20. Wave Gotik Treffen: Das große L-IZ - Interview mit Pressesprecher Cornelius Brach Teil 1
Daniel Thalheim
06.04.2011

Szenehelden Deine Lakaien sind zu Pfingsten wieder live in Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim
Das 20. WGT rückt immer näher. Grund, dem Festival Platz in Form eines Interviews einzuräumen und ein paar Hintergründen genauer auf den Zahn zu fühlen. Welche Antworten Pressesprecher Cornelius Brach für die L-IZ gegeben hat, können schwarze Freunde nun in zwei Teilen lesen. Heute geht's ums Eröffnungskonzert, Pleite, Neo-Folk und Gabelfrühstück.
Hallo Cornelius, zwanzig Jahre Wave Gotik Treffen stehen ins Haus. Hätte die Treffen- und Festspielgesellschaft nach dem Einbruch 2000 jemals gedacht, an die Fülle an gebuchten Acts wie damals in etwa heranzureichen und mit den vielen Rahmenveranstaltungen sogar zu übertreffen?
Wir sind schon froh, dass nach einem kurzen Einbruch der Besucherzahlen 2001 das WGT rasch wieder die große Resonanz gefunden hat wie vor der Pleite. Es war klar, dass das nur funktionieren kann indem man die Vielfalt der Veranstaltungen des Treffens erhält, also mehr anbietet als nur ein paar Konzerte. Außerdem war es wichtig, die besondere Atmosphäre des WGT zu bewahren indem man nicht nur große Hallen bespielt sondern auch viele kleinere, stimmungsvolle Veranstaltungsorte wählt. Auch galt es die unkommerzielle Stimmung des Treffens zu bewahren durch den Verzicht auf Sponsoren und Werbestände, die ja mittlerweile auf vielen Szenefestivals zur Normalität gehören.

WGT Pressesprecher Cornelius Brach.
Bild: Paolo Schubert / Treffen- und Festspielgesellschaft.
Dein Artikel in "Schillerndes Dunkel" scheint noch einmal Resümee zu ziehen zu der damaligen Pleite. Werdet ihr noch oft nach den Umständen von der Pleite 2000 gefragt, oder ist die Sache von eurer Seite Geschichte?
Die Sache von damals ist eigentlich abgehakt, sie ist nun mal schon 11 Jahre her, und der jetzige Organisationsstab hatte ja mit der Pleite nichts zu tun. Auch haben die Leute gemerkt, dass die neue Mannschaft, die das WGT seit 2001 organisiert, alles gut im Griff hat.
Was die Fans wohl am meisten beschäftigt: Was wird das Festivalticket mit und ohne Obsorge im Jubiläumsjahr kosten?
Die Gesamtkarte kostet im Vorverkauf 81 Euro. Sie gilt für alle Veranstaltungen des WGT und beinhaltet auch wieder die kostenlose Nutzung von Bus und Bahn in Leipzig von Freitag (10. Juni) 8:00 bis Dienstag (14.Juni) 12:00. Die Obsorgekarte kostet 25 Euro. Sie berechtigt zum Zelten auf dem agra-Gelände, dazu bekommt man den Pfingstboten, das ausführliche Programmbuch des WGT. Die Karten kann man über unsere Internetseite bestellen, demnächst aber auch an ausgewählten Vorverkaufsstellen kaufen.
Eine Geschichte, die immer wieder nach oben ploppt, wie geht es weiter auf der agra... Kürzlich gab es ein Treffen mit Leuten, die im Auftrag der Stadt Leipzig ein Konzept für das Gelände gemeinsam mit den Machern vor Ort erstellen wollen. Seid ihr bislang zufrieden mit der Richtung, die die Stadt zum Entwickeln der agra einschlägt?
Das WGT war ja einer der Hauptgründe dafür, dass die Stadt 2009 ihre Bebauungspläne für das agra-Gelände hat fallen lassen. Hätte man so gebaut wie geplant, wäre das Gelände für uns nicht mehr nutzbar gewesen, und adäquater Ersatz hätte sich wenn überhaupt, dann nur äußerst schwer finden lassen. Die nun von der Stadt geplante Entwicklung des agra-Geländes berücksichtigt den Verbleib des WGT, bisher läuft also alles in unserem Sinne.
Schon früh hatte ich den Eindruck, dass ihr dieses Mal anders als in den Vorjahren, schon bereits frühzeitig informiert, wer als Band schon bestätigt ist. Früher galt das Geheimnis als Lockmittel (mit all den Mutmaßungen auf LastFM und anderen Plattformen durch Fans, wer bestätigt ist und wer nicht), jetzt sieht man ein reges Band- und Künstlerwünschen im WGT-Forum und Facebook. Bleibt ihr dabei?
Wir haben dieses Jahr einfach etwas eher begonnen, die auftretenden Künstler anzukündigen, da wir vor allem die Nachricht vom Eröffnungsabend mit den Bands des 1. WGT früh verbreiten wollten. Dieser Abend findet ja schon am Donnerstag, dem 9. Juni statt, und wir wollten es den Leuten ermöglichen, diesen früheren Beginn noch rechtzeitig einplanen zu können. Ein bisschen Spannung bleibt aber erhalten, denn ein paar Bands werden ja wirklich erst kurz vor Pfingsten gebucht, somit darf bis kurz vor dem WGT noch mit neuen Ankündigungen fürs Programm gerechnet werden.

