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Umweltzone Leipzig: Meinungen, Debatten - und das Unvermeidbare
Luftreinhaltungsplan, EU-Normen ab 2011, Umweltzone, Feinstaub, Stickoxide und des deutschen liebstes Kind im Zentrum einer erregten Leipziger Debatte. Seit der Leipziger Bürgermeister für Umwelt, Ordnung & Sport Heiko Rosenthal die Errichtung einer Umweltzone als ultima ratio zur Einhaltung der europäischen Richtlinien der Luftreinheit verkündete, brodelt es in der städtischen Wirtschaft und Politik.
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Leipzigs Umweltzone und ein Appell der Grünen: Endlich verkehrspolitische Beschlüsse ernsthaft umsetzen

Ralf Julke
Umweltzone Leipzig.
Umweltzone Leipzig.
Foto: Matthias Weidemann
Im Zusammenhang mit den Diskussionen um das Musikviertel wurde deutlich: Nicht nur die Bürger des Viertels sind mit der Leipziger Verkehrspolitik nicht zufrieden. Auch verschiedene Fraktionen des Stadtrats stellen die Verkehrsleitlinien in Frage. Seit Dienstag gilt die Umweltzone. Grund, endlich ernst zu machen, finden die Grünen.

Die L-IZ im Überblick

Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen mahnt mit der am 1. März in Kraft getretenen Umweltzonenregelung in Leipzig an, die vielfach in Beschlüssen niedergelegten Prämissen einer nachhaltigeren kommunalen Verkehrspolitik endlich mit Nachdruck umzusetzen, um zukünftig auf eine Umweltzone auch wieder verzichten zu können. Den Kritikern der Umweltzone, insbesondere der FDP, wirft die bündnisgrüne Stadtratsfraktion billigen Populismus vor, mit dem sie ihre Mitverantwortung für die eingetretene Situation und ihre völlige Alternativlosigkeit zu kaschieren versuchten.

„Von den Umweltqualitätszielen über den Stadtentwicklungsplan Verkehr und öffentlicher Raum, das Radverkehrsentwicklungskonzept, den Nahverkehrsplan oder den Luftreinhalteplan - in einer Vielzahl grundsätzlicher Dokumente hat sich die Stadt zum Vorrang des Umweltverbundes aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr gegenüber dem motorisierten Verkehr bekannt“, erklärt der stadtentwicklungs- und verkehrspolitische Sprecher der Fraktion Roland Quester. „Ob Umwelt-, Natur- und Gesundheitsschutz, die Wiedergewinnung öffentlicher Räume und der Erhalt städtebaulicher Strukturen oder die Verringerung der Kosten für die Verkehrsinfrastruktur, es gibt eine lange Liste guter Gründe für diese Prämissen. Nicht zuletzt gehört dazu auch, dass der
notwendige Wirtschaftsverkehr davon profitiert, wenn auf den Umweltverbund verlagerbare Fahrten nicht die Straßen verstopfen und die Luft- und Lärmgrenzwerte ausreizen.“

Doch ein dicker Luftreinhalteplan ist noch kein umgesetztes Luftreinhaltepaket. Die im LRP verankerten Maßnahmen könnten perspektivisch auch eine Umweltzone überflüssig machen - wenn sie denn nur umgesetzt würden, meinen die Grünen. Das beträfe nicht nur die defizitäre Finanzausstattung des Umweltverbundes, sondern auch den personellen Ressourceneinsatz etwa für Planungen, die Details einzelner Verkehrsplanungen und Beschlüsse (wie die Zulassung immer weiterer Stellplätze in der Innenstadt) und das eher zögerliche Engagement z.B. bei der Förderung des Car-Sharing.

„Nur wenn die auch im Luftreinhalteplan aufgenommenen Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und der Verlagerung auf den Umweltverbund tatsächlich mit Leben erfüllt und umgesetzt werden, wird man einmal wieder auf eine Umweltzone verzichten können, die für alle Beteiligten viel bürokratischen Aufwand und Kosten bedeutet“, so Roland Quester.

Roland Quester.
Roland Quester.
Foto: Grüne Fraktion Leipzig
Der vielfältigen Kritik der letzten Tage hält der verkehrspolitische Sprecher entgegen, dass sie von der falschen Seite komme, zum wiederholten Male mit falschen Behauptungen arbeite und keinerlei alternative Ansätze biete.

"Ein bloßes Nein zur Umweltzone senkt keine Schadstoffbelastung. Und die Grenzwerte sind verbindlich einzuhalten. Während sich die bündnisgrüne Fraktion seit dem ersten Aktionsplan des damaligen Regierungspräsidiums 2005 regelmäßig und kritisch zur Wirksamkeit der Luftreinhaltemaßnahmen und deren äußerst mangelhafter Umsetzung geäußert hat, haben Land, Stadtverwaltung, die Kammern und die FDP solange geschwiegen und das Thema auszusitzen versucht, bis als letztes Mittel die Umweltzone kam."

Wenn die Jungliberalen behaupten würden, sie wäre ein Produkt von Linken und Grünen, sei das eine Verdrehung der Tatsachen. Die Luftreinhaltrichtlinie sei ein Produkt der EU und politisch verantwortlicher Berichterstatter dazu sei der Leipziger Europaabgeordnete Holger Krahmer, FDP, gewesen. Den Landtagswahlkampf 2009 habe die FDP in Leipzig dann mit Großplakaten mit dem Slogan „Mit der FDP in der Landesregierung wird es keine Umweltzone in Leipzig geben“ bestritten. Mit der FDP in der Landesregierung sei die Stadt vom Land aber zur Umweltzone gezwungen worden.

Und statt den öffentlichen Verkehr - wie es auch die FDP-Stadtratsfraktion 2009 als Alternative zur Umweltzone beantragt hatte - und verkehrsarme Siedlungsstrukturen zu fördern, streiche der FDP-Landesverkehrsminister Sven Morlock dessen Finanzierung rigoros zusammen und die Stadtrats-FDP unterstützt auch noch statt des innerstädtischen Handels das Factory-Outlet-Center in Wiedemar – zu erreichen nur per PKW.

"Während sich die Bündnisgrünen in Permanenz für eine schadstoffarme Siedlungs- und Verkehrsorganisation, die Umweltzonen gar nicht erst nötig machen, mit konkreten Vorschlägen engagieren, war die FDP originär für die Einführung der Umweltzone in Leipzig mitverantwortlich und torpediert so gut wie alles, was diese entbehrlich machen könnte. Die permanente Wiederholung der falschen Behauptung, die Stadt hätte keine Umweltzone einführen müssen, kann nicht über diese direkte Verantwortung hinwegtäuschen", kritisiert Quester die Liberalen.

"Wer heute zudem Behauptungen aufstellt, der Verkehr wäre nicht mehr die Verschmutzungsquelle Nummer eins, die EU würde aktuell die Grenzwerte entschärfen oder die Umweltzonen abschaffen wollen, eine Grüne Welle bringe prinzipiell mehr als die Umweltzone oder in Ulm wäre wissenschaftlich bewiesen worden, dass Umweltzonen keine Effekte auf die Luftschadstoffsituation haben (eine Auswahl publizierter Behauptungen allein der letzten Woche), kennt entweder die Quellen und deren tatsächlichen Inhalt nicht, oder er wirft wieder mit Absicht Nebelkerzen, statt im Sinne der Betroffenen - Bevölkerung wie Wirtschaft - zur Aufklärung und Problemlösung beizutragen", sagt Quester.

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