Umweltverbände gratulieren Leipzig zur Umweltzone – und gehen mit Landesregierung ins Gericht
Matthias Weidemann
04.03.2011

Pressekonferenz zur Umweltzone.
Foto: Matthias Weidemann
Leipzig als Flaggschiff für eine saubere Zukunft – so sähen es auf jeden Fall gerne die Umweltverbände und nahmen die konsequente Einführung der Umweltzone in Leipzig im Zuge des Luftreinhalteplanes zum Anlass für ein Hintergrundgespräch mit Gratulationscharakter.
Geladen hatten der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die Deutsche Umwelthilfe. Die Verbände nutzten die Einführung der Leipziger Umweltzone für eine Art Werbekampagne in Sachen saubere Luft. Sauber war die Luft bei der Pressekonferenz im Mercure Hotel in der Stephanstraße in doppelter Hinsicht. Denn zu dem Frage- und Antwortspiel zwischen Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und den Umweltverbänden war kein Stänkerer - wie zum Beispiel der ADAC - geladen, der die Atmosphäre der Einvernehmlichkeit hätte verpesten können.
So zeigte sich denn Heiko Rosenthal auch zuversichtlich, dass man den Nachweis der Effektivität hinsichtlich der getroffenen Umweltmaßnahmen bringen werde: „Ich bin mir sicher, dass die eingeführte Umweltzone im Verbund mit den anderen in Angriff genommenen 47 Maßnahmen einen spürbaren Effekt zeitigen wird.“

Dorothee Saar, Jürgen Kasek, Heiko Rosenthal und Michael Schmiedel (vlnr.).
Foto: Matthias Weidemann
Angesichts fehlender „Antagonisten“ übernahmen die anwesenden Journalisten ihre Pflicht als kritische Hinterfrager der in der Öffentlichkeit nicht unumstrittenen Umweltzonen. Auf die Frage, wie es sich zum Beispiel mit den bisherigen Erfahrungen in Sachen Umweltzone in Berlin verhalte, antwortete Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe: „Messungen in Berlin haben ergeben, dass seit Einführung der Umweltzone der Rußpartikelgehalt in der Luft um 40 Prozent zurück gegangen ist. Der Anteil an Stickoxiden ging um 19 Prozent zurück.“
Auf das von vielen Verkehrsverbänden vorgebrachte Argument, dass eine Ampelschaltung auf „grüne Welle“ wesentlich mehr zur Verbesserung der Luftqualität beitragen würde, entgegnete Michael Schmiedel vom ökologischen VCD: „Das sind aktive Maßnahmen, die eigentlich nur dazu beitragen, dass schneller gefahren wird. Erfahrungen zeigen aber, dass die Einführung von Tempo '30' wirklich zu einer Entlastung der Umwelt beiträgt. Sowohl was eine bessere Luftqualität betrifft als auch die durch die niedrigere Geschwindigkeit geringere Lärmbelästigung. Aber eigentlich plädieren wir für eine Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs, einen Ausbau der Radwege sowie für eine Stärkung der Fußgänger. Dazu sind wir der Meinung, dass die Dimension der Leipziger Umweltzone in Verbund mit der konsequenten Einführung der grünen Plakette und rigorosen Kontrollen durchaus Wirkung zeigen wird.“
Als „gemeinsamen Feind“ machte man in der „grünen Runde“ die sächsische Landesregierung aus, die nach Meinung von Heiko Rosenthal eben gerade die Bemühungen, den Individualverkehr zu reduzieren, konterkariere: „Die Streichungen im ÖPNV in Millionenhöhe sind für mich völlig unverständlich und laufen unseren Bemühungen völlig zuwider. Das kann ich einfach nicht nachvollziehen. So wird zum Beispiel eine zügige Umrüstung unseres überalterten Busfuhrparks verhindert.“

Pressekonferenz zur am 1. März eingeführten Umweltzone.
Foto: Matthias Weidemann
In die gleiche Bresche sprang Michael Schmiedel: „Bestes Beispiel ist doch die Einstellung der S1 in Grünau. Das Schlimme an diesen Mittelkürzungen ist doch, dass darunter noch zukünftige Generationen zu leiden haben werden. Werden Strecken stillgelegt, also Schienenkilometer reduziert, reduzieren sich gleichzeitig die Fördermittel. Somit entsteht eine Art Teufelskreis.“
Leider war an diesem Treffen der Gleichgesinnten auch kein Mitglied der Landesregierung beteiligt. Es wäre sicher interessant gewesen, welche Argumente von dieser Seite den Einwänden der Umweltverbände entgegengehalten worden wären. Aber Dresden ist weit weg, und manchmal ist weit weg zu sein eben ganz schön komfortabel.
Umweltzone ab sofort in Kraft: Keine Gnade für Plakettenmuffel – Stadt will rigoros durchgreifen
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