Goethes Erben 2011 live beim WGT dabei.
Bild: Timo Brozi.
Großes Highlight ist die Eröffnungsveranstaltung. Scheinbar hat das Love Like Blood doch noch mal zu weiteren Konzerten zusammen gebracht (Nach Magazinen wie Zillo und Mindbreed soll von der Band angeblich eine "Farewell"-Tour geplant werden, Anm. d. Red.) . Das Ich hatten 2009 in Leipzig mangels Nachfrage ein Konzert ge-cancelt, treten nun selbstverständlich beim Eröffnungskonzert auf... Wisst ihr schon, was die Bands veranstalten werden, was ihr schon mitteilen dürft?
Wir haben einen Vertrag mit Love Like Blood, der uns exklusiv ihren ersten Auftritt seit 1999 zusichert und ihr allerletztes Konzert. Uns ist von anderen Konzerten auch nichts bekannt. Es gibt keine konkreten Absprachen oder Vorgaben von uns an die Bands des Eröffnungsabends. Es ist aber davon auszugehen, dass alle Beteiligten eher ältere Stücke spielen werden um dem Zweck des Abends gerecht zu werden. Und der ist nun mal, zum 20. Jubiläum an die Anfänge zu erinnern, an das 1.WGT 1992 zu erinnern, bei dem diese Bands auch auf der Bühne standen. Von Das Ich kann man halten was man will. Fest steht, sie haben zusammen mit Goethes Erben die Szene in den 90er-Jahren sehr geprägt mit ihren damals sehr ungewöhnlichem Stil der Neuen Deutschen Todeskunst. Ich freue mich jedenfalls auf die Konzerte der beiden Gruppen. Denn auch wenn ich mir deren Musik heute nicht mehr anhöre, so verbinde ich doch herrliche Erinnerungen an meine Jugend und frühen Szenejahre damit. Und so wird es wohl vielen älteren WGT-Gästen gehen.
Großer Höhepunkt auch Deine Lakaien. Was kann man von Alexander Veljanov und Ernst Horn erwarten?
Sicher ein wieder ein sehr stimmungsvolles Konzert. Veljanovs Stimme ist schon besonders und die Konzerte der Lakaien sind ja immer eine herrliche Mischung aus altbekannten Klassikern und neueren Stücken, die noch immer fesseln.
Was wird dein persönlicher Höhepunkt werden auf dem WGT?
Das weiß ich immer erst hinterher. Durch meine Funktion als Pressemann des WGT muß ich natürlich auch viel arbeiten während das Treffen läuft, sodass ich leider immer nur einen kleinen Teil der Veranstaltungen selbst besuchen kann. Ein paar Sachen schaffe ich aber sicher. Ich freue mich auf jeden Fall auf das Brahms-Requiem, das im Völkerschlachtdenkmal und in der Peterskirche aufgeführt wird. Was die Szenekonzerte betrifft: Ich sehe mir immer wieder gern ein paar Veteranen aus den 80ern oder frühen 90ern an, das ist so schön nostalgisch und wer weiß, wie lange man diese Bands überhaupt noch sehen kann. Gespannt bin ich aber immer auch auf Begegnungen mit neuen oder wenig bekannten Bands.
Da ich mit dem Buchen der Künstler nichts zu tun habe, kenne ich auch nicht alle Gruppen, die bei uns auftreten. Aber ich werde vor dem WGT nochmal hier und da reinhören, und dann entscheiden, was ich versuche zu sehen. Bei uns im Forum gibt es ja eine praktische Liste mit den Internetseiten der gebuchten Künstler, wo es ja meist auch Hörproben gibt.
Teil 2 des Interviews gibt es morgen an gleicher Stelle.
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