Eine Zeitreise in Leipzig: Brendan Perry begeistert seine schwarzen Anhänger trotz Probleme + Bildergalerie
Daniel Thalheim
22.05.2010

Brendan Perry begeisterte Leipzig mit einer vielseitigen Best Of-Show
Foto: Patrick Limbach
Er gilt als einer der Initiatoren der so genannten schwarzen Szene, die, wie man laut Autor Alexander Nym weiß, keine ist. Dennoch hat er mit Lisa Gerrard und und der Formation Dead Can Dance einen großen Beitrag zur heutigen Musik geleistet. Am Freitag stand er mit seiner Solo-Band auf der großen agra-Bühne als Mitternachtsspezial des 19. Wave Gotik Treffens. Ein Konzert, das wirklich jeder zu würdigen weiß. Außer einer ...

Die Lederjacke als Zeichen bei Perry, es geht Back To The Roots
Foto: Patrick Limbach
Viele der Anwesenden sehen den nun weißbärtigen Mann zum ersten Mal in ihrem Leben. Sein Werk ist den wenigsten bekannt, doch den meisten ist sein Name ein Begriff. "Dead Can Dance" haben vor diesem Abend nicht viele live auf irgendeiner Bühne gesehen. Der gebürtige Londoner scheint das zu wissen und ruht sich nicht auf seinen in den Achtzigern und Neunzigern mit "Dead Can Dance" erworbenen Lorbeeren aus. Viel eher gibt er den Dirigenten und bringt Stücke von seinem neuen Album "Ark" mit.
Während sich die agra-Halle immer mehr füllt, ist der charismatische Sänger auf der Bühne mit dem Aufbau der Instrumente beschäftigt. Alles muss perfekt sitzen, er kümmert sich um die Kabel, prüft jede Einzelheit und testet mit seiner Band den Sound und die Lautstärke. Alles scheint zu passen. Perry der Perfektionist. Nur keine Fehler machen. Dann verlässt die Band samt Crew die Bühne. Warten.
Einige Minuten später kommen sie wieder zurück. Unter donnerndem Applaus steigt die Band gleich mit einem der frühesten Hits von "Dead Can Dance" ein. Der Maestro, wie er von vielen im Publikum angerufen wird, kramt "Arcane" von der ersten EP "Garden Of Arcane Delights" hervor. Mit der jetzigen Band ein klarer Vorteil, fing doch Perry mit Dead Can Dance noch mit dunkel-rockigen Kompositionen an. Auffällig gut steht ihm die Lederjacke und abgesehen von sichtbaren Alter des Mannes, klingt seine Stimme immer noch so, als wäre er ein kraftvoller Adonis. Es folgt ein neues Stück, dann "The Carnival Is Over" vom Dead Can Dance-Album "Into The Labyrinth". Lieder, die er mit Dead Can Dance kaum bis gar nicht mehr gespielt hatte. "A Passage In Time" schließt vorerst den Reigen der Klassiker. Neue Stücke wie "Utopia" und "Wintersun" kommen zum Zuge, die sich perfekt in die von Perry geschriebenen Dead Can Dance-Stücke einfügen. Donnernder Applaus nach jedem Song, lange Pausen, bis die Gitarre wieder gestimmt ist. Heute muss alles ganz genau klappen.

Der nimmermüde Blick zum Tontechniker: Mr. Perry prüft vor der Show lieber alles selbst, bevor etwas schief geht
Foto: Patrick Limbach
Doch irgendwas scheint nicht zu stimmen. Perrys unermüdlicher Blick zum Mischpult-Techniker am Bühnenrand offenbart seine Unzufriedenheit. Die Stimme ist zu leise abgemischt. Perry kann sich offenbar auf der Bühne nicht hören. Stattdessen bollern Feedbacks der Instrumente oft zu laut in das Auditorium. Verzweifelte Gesichter bei den Fans in den ersten Reihen. Perry kommuniziert mit dem Techniker auf der Bühne mehr als mit dem Publikum. Auch seine Mitmusiker schauen etwas unbeholfen auf den Mann mit der großen Stimme. Vielen Menschen im Publikum ist er so etwas wie eine Legende. Sogar der Fan, der extra aus Israel angereist ist, stimmt huldvoll in die allgemeine Begeisterung um Brendan Perry ein. "Er ist so wichtig", sagt er aufgeregt. Und fügt noch erstaunt hinzu: "Ihr Leipziger habt echt ein Glück, so ein Festival wie das Wave Gotik Treffen vor der Haustür zu haben. Und dann mit so einem Line-Up. Das ist wirklich stark. Auf Brendan Perry habe ich mich so sehr gefreut, für mich ist er ein Held. Egal, wie heutige Bands und Musiker Wert auf ihr Äußeres legen. Brendan Perry ist mehr Wave und Gotik, als alle Gruppen hier zusammen", sagt er einem staunenden Gast.

