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Wave Gotik Treffen
Hilfe die Goten kommen! Nähme man den Namen des alljährlichen Treffens der Gothics ernst, müsste man so formulieren. Aber wie alles ist auch dies nur Spiel, Verkleidung und schwarzer Spaß in Leipzig. Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
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Die verspätete WGT-Geschichte: Für wen der Mond sein Nachtlied singt

Daniel Thalheim
Stefan Belda ist Promoter bei Prophecy Productions und hat den Sampler "Whom The Moon A Nightsong Sings" zusammengestellt.
Stefan Belda ist Promoter bei Prophecy Productions und hat den Sampler "Whom The Moon A Nightsong Sings" zusammengestellt.
Foto: Patrick Limbach
Stefan Belda wohnt seit einigen Jahren in L.E. Hier wirkt und arbeitet der junge Mann für die Plattenfirma Prophecy Productions, bei der beispielsweise die Leipziger Progressive-Metaller von Dark Suns unter Vertrag stehen. Beim 19. Wave Gotik Treffen hat er sich mit der L-IZ im Clara-Zetkin-Park in den Schatten der Bäume gesetzt und erzählt wundersame Nachtgeschichten über wunderliche Musik, die man erst entdecken muss.

"Eerie Emotional Music" nennt die Plattenfirma mit Sitz in Rheinland-Pfalz die Musik. Dieser Begriff fasst die stimmungsvollen Klänge, die von Gruppen wie Alcest, Les Discrets, Nucleus Torn und vielen weiteren Bands auf Tonträger gegossen werden. Neben den 1996 gegründeten Label existiert das Zuhause von Akustik- und Folktöne mit dem Namen "Auerbach-Tonträger", wo die Leipziger von Neun Welten ihre Alben veröffentlichen. Hier wohnen auch Orplid und Sol Invictus.

Letztere wollen ihr Gesamtprogramm komplett neu veröffentlichen. Deren Mastermind Tony Wakeford will am 5. Februar beispielsweise mit den Sol Invictus-Bandmitgliedern Andrew King und Eilish McCracken als "Trinity Noir" in der Theaterfabrik Leipzig auftreten.

gruselige Stimmungsmusik? "Da würde ich mal ganz schnell mit 'Nein' antworten. Gruselig, .. auch mit 'Nein'. Viel eher ist mit dem Begriff 'Unheimlich emotionale Musik' gemeint."
gruselige Stimmungsmusik? "Da würde ich mal ganz schnell mit 'Nein' antworten. Gruselig, .. auch mit 'Nein'. Viel eher ist mit dem Begriff 'Unheimlich emotionale Musik' gemeint."
Foto: Patrick Limbach
Ein weiteres Schwester-Label ist die Lupus Lounge, wo Black Metal-Bands wie Lantlôs, Negura Bunget, Farsot und Nàttsòl ihre Heimat gefunden haben. Nicht alle dieser Acts lassen sich unter dem Namen "Eerie Emotional Music" zusammen fassen, was Stefan Belda auch bejaht. Gruselige Stimmungsmusik hat man sofort im Kopf, wenn man die Stilbezeichnung "Eerie Emotional Music" liest oder hört. Sehen das die Bands genauso? "Da würde ich mal ganz schnell mit 'Nein' antworten. Gruselig, .. auch mit 'Nein'. Viel eher ist mit dem Begriff 'Unheimlich emotionale Musik' gemeint. Dieser Stempel passt auf alle unsere Bands, weil er viel offener ist, als die enge Sichtweise auf den 'Grusel'", erklärt der junge Promoter.


Wie um das zu unterstreichen, klingt der von Stefan Belda zusammengestellte Sampler "Whom The Moon A Nightsong Sings" auch nicht wie ein herkömmlicher Beitrag aus einer Plattenfirma, die nur ihre Zugpferde vorstellen will. Tauchen auch Bands wie Nebelung hier auf, die gar nicht zum Programm von Prophecy Productionsrecords gehören - wie das?

"Ich wollte mit der Zusammenstellung einfach auch Künstler vorstellen, die sich ihren eigenen romantischen Naturvertonungen hingeben. Nebelung war mit in diesem Zusammenhang schon vorher ein Begriff, und daher wusste ich, dass die Band gut in das Konzept passt."

Prophecy Productions birgt eine facettenreiche Entdeckungsreise in die dunklen Gefilde der Stimmungen.
Prophecy Productions birgt eine facettenreiche Entdeckungsreise in die dunklen Gefilde der Stimmungen.
Bild: L-IZ-Screen
Inzwischen ist der Sampler erschienen, zahlreiche Magazin-Schreiberlinge stürzten sich auf die Musikzusammenstellung und bescheinigen ihr vollen Lobes "Anspruch", "Herz" und "Detailfreude". Die Resonanz auf den Sampler ist laut Belda: "Ganz hervorragend! Wir haben beispielsweise schon im Vorfeld der Veröffentlichung die Tracklist auf Facebook publiziert, was schon damals die Freunde dieses Genres begeistert aufgenommen haben. In der Presse kam es auch sehr gut an. Einige Höchstwertungen mit sehr überschwänglichen Reaktionen. Das liegt wohl daran, dass Zusammenstellungen dieser Art nur selten realisiert werden, wo Bands konzeptionell in Hinblick auf ein gemeinsames zugrundeliegendes Konzept zusammen gestellt werden. Viele Künstler haben exklusive Lieder beigesteuert. Das wurde von der Presse und vielen Fans ebenfalls sehr geschätzt."

