VNG-Bilanz 2011: 211 Millionen Verlust - aber eigentlich ein idealer Partner der "Energiewende"
Ralf Julke
18.02.2012
Bilanzpressekonferenz der VNG.
Foto: Ralf Julke
Die Verbundnetz Gas AG (VNG) ist das große Flaggschiff der Wirtschaft in Leipzig. 6,3 Milliarden Euro Umsatz hatte der Energiehändler 2010 zu verzeichnen. Jahrelang hat VNG auch hübsche Gewinne erwirtschaftet. Umso heftiger die Nachricht, die Zeitungen und Wirtschaftsmagazine im Herbst in die Welt tuteten: VNG mache 2011 satte 350 Millionen Euro Verlust. Ganz so heftig kam es nicht. 211 sind's am Ende. Und die Amerikaner sind schuld.
Anzeige
Der Energiemarkt ist - anders als es die PR-Abteilungen einiger großer Konzerne immer wieder versuchen darzustellen - kein simples mechanisches Gebilde, bei dem man am einen Ende Kohle, Öl oder Gas reinsteckt und beim Kunden kommt dann Wärme oder Strom an. Er ist auch nicht so simpel, dass das Drehen von Windrädern und viel Sonne auf Solarmodulen die Stromtrassen an ihre Grenzen bringt.
Wer sogar nur den deutschen Markt betrachtet, sieht nicht, was wirklich passiert. Und die VNG hat 2011 ein Effekt erwischt, der sogar von den schwelenden Kriegen in Nah- und Mittelost ausgelöst wurde. Denn um von den Krisenherden in diesen Regionen bei der Energiebeschaffung unabhängiger zu werden, haben die USA ihre Erdgasförderung im eigenen Land drastisch hochgefahren. Seit 2007 auch verstärkt durch die Schiefergasförderung, gegen die es in Deutschland erhebliche Bedenken gibt. Der Effekt ist: Die USA fielen - beginnend ab 2010 - als weltgrößter Käufer von Flüssiggas aus. Das Flüssiggas (LNG) wird in großen Tankschiffen über die Ozeane geschippert. Da der Energiehunger der USA grenzenlos schien, sind im Nahen Osten gigantische Produktionskapazitäten für LNG entstanden.
Die "Stuttgarter Nachrichten" schrieben dazu im September 2010 beispielsweise: "Die LNG-Produzenten, allen voran das Golfemirat Katar, sitzen auf riesigen Übermengen. Der von der Wirtschaftskrise hart getroffene Schlüsselmarkt USA nimmt immer weniger ab und hat durch die eigenen Schiefergasvorkommen noch eine Alternative in petto." Die Übermengen landen seitdem an Europas Küsten an. Mit dem Effekt, den auch die VNG so kurzfristig nicht einpreisen konnte: die Gaspreise rauschten in den Keller.
Da die VNG aber den Großteil ihrer Lieferverträge langfristig abgeschlossen hat (mit Unternehmen aus Russland, Norwegen und Deutschland), saß sie 2011 auf einmal auf Gasmengen, die sie teurer eingekauft hatte, als sie sie verkaufen konnte. Das allein bewirkte schon das Minus von 260 Millionen Euro direkt bei der VNG AG, die sich im VNG Verbund dann auf 211 reduzierten. Dazu kam ein mildes Jahr. Der Gasverbrauch in Deutschland lag mit 850 Milliarden kWh um 97 Milliarden unter dem von 2010. Was den Effekt der durch LNG importierten Übermengen noch verstärkte.
Der Sitz der VNG im Leipziger Nordosten.
Foto: Ralf Julke
"Wir wollen trotzdem an den Langfristverträgen festhalten", sagte Dr. Karsten Heuchert, Vorsitzender des Vorstandes von VNG, am Donnerstag, 16. Februar. Da hatte die VNG - drei Monate früher als sonst üblich - zur Bilanzpressekonferenz eingeladen. Betrübliche Nachrichten gibt man möglichst früh in die Welt. Damit man das Jahr nutzen kann, wieder auf die Sonnenseite zu kommen.