Brendan Perry ist im Alter immer noch besser bei Stimme als so manch Junggemüse
Foto: Patrick Limbach
Brendan Perry scheint außer sich zu sein. In ihm beginnt es sichtlich zu brodeln, sein angespannter Gesichtsausdruck verrät es. Mehrmals bittet er seinen mitgebrachten Tontechniker auf die Bühne um das vermeintliche Desaster selbst zu prüfen. Er schüttelt den Kopf und macht dem Musiker mit einer in die Luft stoßenden Armbewegung deutlich, dass der ganze Sound direkt ins Publikum fliegt, ohne dass der Musiker mitkriegt, was er da macht. Für Perry sicher ein Novum, jedenfalls senkt er nach der kurzen Diskussion sein kurz geschorenes Haupt und stimmt einen neuen Song an, der aus den Boxen noch katastrophaler klingt als der vorige. Dann überlegt Perry kurz, was zu tun ist und geht nach einer knappen Stunde Spielzeit mit einem weiteren "Dankeschön" an Leipzig und ein wenig wehmütig von der Bühne. Fünf bis zehn Minuten pfeift, johlt und klatscht das Publikum, das zwischen Ratlosigkeit und Hoffnung schwankt, ob der beliebte Musiker doch noch zurück auf die Bühne kommt.
Mehr zum Thema:
Dossier WGT 2010
Wave Gotik Treffen 2010
Hilfe die Goten kommen! Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
Kommt er, kommt er nicht? Die ersten Reihen sehen den Tontechniker wieder auf der Bühne. Er feuert die jungen und älteren Leute im Saal an und schürt die Stimmung an. Wieder langes Warten. Dann kommen die Musiker zurück an ihre Instrumente und stimmen zunächst ein ruhiges Stück ein, um dann "Spirit" erklingen zu lassen. Dann ist endgültig Schluss mit der anderthalbstündigen Show, bei der Brendan Perry gravierende Probleme mit der Technik hatte, hörbar manche Klänge deutlich verzerrt und krachig aus den Boxen purzeln. Dann die Frage, warum Perry so lange vor dem kleinen Zugabenteil hinter der Bühne blieb. Wurde diskutiert, gestritten? Oder einfach nur Wasser getrunken und gewartet?
Brendan Perry und seine jungen Mitmusiker scheinen mit ihren neuen Stücken an Dead Can Dance anzuknüpfen. Das was der ergraute Musiker an ausgewogenem Sound bei diesem Konzert vermisste, scheinen die Fans an einer angemessener Co-Sängerin zu vermissen. Die dünnen Singstimmen seiner Keyboarderin und Bassistin können wohl kaum eine Lisa Gerrard ersetzen. Die singende Eminenz ist aber zurück wie nie zuvor, kann mit seinem neuen Album "Ark" an seine Phase mit "Dead Can Dance" anknüpfen und ist zurecht einer der Musiker, die man als Schwarzkittel-Träger angemessen würdigen sollte.
Mehr Infos zu Brendan Perry
www.brendan-perry.com
www.myspace.com/brendanperry
Bildergalerie
Einfach zum Vergrößern die Vorschaubilder anklicken:
Was hat das "Kommunistische Manifest" mit der Himmelsscheibe von Nebra zu tun? - Sie gehören jetzt beide zum"Gedächtnis der Menscheit", dem "Memory of the World". Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt verkündet es mit Stolz. Immerhin ein Trostpflaster nach dem Wüten der Juni-Flut. Und natürlich noch ein Grund mehr für alle Weltreisenden, einen Abstecher in die Region Halle / Leipzig zu machen. Hier kann man Geschichte sehen.
mehr…
Ab Samstag, 22. Juni, sprechen im Botanischen Garten der Universität Leipzig die Pflanzen. Dann eröffnet der "Wasserpfad", ein Projekt des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, das dessen Direktor, Prof. Dr. Christian Wirth, erdacht und gemeinsam mit den Mitarbeitern des Gartens verwirklicht hat.
mehr…
Die Hochwasservorsorge sollte sich in Deutschland künftig an vier Eckpunkten orientieren, stellen Forscher des Umweltforschungszentrum fest, nachdem sie die Juni-Flut 2013 und ihre teuren Folgen untersucht haben: Technischer Hochwasserschutz für größere Siedlungen wird genauso benötigt wie mehr Raum für die Flüsse durch Rückdeichungen und Einbeziehung der Landwirtschaft.
mehr…
Zwei Tage hat der Streik beim Online-Versender Amazon in Leipzig und Bad Hersfeld gedauert. Die Gewerkschaft Verdi ist überaus zufrieden mit der Beteiligung an beiden Standorten. Nach ihren Angaben haben in Leipzig 500, in Hessen 800 Mitarbeiter am Streik teilgenommen. Mit jeder Aktion sei die Zahl der Teilnehmer gestiegen, heißt es von Verdi.
