Siegfried Haller im Interview zum Schulentwicklungsplan (1): Leipzig bildet – neue Schulen
Marko Hofmann
31.07.2011
Siegfried Haller.
Foto: Matthias Weidemann
Leipzigs Schulnetz steht vor der größten Veränderung in seiner jüngeren Geschichte, die Stadt braucht dringend weitere Schulgebäude. Dr. Siegfried Haller, Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung, schildert der L-IZ, wie sich die aktuelle Situation in der Stadt darstellt.
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Herr Dr. Haller, das Leipziger Schulnetz muss sich großen Veränderungen unterziehen und das relativ rasch. Können Sie erklären, wie Schulnetzplanung funktioniert und mit welchen Bekannten beziehungsweise Unbekannten Sie zu tun haben?
Ziel der Schulnetzplanung ist eine mittelfristige Prognose über fünf Jahre und eine Aufzeichnung der Entwicklung für weitere fünf Jahre. Die Daten erhalten wir alle zwei Jahre vom Amt für Statistik und Wahlen.
Zunächst erfassen wir laut Schulnetzplanverordnung des Freistaats den Bestand an Schulgebäuden und deren regelmäßige Nutzung und die demografische Entwicklung, die wir in die Planung einfließen lassen. Aber genau das ist in Leipzig komplex.
Inwiefern?
Im Bereich der Grundschulen ist Leipzig in Schulbezirke eingeteilt, weswegen zumindest hier eine gute Vorhersage möglich ist. Im Bereich der weiterführenden Schulen ist das schon schwieriger, weil die Schüler sich ihre Schule frei wählen können. Im Süden gibt es beispielsweise eine Ballung an Schülern, weil bis auf das Kant-Gymnasium alle anderen Gymnasien von ihrem Bildungsangebot her Schüler aus der ganzen Stadt anlocken. Es ist einfach nicht genau vorhersagbar, wie viele Schüler auf eine dieser Schulen mit besonderem Bildungsangebot wechseln.
Und auch die Quote beim Übergang von Grundschule auf das Gymnasium oder die Mittelschule ist nie genau vorhersagbar. Dieses Jahr sind beispielsweise sehr viele auf die Mittelschule gewechselt, was mit den Veränderungen der Übergangsregeln zu tun hat. Für die Zukunft nehmen wir an, dass die Hälfte der Schüler an die Mittelschule wechselt und die andere ans Gymnasium. Aber genau weiß es keiner.
Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung: Dr. Siegfried Haller.
Foto: Matthias Weidemann
Wenn Sie die einzelnen Schultypen durchgehen: Wie stellt sich die aktuelle Situation dar?
Die Zahl der Grundschüler ist von 9.500 im Jahr 2003/2004 auf 13.000 gestiegen und wird bis 2019/20 noch weiter bis auf 16.800 steigen. Also noch mal um ein Drittel. Soweit zumindest die Prognose. Im Moment würden die Grundschulkapazitäten in Leipzig theoretisch ausreichen, um den Bedarf zu decken. Allerdings ist der Bedarf nicht gleich verteilt. Während er im Osten und Westen stagniert, steigt er im Norden und Süden. Meines Erachtens verläuft die Entwicklung entlang des Auenwalds. Wir haben hier also eindeutig Nachholbedarf. Warum das so ist, kann ich nicht sagen, der größte Teil der Entwicklung fand vor meiner Zeit statt.
Ähnlich verläuft die Entwicklung bei den Gymnasien. Fielen die Zahlen von 18.200 Schülern 1995/1996 auf 8.700 im Schuljahr 2010/2011, so steigen sie jetzt wieder stark an und werden laut jetziger Prognose im Jahr 2026/2027 bei 17.200 liegen.
Insgesamt haben wir hier bereits jetzt Unterkapazitäten in den Bereichen Mitte, Süd und Nord. Und im Gegensatz zu den Grundschulen würden alle Gymnasien zusammen nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken, wenn nicht wieder das ehemalige Theodor-Mommsen-Gymnasium als Außenstelle des Neuen Nikolai Gymnasiums eröffnet werden würde. Die Zahl der Mittelschüler wird sich bis 2026/2027 im Gegensatz zum Schuljahr 2009/2010 auf rund 12.800 fast verdoppelt haben. Also ist auch hier Handlungsbedarf.
Dr. Siegfried Haller.
Foto: Matthias Weidemann
Ihre Mitarbeiter haben in den vergangen Monaten aufgrund dieses Datenmaterials den Schulentwicklungsplan erarbeitet. Momentan liegt er bei den Schulen. Was sind die Kernelemente dieses Papiers?
Die große Fragestellung bei der Erstellung dieses Schulentwicklungsplans war: Wie reagiert Leipzig im Schulbereich auf die demografische Entwicklung? Bei den Zahlen ist logisch, dass wir große Veränderungen vornehmen müssen.
In all den Bezirken, wo Grundschulen fehlen, sollen in naher Zukunft neue Schulen gebaut werden. Für andere ist eine Sanierung vorgesehen. Das gilt im Bereich Mitte für die 5. Grundschule und im Süden für die 3. Grundschule. Der Neubau der Erich-Kästner-Schule hat bereits begonnen. In Plagwitz/Schleußig wird es an der Erich-Zeigner-Schule eng, weswegen wir dort den Gebäudeteil Weißenfelser Straße reaktivieren. In Gohlis-Süd wird das derzeitige Domizil der Erich-Kästner-Schule nach Fertigstellung des Neubaus am Netz bleiben. Mit einem Anstieg bei der Zahl der Grundschüler ist auch in Reudnitz-Thonberg zu rechnen.
Es wurde bereits vermeldet, dass die Stadt die Schulbezirksgrenzen verschieben will …
Die könnten wir zwar verändern, die Schulen würden dadurch aber nicht stärker ausgelastet werden, denn es gibt Richtlinien, dass der Schulweg für ein Schulkind nicht länger als zwei Kilometer sein darf.
Wie ist der Plan für die weiterführenden Schulen?
Hier werden ebenfalls Gebäude saniert und neue errichtet. Insgesamt brauchen wir bis zu fünf neue Gymnasien und bis zu vier neue Mittelschulen. Diese Schulen sollen möglichst aus mehreren Stadtteilen zu erreichen sein.
Die Schülerzahlen im Förderschulbereich stagnieren, bei den Berufsbildenden Schulen ist die Schülerzahl weiter rückläufig. Darauf haben wir schon mit Zusammenlegungen und Schließungen reagiert.
Teil 2 des Interviews mit Dr. Siegfried Haller lesen Sie in Kürze hier auf L-IZ.de.
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