Heißt für die VNG auch: Weitere Verhandlungen mit den Lieferanten. Mit dem russischen Importeur hat man schon eine Einigung gefunden, sagt Heuchert. Geholfen hat dabei vielleicht sogar der eisigkalte Februarbeginn. Da bekam auch die VNG nicht so viel Gas aus Russland geliefert, wie sie bestellt hatte. "Aber dazu sind ja unsere Speicher da, dass wir sowas abfedern können", sagt Heuchert. Die VNG konnte in den frostigen Tagen auch dem in Panik zitternden deutschen Süden helfen. Die VNG-Tochter Ontras konnte über die Tschechische Republik zusätzlich Lieferstrecken für Erdgas nach Bayern sichern und das Gas aus VNG-Speichern half mit, den Süddeutschen die Bude zu heizen.
Für Heuchert auch ein Vorzeigeprojekt für die Hauptdiskussion in der deutschen Energiepolitik derzeit: Wie bekommt man die mit Windkraft produzierten Strommengen in Spitzenzeiten aus Mecklenburg nach Bayern? Wo doch die Stromtrassen nicht ausreichen. "Dafür liegt das Netz für Erdgas. Es ist schon da", sagt Heuchert. Deswegen engagiere sich die VNG auch bei der von der DENA betreuten Strategieplattform "Power to Gas". Dabei wird der überschüssige Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen in synthetisches Erdgas umgewandelt und kann so problemlos von Nord nach Süd transportiert werden. Und auch das nächste Problem der Strom-Nörgler wird lösbar, denn in den großen Erdgasspeichern, die unter anderem VNG betreibt, kann auch das synthetische Erdgas gespeichert werden.
Podium zur Bilanzpressekonferenz: Michael Ludwig, Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Dr. Karsten Heuchert und Uwe Barthel (vlnr.).
Foto: Ralf Julke
Das Hauptproblem der deutschen Energiezukunft ist, dass die wesentlichen Lautsprecher alle noch auf das bestehende Stromnetz mit den vier großen Stromgiganten schielen. Aus gutem Grund: die vier Giganten bestimmen mit Millionen-PR die Diskussion. Das große Theater um die deutsche Kohleverstromung macht dabei nicht einmal Vattenfall, das im Osten die Kohleverstromung betreibt, sondern der Energieriese RWE, der im Westen jahrzehntelang auf Kohleverbrennung gesetzt hat und seit dem ersten Beschluss zum Atomausstieg unter Rot/Grün wertvolle Jahre verplempert hat, in alternative Energiestrukturen zu investieren.
Die Zukunft der Energieerzeugung, so Heuchert, wird in Deutschland sowieso wesentlich dezentraler sein. Im neuen Heft zum "VNG-Verbund" wird die Vision eines regionalen Energiekreislaufes skizziert. Da spielen dann nicht mehr die großen Kraftwerkkolosse die Rolle des Feuerwehrmannes. "Erdgas ist der ideale Partner für die erneuerbaren Energien", sagt Heuchert. Denn Gaskraftwerke sind flexibler als alle andere Kraftwerke und können jederzeit hochgefahren werden, wenn der Wind ausbleibt und die Sonne nicht scheint. Sie sind auch wesentlich kleiner, schneller zu planen und zu bauen.
Nur baut keiner welche. Denn genau das hat die Bundesregierung in ihren gesetzlichen Regelungen zur "Energiewende" nicht berücksichtigt. Man bekommt so ein Kraftwerk zwar schnell gebaut - aber die Amortisierungszeiträume belaufen sich dennoch auf zehn, zwanzig Jahre. Und das Gezappel um den "Ausstieg aus dem Ausstieg" hat fast alle Kraftwerksbetreiber, die solche Kraftwerke in Planung hatten, davon abgebracht: Man kann sich auf die politischen Rahmenbedingungen nicht verlassen.
2012 soll, so Heuchert, das Jahr werden, in dem sich die VNG wieder in die Gewinnzone wirtschaftet. "Die Zeichen sind gut", sagt er. Auch mit den anderen Langzeitlieferanten sei man im Gespräch - oder befände sich sogar im Schiedsverfahren. Am Jahresende erwartet Heuchert wieder "ein Ergebnis wie 2010". Damals erwirtschaftete die VNG-Gruppe 69 Millionen Euro, die VNG AG allein 59 Millionen. Den Gewinn werde man, so Heuchert mindestens zu einem Teil wieder in die Rücklagen stecken. Denn die 211 Millionen Euro Verlust 2011 musste man ja über die Rücklagen ausgleichen. "Da werden wir wieder auffüllen müssen", so Heuchert. Was auch bedeuten kann, dass die Aktieninhaber in den nächsten Jahren keine oder nur geringe Dividende sehen werden. Dazu gehören auch die ostdeutschen Kommunen, denen über 25 Prozent der VNG gehören. Leipzig kann also eine Weile mit keinen VNG-Millionen rechnen.