mehr…
In den letzten Tagen waren die Städte und Gemeinden des Landkreises mit Hochdruck dabei, die Schäden in ihrem Gebiet die durch die Hochwasser entstanden sind, zu erfassen. Insgesamt meldete der Landkreis Leipzig eine Schadenssumme von 232,046 Millionen Euro an den Freistaat. Entlang der Mulde sind die Schäden am Höchsten.
mehr…
Am Montag, 17. Juni, legte die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) eine neue Studie vor: "Nichtwähler in Deutschland". 86 Seiten über ein Thema, das nicht nur Politiker seit Jahren beunruhigt: Die Wahlbeteiligung sinkt - bei allen Wahlen, ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene. Und das deutlich stärker als in anderen europäischen Ländern. Das muss Gründe haben. Die FES hat deshalb das Forschungsinstitut forsa beauftragt, einmal nachzufragen.
mehr…
Stadträtin Katharina Krefft und Stephan Stach, Stadtbezirksbeirat im Leipziger Osten laden alle Interessierten ein, gemeinsam Ideen für ein neues Gymnasium im Leipziger Osten zu sammeln. Das Treffen findet am Sonntag, 23. Juni, um 15:00 Uhr im Stadtteilpark Rabet (in Spielplatznähe) statt. Die Veranstalter laden zu Kaffee und Kuchen ein.
mehr…
In der Ratsversammlung am Mittwoch, 19. Juni, steht die alljährliche Vorlage zur Planung der Ausbildungsplätze in der Stadtverwaltung 2013/2014 zu Abstimmung. Im kommenden Jahr will die Verwaltung 55 Ausbildungsplätze anbieten. Teil der Vorlage ist auch die Auswertung des Bewerbungsganges für das Ausbildungsjahr 2012/13. Doch vollmundigen Versprechungen der Vergangenheit folgen wieder keine Taten.
mehr…
10 Jahre sind vergangen seit die Amazonen das letzte Mal in die Schlacht gegen die Männer zogen. Damals brachte die Niederlage nicht nur Penthesilea und Achilles und Hippolyte und Herakles zusammen, es wurde auch ein Männertoleranzedikt für den Frauenstaat erlassen. Mit den griechischen Helden kamen jedoch auch die griechischen Verhältnisse in den Haushalt.
mehr…
Das Sportcenter in Markranstädt ist ab Montag, 17. Juli, wieder für den Schul- und Vereinssport geöffnet, teilt die Stadtverwaltung Markranstädt mit. Aufgrund der winterlichen Wetterlage drang ab Januar 2013 verstärkt Wasser hauptsächlich über die undichten Lichtbänder im Dach des Gebäudes ein, so dass das Sportcenter geschlossen werden musste.
mehr…
Nach Strom und Telekommunikation sollen nun auch Wasser und Abwasser den Regeln des europäischen Binnenmarktes folgen. So will es die EU-Kommission. Aber Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern elementares Menschenrecht und Kernelement öffentlicher Daseinsvorsorge. Wären die Leipziger Wasserwerke betroffen, wenn sich an der Richtlinie nichts wesentliches mehr ändert? Müsste die Wasserversorgung dann europaweit ausgeschrieben werden? Wie hat sich die Stadt Leipzig positioniert?
mehr…
Familien erwartet am Wochenende ein buntes Workshop-Programm bei SK-SPORT in der Oststraße 20 in Reudnitz. Los geht's am Samstag, 22. Juni, morgens mit dem nächsten Zirkus-Workshop für Einsteiger. Von 10:00 bis 12:00 Uhr können sich Interessierte mit der erleb-bar in verschiedenen Zirkusdisziplinen ausprobieren: Jonglieren, Einrad, Yo-Yo, Diabolo, Cigar Boxes und mehr.
mehr…
Am 22. Juni, 11 Uhr feiert mit „Onkel Richards phantastische Welten“ ein musikalisches Best-of Richard Wagner für Kinder ab zehn Jahre Premiere. Regisseurin Marion Firlus hat wie schon 2008 und 2011 im Rahmen des Bachfests Leipzig eine musikalische Biografie zur Grundlage ihrer Stückentwicklung gemacht. Onkel Richard ist Komponist und schreibt Musik zu Geschichten, die er sich selbst ausgedacht hat. Und da er der Meinung ist, dass solche Geschichten gar nicht lang genug sein können, braucht man drei Tage, um sich sein längstes Werk anzuhören.
mehr…
Wenn plötzlich der Computer streikt, die Internetverbindung nicht zustande kommt oder der Drucker sich nicht anschließen lässt, kann nun geholfen werden. Ein kurzer Anruf bei Student@Home genügt und engagierte Informatik-Studenten aus Leipzig kommen ins Haus, um den Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
mehr…
Passend zum Sommeranfang findet am 21. Juni die Fête de la musique, das Fest der Musik in Leipzig und in 520 weiteren Städten in 160 Ländern statt. Das Deutsch-Französische Bildungszentrum eröffnet im Jahr des 50-jährigen Jubiläums der deutsch-französischen Freundschaft das diesjährige Musikfest.
mehr…