Eines dieser Extras ist der Beitrag von Fursy Teyssier von Les Discrets, "5,montée des épies" und "Apres l'Ombre" fanden bei "Whom The Moon..." Eingang. Für den nun in Leipzig ansässigen Promoter ein weiterer Beweis, dass Sampler einem Konzept unterliegen dürfen. "Ich habe mich natürlich gefreut, dass uns Fursy etwas exklusives gegeben hatte. Etwas, das ich für den Sampler wichtig finde und viele auch erkannt haben ist, dass er in sich homogen ist. Das kommt bei herkömmlichen Label-Samplern überhaupt nicht vor, wenn Bands unterschiedliche Stilmittel verwenden. Dann kommt es zu Brüchen und es wirkt zusammen gewürfelt. Bei unserem aktuellen Sampler merkt man, dass alle Bands ihren gemeinsamen Nenner haben. Manche Rezensenten meinten auch, der Sampler könnte aufgrund seiner Homogenität ein Album einer einzigen Band sein."

Trotz der vielen unterschiedlichen Gesichter, Klänge und Töne, die bei "Prophecy Productions" und ihren Tochterunternehmen herum schwirren, scheinen sich alle Bands in Stimmung und Aussage zu ähneln. "Wenn man sich das Oeuvre anschaut, ist da schon ein roter Faden drin. Wir sind auch eines von sehr wenigen Labels, die wirklich Fans haben. Also Leute, die wirklich fast jede Veröffentlichung aus unserem Haus kaufen. Sie wissen, wofür Prophecy steht: nämlich spannend gemachte Musik, die man nicht überall hört."

Fursy von Les Discrets hat in unserem L-IZ-Interview auch gesagt, dass seine Musik eher dunkel ist, den Tod besingt ... aber in Wirklichkeit ist er ein sonnenbeschienener Charakter, wie man es beim WGT erleben durfte. "Das ist tatsächlich so. Ich sehe bei vielen Prophecybands eine romantische Mentalität - aber eher epochenbezogen." Also gar nicht im Stil von Rosen, Kerzen und roten Wein. Belda erklärt weiter mit ruhiger Stimme: "Romantik bedeutet hier viel Liebe zur Natur, sehr viel über das eigene Gefühlsleben reflektieren, sehr viel schwärmerische Sehnsucht. In diesem Spektrum lassen sich fast alle Prophcy-Künstler verorten. Hier findet sich nichts sozialkritisches oder politisches wieder."

Dass 2010 mit Alcest, Secrets Of The Moon, Nucleus Torn, Les Discrets, The Vision Bleak längst nicht alle Messen gesungen sind, weiß Stefan Belda auch schon. Für 2011 stellt er einige Alben in Aussicht, die Freunde der dunklen Musik begeistern dürften. "Das interessante an 2011 ist, dass wir unser 15-jähriges Jubiläum feiern. Im Januar kommt zuerst ein neues Helrunar-Album heraus. Das ist deutschsprachiger Pagan-Metal der schlaueren Sorte. Denn der Kopf von Helrunar ist auch ein studierter Skandinavist. Er weiß auch wovon er schreibt. Er beschäftigt sich mit der nordischen Mythologie, kennt sich mit Heidentum sehr gut aus." Helrunar musizieren ganz "ohne Klischees, ohne Fettnäpfchen, ohne Kitsch... und ohne Schunkellieder. Für uns ist das eine recht große Veröffentlichung, weil Helrunar eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands in ihrem Bereich bundesweit ist."

Es bleibt nicht bei nur einer Veröffentlichung. "Im Februar kommt ein neues Dornenreich-Album. Diese Band ist mit die erfolgreichste deutschsprachige Band in dem Genre. Dann freuen wir auf die erste Prophecy-Veröffentlichung von Lifelover. Sie hat schon drei Alben bei anderen Labels veröffentlicht, eine sehr viel versprechende Band... Im Herbst wird ein neues Alcest-Album kommen. Ein neues Les Discrets-Album steht auch an."

Und war da nicht doch noch etwas in der Leipziger Hinterhand? Die Leipziger Dark Suns sind auch mit von der Partie... "Vor zwei Wochen haben wir neue Demos bekommen. Ich finde die ganz hervorragend und bin total begeistert. Es ist immer noch sehr progressive Musik, ... Ihre Songs wirken kompakter. Die einzelnen Lieder sind dennoch technisch sehr anspruchsvoll. Wir sind sehr gespannt, wie das finale Album klingen wird, weil wir nur die Demos erst hören konnten. Man hört schon, dass es Eier hat, nicht so sensibel ist, wie man es vielleicht von ProgRock-Bands kennt."

Stilvielfalt, dunkle Stimmungsgemälde und Anspruch sind im Hause Prophecy Productions bestens aufgehoben. Alle Künstler haben ihren unverwechselbaren Charakter. Eins eint sie aber: alle tummeln sich unter dem Begriff "Eerie Emotional Music". Eine Plattenfirma, die nicht wild durch den Gemüsegarten räubert, ist selten geworden. Bei Prophecy Productions ist alles stimmig - und eben stimmungsvoll.

Prophecy Productions mit ihrer Musikstube voller geheimnisvollen Geschichten
www.prophecy-productions.de


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