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Schulentwicklungsplan: In Leipzigs Mitte entspringt ein Problem

Marko Hofmann
Schule am Floßplatz.
Schule am Floßplatz.
Foto: Marko Hofmann
Es ist ein großer roter Kreis im Entwurf des Schulentwicklungsplans 2011, der für ein großes Problem steht: Der Stadtbezirk Mitte braucht mindestens drei Grundschulen. Doch es ist nicht der einzige Kreis auf dem Leipziger Stadtplan, der Sorgen bereitet.

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Insgesamt gibt es fünf rote und vier grüne Kreise und damit neun mehr oder weniger große Probleme im Leipziger Grundschulnetz.

Der Schulentwicklungsplan 2011 für Leipzig liegt derzeit bei Fraktionen, Schulen und Stadtelternrat, die sich über das, was drin steht, so ihre Gedanken machen werden. Auch die Leipziger Internet Zeitung hat mittlerweile ein Exemplar, in dem unter anderem nach Stadtbezirken gegliedert eine Bestandsaufnahme bei den Grundschulen enthalten ist. Welche Schulen gibt es, welche sind staatlich, welche in freier Trägerschaft? Wie viele Klassen und Schüler hat welche Schule im Moment – eine Information, die übrigens nicht jede freie Schule preisgibt - wann wurde die Schule gebaut, wie ist der bauliche Zustand, wird das Schulgebäude mit einer anderen Einrichtung geteilt, wie viele Räume hat es? Soweit die Bestandsaufnahme, die nur einen Teil ausmacht. Ein anderer, der wichtigere, weil bis dahin unbekannte Teil, ist die Zukunftsprognose für diese Stadtbezirke, die keineswegs immer gleich ist.

Insgesamt wird die Zahl der Klassen an staatlichen Grundschulen in Leipzig laut Prognose von 636 im Schuljahr 2010/2011, bis zum Schuljahr 2020/2021 auf ca. 830 ansteigen. Es wird erwartet, dass die Zahl der Grundschüler dann um circa 4.000 gestiegen sein wird. Gingen letztes Schuljahr noch circa 12.774 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren in eine staatliche Grundschule, sollen es bereits 2019/2020 um die 17.000 sein. In ähnlicher Dimension soll auch die Zahl der Hortkinder steigen.

Schon völlig ausgelastet: die Schule am Floßplatz.
Schon völlig ausgelastet: die Schule am Floßplatz.
Foto: Marko Hofmann
Doch nicht in allen Stadtteilen werden dringend Grundschulen gebraucht, in Paunsdorf soll sogar eine geschlossen werden. In Leipzig gilt derzeit generell: Wer Kinder lachen und Familien spazieren gehen sehen will, muss sich an den Rändern des Auwalds aufhalten. Sowohl in Gohlis-Süd als auch in Mitte als auch in Plagwitz oder in der Südvorstadt laufen zahlreiche Kleinwüchsige durch die Straßen. In der Ost-West-Ausrichtung herrscht dagegen im wahrsten Sinne des Wortes tote Hose. Im Schulentwicklungsplan gibt es hierzu eine Karte mit grünen und roten Kreisen. Bei rot besteht Handlungsbedarf im Sinne von Kapazitätsschaffung, bei grün Handlungsbedarf im Sinne von Schulaufhebungen oder Schulfusionen. Der dickste Kreis ist um den Stadtbezirk Mitte gezogen.

Zwischen Rosental und Bayerischen Bahnhof existieren im Moment genau fünf staatliche Grundschulen. Die Pablo-Neruda-Grundschule, die Schule am Floßplatz, die Lessingschule, die Èdouard-Manet-Schule und die ab kommendem Schuljahr, 2011/2012 selbstständige Schule 5 im Stadtbezirk Mitte – noch gibt es keinen anderen Namen - die einstige Auslagerung der Lessingschule in Systembauweise direkt am ehemaligen Zentralstadion.

Im Schulentwicklungsplan heißt es: „Bis auf die neue Schule 5 im SB-Mitte sind die Kapazitäten der Grundschulen im Stadtbezirk erschöpft.“ Schon jetzt. In diesen Schulen wurden im Jahr 2010/2011 genau 57 Schulklassen unterrichtet. Im Jahr 2020/2021, dem prognostizierten Höhepunkt des Anstiegs an Grundschülern, sollen es 113 sein, also so gut wie doppelt so viele. Spätestens 2015/2016 werden die Grundschulen um mehr als 120 % ausgelastet sein. Die Lessingschule ist schon jetzt überbelegt.

Bleibt wohl vorerst im Dienst: altes Gebäude der Neruda-Schule.
Bleibt wohl vorerst im Dienst: altes Gebäude der Neruda-Schule.
Foto: Marko Hofmann
Der Stadtbezirk, so wird es im Plan vorgeschlagen, soll insgesamt drei neue Grundschulen erhalten. Vor allem im südlichen Zentrum werden diese voraussichtlich gebraucht. Im nördlichen Zentrum wird erwartet, dass die Lessingschule und ihre kleine Schwester, die irgendwann vom Interim in einen Neubau wechseln wird - und dann dreizügig geführt wird – die Nachfrage in den Griff kriegen. Allerdings geht man derzeit davon aus, dass die Richtkapazität beider Schulen zusammen im Jahr 2016/2017 um fünf Klassen überschritten wird. „Die temporäre Überschreitung des Kapazitätsrichtwerts kann durch alternierende Mehrbildung von Klassen abgesichert werden“, heißt es im Entwurf.

Weil weder die Schule am Floßplatz noch die Èdouard-Manet-Schule in der Manet-Straße in irgendeiner Form erweitert werden können, wird für das südliche Zentrum vorgeschlagen: „Es ist erforderlich, voraussichtlich ab dem Schuljahr 2015/2016, einen weiteren Schulstandort in Zentrum-Süd einzurichten, um die Bedarfsnachfrage abzusichern.“ Offen ist allerdings die Frage, wo manche Schüler in der Schule am Floßplatz ab 2013/2014 lernen werden, denn tritt die Prognose ein, wird die Richtkapazität der Schule zu diesem Zeitpunkt um vier Klassen überschritten werden. Im Jahr 2014/2015 sollen es dann schon sechs Klassen zu viel sein.

Im Zentrum-Südost soll zunächst geprüft werden, ob das jetzige Schulgebäude der Pablo-Neruda-Grundschule in der Straße des 18. Oktober nach der Fertigstellung des Neubaus, geplant für 2013, am Netz bleiben kann.

„Sollte dies nicht möglich sein, so muss im Bereich Zentrum Südost eine Fläche zur Errichtung neuer Schulhauskapazitäten gesichert werden. Mit der Fortschreibung der Schulnetzplanung ist eine Entscheidung darüber zu treffen.“

Die momentane Prognose geht davon aus, dass die Richtkapazität der Neruda-Schule erst 2014/2015 überschritten wird, dann aber auch locker bis 2025/2026. Von einer Sanierung des jetzigen Schulgebäudes ist nichts im Plan zu lesen. Ob darüber hinaus noch eine weitere Grundschule benötigt wird, soll anhand der kommenden Bevölkerungsvorausschätzung und der Schulberichterstattung entschieden werden.

Das Zeitfenster in Mitte ist also noch etwas größer als woanders …

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