sorgen dort dafür, dass die Geburtenzahlen und damit zwangsläufig auch die Schülerzahlen drastisch steigen. Drastisch in Bezug auf die Schulgebäude, die in Leipzig schon heute in wichtigen Quartieren fehlen.
Und Leipzig kann nicht wirklich damit rechnen, dass auf die Stadt die "harmlosere" Variante 2 zutrifft. Selbst nach der wird in den Kreisfreien Städten Dresden und Leipzig bis 2030/31 ein starker Anstieg der Schülerzahlen gegenüber dem heutigen Stand vorausberechnet.
So sagt das Landesamt für Leipzig in der "milderen" Variante 2 einen Anstieg der Schülerzahlen von aktuell 37.000 auf 42.500 im Schuljahr 2015/2016 voraus. Schon das wären statistisch rund 20 Schulen, die zusätzlich gebraucht würden. Aktuell unterhält Leipzig 141 öffentliche Schulen. Die Lage wird sich aber selbst in dieser Variante weiter zuspitzen. 2020/2021 wird mit 46.500 Schülern gerechnet und 2025/2025 dann 47.100. 2030/2031 wären es dann noch 44.300.
Dresden würde nach dieser Prognose 2025/2026 den Gipfelpunkt mit 51.100 Schülern erreichen. Aktuell: 39.800.
Chemnitz würde sich nur von 17.000 auf 19.200 im Schuljahr 2020/21 steigern.
Aber wie gesagt: Das ist die eher konservative Berechnung.
Die etwas mutigere Variante 1 geht für Leipzig schon 2015/2016 von 43.500 Schülern aus, 2020/2021 wären 48.100, 2025/2026 schon 51.000 und 2030 / 2031 sogar 52.200. (Dresden würde sich sogar von 40.000 auf 56.800 Schüler steigern.)
Selbst wenn man pro Schule von 300 Schülern ausgeht, würde das für Leipzig bis 2015 den Bedarf an 21 neu zu öffnenden Schulen begründen, bis 2020 würden weitere 15 gebraucht und bis 2025 weitere 10.
Ein finsteres Szenario, wenn man bedenkt, dass wichtige Schulinvestitionen, die schon längst begonnen sein sollten - wie in Gohlis oder der Südvorstadt - durch verändere Förderkulissen gestoppt wurden. Leipzig müsste tatsächlich spätestens 2012 ein groß angelegtes Schulsanierungs- und -bauprogramm starten, um den jährlichen Zusatzbedarf von bis zu 1.000 Plätzen im Jahr auffangen zu können.
Der Nachteil der diversen Überlegungen der Staatsregierung zur demografischen Entwicklung ist: Sie hat die Details der Entwicklung stets ausgeklammert und betrachtet das Land als homogenen Spielraum, als englischen Rasen. Dass die Entwicklung in den drei Großstädten mittlerweile völlig konträr zum ländlichen Raum verläuft, spielt in allen Reformprogrammen der Staatsregierung keine Rolle.
Der Landkreis Nordsachsen wird nach den Prognosen des Statistischen Landesamtes weiter massiv an Schülern verlieren. Dem Landkreis Leipzig prognostiziert das Amt für die nächsten Jahre zumindest recht stabile Schülerzahlen.
Es passte natürlich. Am einen Ende der Straße erklärte Baubürgermeister Martin zur Nedden den wissbegierigen Journalisten, warum die Stadt jetzt auffällige Piktogramme neben die Blindenleitstreifen in der Grimmaischen Straße malen lässt - und 100 Meter weiter stand ein Blumentransporter drauf und ein DHL-Auto parkte mal kurz. Es geht wohl nicht wirklich um die Leitstreifen im Pflaster. Es geht wohl mehr um die tägliche Gedankenlosigkeit der Eiligen. mehr…
Am Samstag, den 26. Mai 2011 findet auf dem Sportcampus Jahnallee das alljährliche Internationale Kinderfest der Studentischen Eltern Leipzig e.V. statt. Das Fest für Leipziger Familien wird von Engagierten vieler internationaler Vereinigungen wie dem Zentrum für europäische und orientalische Kultur (ZEOK) und der Capoeira-Gruppe mit verschiedensten Aktionen getragen. mehr…
Die Fotoausstellung "Es ‚messet’ wieder." ist Teil des Pilotprojekts „Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“ im Rahmen der Forschungsförderung „Geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung“ des Freistaates Sachsen. Die Studenten und Wissenschaftler des Fachbereichs Buchwissenschaft an der Universität Leipzig erforschen seit dem Wintersemester 2009/10 die vom Stuttgarter Stammverlag zur wissenschaftlichen Erschließung zurückgeführten Archivdokumente des Leipziger Parallelverlagsteils. mehr…
Die LVB planen für August 2012 eine weitere Erhöhung der Fahrpreise. Ein Einzelfahrschein wird zum Beispiel 20 Cent mehr kosten. Insgesamt werden die Tarife um rund 10 Prozent erhöht. Die Grüne Hochschulgruppe kritisiert diese Entwicklung scharf. Sie sieht die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs gefährdet und findet, Busse und Bahnen sollten für alle bezahlbar bleiben. mehr…
