Siegfried Haller im Interview zum Schulentwicklungsplan (2): Wo sollen neue Grundschulen entstehen?
Marko Hofmann
31.07.2011
Ehemaliger Schulbau an der Telemannstraße.
Foto: Marko Hofmann
Weil die Geburtenzahlen auch in Zukunft steigen werden, braucht die Stadt dringend weitere Schulgebäude. Wo und wie viele Schulen gebaut werden sollen und ob jemals der 570 Millionen-Investitionsstau im Schulbereich abgebaut werden kann, diese Fragen beantwortet Dr. Siegfried Haller, Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung, im zweiten Teil des Interviews.
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Gut erreichbare neue Schulen, das klingt nach Neubauten in Innenstadtnähe. Wo und wann werden die Arbeiten beginnen?
Die Schulen haben derzeit die Möglichkeit, zu unserem Entwurf Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahmen werden dem Plan beigelegt und das Material dann an den Stadtrat gegeben. Wenn der Entwurf vom Stadtrat beschlossen wird, kann es losgehen. Bis dahin werden wir Grundstücke suchen, die geeignet sind. Bei einigen fand schon eine erste Klärung statt. Es ist ja auch so, dass nicht dort, wo eine hohe Nachfrage besteht, auch ein freies Grundstück zur Verfügung steht.
Das Stadtviertel hinter dem Bayerischen Bahnhof wäre ein potenzielles Gebiet für Neubauten.
Das ist in der Tat ein interessantes Gebiet für uns. Derzeit beschäftigen wir uns aber auch mit dem Gebiet östlich des Hauptbahnhofs und auch das Grundstück Telemannstraße ist wieder im Gespräch. Die Schüler sollten maximal einmal umsteigen müssen.
Möglicher Bauplatz für neue Südvorstadt-Schule hinterm Bayrischen Bahnhof.
Foto: Marko Hofmann
Die ehemalige Clara-Zetkin-Schule in der Telemannstraße wurde erst vor einem Jahr abgerissen ...
Ja, weil der Bedarf lange Zeit nicht da war. 1989 hatten wir in Leipzig rund 6.000 Geburten, 1995 2.500. Im Musikviertel gibt es nicht so viele Kinder. Aber im Zuge der aktuellen Entwicklung kann dort wieder eine weiterführende Schule entstehen.
Warum nutzen Sie in Zukunft nicht einfach leerstehende Grundschulen als weiterführende Schulen?
Das geht nicht so einfach, weil Mittelschulen und Gymnasien aufgrund der benötigten Funktionsräume einen ganz anderen Raumbedarf haben.
Dürfen die Schulen mitwirken oder mitbestimmen?
Mitwirken.
Die angesprochenen Maßnahmen werden alle enorm viel Geld kosten, was die Stadt doch eigentlich gar nicht hat.
2010 abgerissen: die Schule in der Telemannstraße.
Foto: Marko Hofmann
Im Haushaltsentwurf für das Jahr 2012 sind bereits 30 Millionen Euro für diese Maßnahmen eingeplant. Die stammen zum Teil noch aus dem Konjunkturpaket, was aber auch bedeutet, dass sich der Anteil der Stadt über die kommenden Jahre erhöhen muss.
In den 1990er Jahren wurden viele Schulen aufgrund des sinkenden Bedarfs geschlossen, vergammelten seitdem oder wurden wie die angesprochene Clara-Zetkin-Schule später abgerissen. Nun muss die Stadt neue Schulen bauen. Wird es auch Konzepte geben, wie man diese neuen Schulen bei sinkendem Bedarf umnutzen kann?
Das ist ein spannendes Thema für die Zukunft, mit dem wir uns schon jetzt beschäftigen. Tatsächlich weiß keiner genau, wie sich die Geburtenzahlen in den kommenden Jahren entwickeln werden. Deswegen werden wir die Schulnetzplanung in kürzeren Abständen aktualisieren. Wenn wir mit dem derzeit laufenden Verfahren fertig sind, wird schon am nächsten gearbeitet werden.
Jetzt ist in der Telemannstraße Baufreiheit für einen Schulneubau.
Foto: Marko Hofmann
Wird man den Bedarf an Grundschulen in irgendeiner Art und Weise steuern können?
Wir werden das nicht können. Wir reagieren nur auf das Wanderungsverhalten. Einfluss kann hier der Wohnungsmarkt nehmen. Wenn ich bei mir aus dem Bürofenster in Plagwitz sehe, merke ich, dass sich hier etwas tut. Es findet eine Revitalisierung statt und das macht ein Wohngebiet interessant. Die innerstädtische Mobilität, die ich in den letzten zehn Jahren beobachtet habe, war Anfang der 90er Jahre nicht vorherzusehen. Damals zogen viele Familien auf das Land. Jetzt findet wieder eine Reurbanisierung statt.
Für die 3. Grundschule ist eine Containerlösung im Gespräch. Wie wird die konkret aussehen?
Dazu werde ich erst in der kommenden Woche etwas sagen können. Derzeit prüfen wir noch verschiedene Varianten, wie wir den Bedarf befriedigen können.
Der Investitionsstau an Leipziger Schulen wird auf 570 Millionen Euro geschätzt. Ist es überhaupt realistisch, diesen jemals abbauen zu können?
Das ist eine gute Frage. Wir arbeiten im Rahmen unserer Möglichkeiten daran und haben auch eine Prioritätenliste erarbeitet. Es geht hier vor allem um neue Fenster, Heizungen und die Umsetzung der Brandschutzbestimmungen. In Dresden ist das übrigens ähnlich.
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