Dass es 2011 nicht 350 Millionen sondern nur 211 Millionen Euro Verlust wurden, hat auch mit den Aktivitäten der VNG an den Spot- und Terminmärkten zu tun. 41 Prozent des Umsatzes hat die VNG hier gemacht - 2010 waren es noch 32 Prozent gewesen.
Aber in einer Sache ist Heuchert sich sicher: "Ich bin davon überzeugt, dass Erdgas in Zukunft ein fester Bestandteil unserer immer dezentraler werdenden Energieversorgung bleibt."
Im Rahmen des Wave-Gotik-Treffen 2013 in Leipzig präsentieren die Passage Kinos am Sonntag, dem 19. Mai um 11:30 Uhr in den Passage Kinos den Horrorfilm Evil Dead – das Remake des Originals „Tanz der Teufel“ (OT: The Evil Dead) aus dem Jahr 1981. Für WGT-Besucher mit einem gültigen Festival-Bändchen ist der Eintritt frei! mehr…
Auszüge aus Liedsammlungen des Bach-Umkreises erklingen am Pfingstsonntag, dem 19. Mai, um 15 Uhr im barocken Sommersaal des Bach-Museums Leipzig im Rahmen eines moderierten Konzerts. In der Interpretation von Studenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig werden ausgewählte Lieder von Thomaskantor Johann Friedrich Doles (1715-1797) und Johann Ernst Bach (1722-1777) voraussichtlich erstmals wieder seit der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgeführt. mehr…
Pfingsten gilt als der Geburtstag der Kirche. Für die sächsische evangelische Landeskirche bedeutsam ist zugleich das Pfingstfest 1539. Gottesdienste nach evangelischer Lehre in Anwesenheit Martin Luthers symbolisieren die Einführung der Reformation in Leipzig. Für Superintendent Martin Henker „mehr als ein städtisches, nur lokales Ereignis“. mehr…
Um nun den Politikern den Elster-Saale-Kanal attraktiv zu machen, schlagen die Analysten der "Touristischen Potenzialanalyse" ja auch noch eine Aufwertung des eigentlich komplett langweiligen Gebietes um den Kanal herum vor. "Das Kerngebiet ist das einzige Gebiet rund um Leipzig, in dem touristisch außer Geschäftsreisetourismus bislang wenig passiert ist. Trotz seiner zentralen Lage liegt das Gebiet abseits der touristischen Ströme. Dies gilt nicht nur für den privat motivierten Urlaubstourismus, sondern auch für den Tagestourismus." mehr…
Es hat ein bisschen gedauert, aber irgendwann hat man sich auch durch die 400 Seiten "Touristische Potenzialanalyse und Betrachtung der Grobvarianten der Trassen des Projektes Anbindung des Elster-Saale-Kanals an die Saale für das Gebiet der sächsischen und sachsen-anhaltinischen Kommunen und Landkreise" gewühlt - 2011 erstellt und 2013 Grundlage jener Leipziger Ratsvorlage, die eine Zustimmung des Stadtrates für den 106 Millionen Euro teuren Ausbau des Kanals abholen will. mehr…
"Tatatata!" macht das Sächsische Kultusministerium am gestrigen Freitag, 17. Mai. Zum kommenden Schuljahr 2013/2014 wolle man 510 Neueinstellungen von Lehrkräften an den allgemein- und berufsbildenden Schulen vornehmen, verkündete es. Darüber hinaus sollen im Umfang von 83 Stellen bis zum Ende des laufenden Schuljahres befristete Arbeitsverhältnisse zum neuen Schuljahr entfristet werden. mehr…
Dem SC DHfK fehlt nur noch ein Punkt zum Klassenerhalt. Nach einem 29:26 (13:12)-Heimsieg der 2.Liga-Handballer gegen Eintracht Hildesheim scheint das Minimal-Saisonziel greifbar nah. Im zweiten und letzten Heimspiel von Michael Biegler trumpften vor allem Gabor Pulay, Matthias Gerlich und die 1.699 Zuschauer groß auf. Der Funke solle überspringen, forderte Aufsichtsrat und Co-Trainer Stefan Kretzschmar im Vorfeld der Heim-Partie gegen Hildesheim vom Publikum. mehr…
