Luftqualität 2010 in Sachsen: Wintermonate sorgten für deutliche Grenzwertüberschreitungen in Leipzig und Dresden
Ralf Julke
22.01.2011

Verkehr am Lutherring.
Foto: Ralf Julke
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat am Donnerstag, 20. Januar, eine erste Bilanz zur Luftqualität in Sachsen im Jahr 2010 gezogen. Und für die Verteidiger umweltzonenfreier Großstädte sieht das Bild nicht gut aus. Auch für Dresden nicht, das bis dato die Einführung einer Umweltzone noch ablehnt.
Leipzig bekommt ja ab März eine. Und die Zahlen, die die Messstationen ausgespuckt haben, lassen kaum eine andere Interpretation zu: Leipzig wird ohne Umweltzone noch auf Jahre hinaus die von der EU vorgegebenen Grenzwerte bei Feinstaub und Stickstoffdioxid reißen.
Bei den Grenzwertüberschreitungen bei Feinstaub (PM 10 = Partikel kleiner als 10 Mikrometer) verspricht sich Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal drei, vier Tage weniger an Überschreitungen. Doch ein etwas strengerer Winter, wie ihn Leipzig 2010 erlebte, führt schnell dazu, dass auch dieser Puffer aufgezehrt wird.
Allein in der Lützner Straße wurden 49 Tage mit Grenzwertüberschreitungen gezählt. Maximal 35 sind zulässig. Aber auch an der Messtation Leipzig-Mitte wurden 41 Tage mit Grenzwertüberschreitungen gezählt.
Als Vergleich dient stets die Messstation in Leipzig-West (in Grünau), mit der - abseits vom Verkehrsgeschehen - die so genannte Hintergrundbelastung gemessen wird, das also, was an Luftbelastungen von außerhalb ins Leipziger Stadtgebiet eingetragen wird. Hier wurden 2010 nur 22 Tage mit Grenzwertüberschreitung gemessen. Deutliches Zeichen dafür, dass es innerstädtische Emissionsquellen sind, die die Belastung über die genehmigten Grenzwerte hinaus ansteigen lassen.
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sieht hier 2010 zwei Faktoren besonders deutlich wirken: "Einen wesentlichen Einfluss auf die hohe Feinstaubbelastung 2010 hatten unter anderem die überdurchschnittlich kalten Wintermonate im Januar und Dezember. Verbunden mit den zum Teil schlechten meteorologischen Austauschbedingungen haben sie zu einem höheren Ausstoß von Luftschadstoffen aus Heizungsanlagen und Kraftfahrzeugen geführt."
Und das eben nicht nur in Leipzig.

Feinstaubbelastung in Leipzig: Winter treibt die Werte hoch.
Foto: Ralf Julke
Der Jahresmittelgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) ist zwar an allen Messstationen sicher eingehalten worden, so das Landesamt. "Dennoch wurden gegenüber dem Vorjahr 18 Prozent mehr Überschreitungen des maximal zulässigen Tagesgrenzwertes von 50 µg/m³ registriert. - An insgesamt sieben Messstationen in Sachsen sind die 35 zulässigen Tage, an denen der Tagesgrenzwert für Feinstaub überschritten werden darf, nicht eingehalten worden. Dazu gehören jeweils zwei Stationen in Dresden und Leipzig sowie die Stationen in Görlitz, Zwickau und Zittau. Im Vorjahr waren es nur vier Stationen. Spitzenreiter des Jahres 2010 mit 49 Überschreitungstagen war die Station Leipzig - Lützner Straße."
Nicht zu erwarten waren die Grenzwertüberschreitungen an 48 Tagen in Görlitz, wo die Grenzwerte in den Jahren 2007 und 2008 eingehalten und mit 36 Tagen im Jahr 2009 nur knapp überschritten worden sind, zeigt sich das Amt überrascht. Auch in Zittau (41 Tage) und Zwickau (39 Tage) sind erstmals seit Beginn der Feinstaubmessungen die zulässigen Grenzwerte überschritten worden. Der grenzüberschreitende Eintrag belasteter Luft speziell in Görlitz und Zittau sowie Baumaßnahmen im Umfeld der Messstation in Zwickau spielten dabei - so vermutet das Amt - eine wesentliche Rolle.
Dem widerspricht freilich die Tatsache, dass auch in Dresden an zwei Stationen die Zahl der Tage mit Grenzwertüberschreitungen deutlich anstieg: in der Bergstraße auf 40 und in Dresden-Nord auf 37 Tage. Wobei die Rolle der beiden heftigen Wintermonate an allen Messstationen unübersehbar ist: Zum Beispiel in Görlitz, über dessen "Ausreißer" sich das Landesamt so wundert. Dort trug allein der eisige Januar 2010 mit Grenzwertüberschreitungen an 17 Tagen zum Gesamtergebnis bei, der Dezember ließ noch einmal 9 folgen.

Kalte, schneereiche Monate lassen die Feinstaubbelastung in Leipzig ansteigen.
Foto: Ralf Julke
Praktisch dasselbe Bild in der Lützner Straße in Leipzig: 13 Tage mit Grenzwertüberschreitungen allein im Januar 2010, weitere 9 im Dezember. Dazu kam der Februar 2010, als Leipzig ebenfalls noch unter Schnee und Frost bibberte, mit 11 Tagen mit Grenzwertüberschreitungen. Praktisch dasselbe übrigens in Dresden-Bergstraße.
Aber das ist ja nicht das einzige Problem der großstädtischen Luftbelastung - das zweite Problem heißt: Stickstoffdioxid (NO2).
"Die Belastung durch Stickstoffdioxid hat sich 2010 im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich geändert", schätzt das Landesumweltamt ein. "An hoch belasteten Verkehrsstationen in Dresden, Leipzig und Chemnitz ist zwar ein leichter Rückgang registriert worden. Er reichte aber nicht aus, um den ab 2010 geltenden Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an den Stationen Leipzig-Mitte, Leipzig-Lützner Straße, Dresden-Bergstraße und Chemnitz-Leipziger Straße einzuhalten. In Dresden am Schlesischen Platz hat sich dagegen die NO2-Belastung unterhalb des Grenzwertes weiter stabilisiert."
In allen Fällen hängt das erhöhte Aufkommen von Stickstoffdioxid direkt mit dem Verkehrsaufkommen zusammen. - Der ebenfalls ab 2010 geltende Stundengrenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit, so das Landesamt, wurde an allen Stationen sicher eingehalten.
Die weiteren Luftbelastungen haben 2010 keine vorgegebenen Zielwerte gerissen.
Dazu gehört: Ozon. - "Das vergangene Jahr ist hinsichtlich der Ozonbelastung als durchschnittlich zu bewerten. Während der Hitzeperiode im Juli ist der Schwellenwert zur Information der Bevölkerung an sieben Tagen überschritten worden. Die Überschreitungen der Zielwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Vegetation lagen auf dem Niveau des Vorjahres", teilt das LfULG mit.
Schwefeldioxid (SO2): "Die Schwefeldioxidbelastung befindet sich wie in den Vorjahren auf sehr niedrigem Niveau. Im Erzgebirge traten bei Windrichtungen aus dem Böhmischen Becken vereinzelte höhere SO2-Konzentrationen auf. Es bestand aber nie die Gefahr einer Grenzwertverletzung."
Benzol: "Der ab 2010 geltende Grenzwert von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel wurde landesweit deutlich unterschritten."
Das Thema Luft im Umweltportal Sachsen:
www.umwelt.sachsen.de
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