Wagner ist Leipziger. Irgendwie schon. Am 22. Mai 1813 hier geboren. 1834 fortgegangen Richtung Würzburg. "Als fertig ausgebildeter Komponist", betont Thomas Krakow, Wagner-Beauftragter der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender des Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. Wagner-Beauftragter ist er, weil Leipzig 2013 im Mittelpunkt steht, wenn der 200. Geburtstag des kleinen Wilhelm Richard Wagner gefeiert wird. mehr…
Im Rahmen einer Tournee zu ihren Schwesternhochschulen in Aachen, Mainz und Hannover macht die Big Band der Hochschule für Musik und Tanz Köln auch Station in Leipzig. Sie tritt am Mittwochabend, 23. Mai, in der Hochschule für Musik und Theater, Grassistraße 8 auf. Gespielt werden zwei Kompositionen des Big-Band-Leiters Joachim Ullrich: „No Better Blues Suite“ und „Second Crime Suite“, die die Band in der letzten Phase erarbeitet und aufgenommen sowie in zwei Konzerten in Köln präsentiert hat. mehr…
"agra - Brücke B2. Und wie weiter?" Unter dieser Überschrift lädt die Arbeitsgruppe Landschaftspflege des Grünen Ringes Leipzig am Mittwoch, 23. Mai, in den Kleinen Lindensaal des Rathauses Markkleeberg ein. Verschiedene Planungen für den Bereich der agra sollen näher vorgestellt, näher beleuchtet und mit allen Beteiligten diskutiert werden. mehr…
Annaberg ist eigentlich nur die halbe Stadt. Annaberg-Buchholz heißt die Doppelstadt an der Sehma seit 1945. Die Sehma war 1497 noch Landesgrenze zwischen dem ernestinischen und dem albertinischen Sachsen, als die Neustadt am Schreckenberg gegründet wurde, die ab 1501 Annaberg hieß. Der Grund für die Gründung mitten im wilden Erzgebirge: das Erz natürlich, das große Berggeschrei, das genau von hier aus losging 1491. mehr…
In ihrem ersten Heimspiel der neuen Football-Regionalliga-Saison mussten sich die Leipzig Lions den Rostock Griffins glatt mit 0:41 geschlagen geben. Gegen die Greife von der mecklenburgischen Küste fanden die heimischen Löwen am Sonnabend einfach keine Mittel. Für Running Back Daniel Teubert war es zugleich das letzte Spiel im Lion-Dress. mehr…
Es ist eine Mischung aus Volksfest und hochklassigem Sportevent. Die 9. Auflage der „Sparkassen Neuseen Classics – Rund um die Braunkohle“ war auch am Sonntag, den 20. Mai, eine Erfolgsstory. Über 50.000 begeisterte Zuschauer jubelten bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen Profis wie Amateuren auf ihren Rennrädern entlang der Strecke und im Gewerbepark Zwenkau zu. mehr…
Im Prozess um den Tod einer Leipziger Arabistik-Studentin gibt es ein Geständnis. Verteidiger Ralf Juhnke verlas zu Beginn des zweiten Verhandlungstags eine Erklärung. Sein Mandant Sebastian T. (28) habe Franziska S. (25) im Streit mit einem Hammer erschlagen. Im Studentenwohnheim in der Johannes-R.-Becher-Straße lauerte der Berliner seiner Ex-Freundin auf, um sie zur Rede zu stellen. mehr…
Am Dienstag, 29. Mai, beginnt die große Festwoche am Neuen Nikolaigymnasium, mit der das 500-jährige Bestehen der Schule gefeiert wird. Im Gegensatz zur Thomasschule wissen die Nikolaitaner sogar recht sicher, dass ihre Schule ihre Wurzeln im Jahr 1512 hat. Und selbst das Schulgebäude existiert noch am Nikolaikirchhof. Hier könnte man in diesem Jahr auch feiern. Das tut man auch. Am 29. Mai eröffnet dort die Ausstellung "Bürgerstolz und Bildung". mehr…
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben einen Meilenstein auf dem Gebiet der Erforschung von Gliazellen gesetzt. Sie konnten in einer internationalen Zusammenarbeit den Nachweis führen, dass Nervenzellen und Gliazellen ähnliche Wirkmechanismen haben. Beide setzen zur Kommunikation Botenstoffe frei. Bislang wurde den Gliazellen diese Fähigkeit abgesprochen, sie galten nur als "Stützgerüst" für die Nervenzellen. mehr…
Nach dem überraschenden Rücktritt von Lok-Trainer Willi Kronhardt hat beim 1. FC Lok Ernüchterung Einzug gehalten. Präsident Michael Notzon rekapituliert noch einmal für L-IZ.de die Ereignisse am Sonntagvormittag und bezieht Stellung zur Finanzsituation des Vereins. mehr…
Ein Film über eine einzigartige Begegnungsreise durch die Krisenregion Nahost ist am Dienstag, dem 22. Mai, um 19:30 Uhr der naTo, Karl-Liebknecht-Str. 8, zu sehen. Für den Film „Wir weigern uns Feinde zu sein“ begleiteten Stefanie Landgraf und Johannes Gulde zwölf deutsche Jugendliche. mehr…