Viel zu trinken soll ja gesund sein und den Körper von innen schön feucht halten, so wird’s gesagt. Aber immer nur stilles Wasser oder ungesüßten Tee hinter zu gluckern ist irgendwann einfach öde und man verzehrt sich nach etwas frischem, spritzigem, mit feinem Geschmack. Natürlich könnte man sich in Momenten wie diesen ganz einfach eine Saftschorle mixen oder eine Cola einverleiben. Könnte man, theoretisch. mehr…
Pöbeleien und schwerste Beleidigungen über soziale Netzwerke nehmen immer mehr zu. Nach einer aktuellen Untersuchung des Bündnisses gegen Cyber-Mobbing war bundesweit bereits fast jeder fünfte Schüler und Jugendliche Opfer einer solchen Attacke. "Auch in Leipzig nimmt das Problem immer mehr zu", berichtet Villa-Geschäftsführer Oliver Reiner. mehr…
Ersatzbusse fahren in Stötteritz am Wochenende 25./26. Mai zwischen dem Haltestellen Altes Messegelände und Stötteritz, Holzhäuser Straße ersatzweise für die Straßenbahnlinie 4. Grund dafür sind die andauernden Bauarbeiten der DB AG an der Eisenbahnbrücke in der Stötteritzer/ Papiermühlstraße in Höhe der Schönbachstraße, teilen die LVB mit. In den Nächten vom 24. bis 26. Mai fährt zudem der Nachtbus N8 mit örtlicher Umleitung. mehr…
Aus gesundheitlichen Gründen muss der für den 22. Mai 2013 im Literaturhaus Leipzig geplante Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe "Zwie Sprache" mit Nadja Küchenmeister (Berlin) und Andreas Reimann (Leipzig) auf den Spätsommer verschoben werden. Am Mittwoch, 22. Mai, startet im „literaturcafé“ vom Haus des Buches um 19:30 Uhr mit „Zwie Sprache“ eine neue Veranstaltungsreihe. Zu erleben sind in der Begegnung „Zwei Stimmen, zwei Schreibweisen, zwei Temperamente“. Den Auftakt der neuen Lesereihe, die künftig zweimal pro Jahr stattfinden soll, bilden Nadja Küchenmeister und Andreas Reimann. mehr…
Das deutsch-türkische Verhältnis ist leidlich verworren. Die etwa 1,6 Millionen Türken in Deutschland stellen nicht nur die größte Minderheit, sie sind auch Teil einer deutschen Gesellschaft, die sich allzu oft darüber definiert, eben diesen Teil zu diskriminieren. Zu den Rufen nach einer Leitkultur gesellen sich mediale Debatten über den EU-Beitritt der Türkei, die Geschichte der Gastarbeiter in Deutschland, Kopftücher und Religionsfreiheit, die Integrationsproblematik und ihr Scheitern, Moscheenbau, Döner Kebab, Parallelgesellschaft. mehr…
Am Samstag, 25. Mai, findet zum 21. Mal in Leipzig der Aktionstag Lehrstellen statt. Auch in diesem Jahr präsentieren sich etwa 150 Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von 10 bis 14 Uhr im Zentrum für Aus- und Weiterbildung Leipzig am Ritterschlösschen und suchen ihren Fachkräftenachwuchs. Der größte Open-Air-Berufsorientierungstag in Mitteldeutschland hat mittlerweile einen festen Platz im Veranstaltungskalender von Jugendlichen, Eltern und Unternehmen der Region gefunden. mehr…
Auch Opa wird nicht vergessen in dieser kleinen Reihe, die Barbara Brüning aufgelegt hat. Man freut sich ja immer über solche kleinen Geschenkideen für die liebe Verwandtschaft. Und immer nur Zigarren und Schnaps kann man ja Opa auch nicht schenken. Einen neuen Bierhumpen für seine Sammlung - oder doch besser ein Buch voller Kreuzworträtsel? Opa ist ein schwieriges Thema. mehr…
Am Donnerstag, den 02.05.2013, lud der OV Ost der Leipziger SPD Mitglieder sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung zum Ausbau von Kita-Plätzen in der Stadt ein. Bildungsbürgermeister Thomas Fabian stellte dabei Bedarfszahlen dar und sprach über Mittel und Wege sowohl kommunaler Träger als auch privater Organisationen im frühkindlichen Bildungsbereich. mehr…