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Wave Gotik Treffen
Hilfe die Goten kommen! Nähme man den Namen des alljährlichen Treffens der Gothics ernst, müsste man so formulieren. Aber wie alles ist auch dies nur Spiel, Verkleidung und schwarzer Spaß in Leipzig. Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
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Seelenfresser im Werk II: Ausstellungseröffnung zum Wave Gotik Treffen

Daniel Thalheim
Großer Andrang bei der "Seelenfresser"-Vernissage.
Großer Andrang bei der "Seelenfresser"-Vernissage.
Foto: Daniel Thalheim
Sie kommen zahlreich. Fans von Schwarwel, Incestum und Nilz Böhme versammeln sich im Gemäuer des Werk-II-Kellers - den Katakomben. Lipsi Lillies-Tänzerin Roxy Heart wirbelt einen lasziven Tanz, Christian von Aster trägt sein "Schund"-Gedicht vor. Die Bilder sind viel versprechend. Pünktlich zum Wave Gotik Treffen gibt es hier was fürs Auge.

Wenn Leipzigs Literat Christian von Aster anlässlich der gestrigen Ausstellungseröffnung von "Schund" reimt, dann meint er das im positiven Sinn. Fast therapeutisch ist die Kunst, die an den Ziegelwänden hängt und steht, weitab von versnobbt und auf Krampf "künstlerisch". Der Reden zur Vernissage sind erheiternd. Das Publikum lacht und staunt.

Unter anderem auch, als vorm Auftritt des Autoren ex-WGT-Sprecher, Journalist und Referent des Leipziger Kulturbürgermeisters Peter Matzke erzählt, dass das Werbeplakat mit der kurvigen Mieze im schwarzen Lackdress auf Rot in einer gewissen Leipziger Kunsthochschule nicht aufgehängt werden durfte. Dort meinte man, das Plakat sei sexistisch und frauenfeindlich. Unverständnisvolles Raunen.

Bizarre Kunst in der Werk II-Katakombe.
Bizarre Kunst in der Werk II-Katakombe.
Foto: Daniel Thalheim
Kunst war doch immer am besten, wenn sie anstößig und ausdruckshaft war, konnte sie auch in anderen Zeiten nur so Impulse setzen. Überfrachtet intellektuelle Kunst mag man als "anspruchsvoll" titulieren, aber ist sie auch unterhaltsam? Darum geht's wohl bei der aktuellen Seelenfresser-Ausstellung, wo Incestum ein bereits verkauftes Objekt anschaulich erklärt. Das kleine und aus zwei Teilen zusammen geschweißte Ding besteht aus Edel- und normalen Stahl. Dabei bewirkt eine chemische Reaktion, dass der Stahllöffel flugs rostet und zerfällt, das daran angebrachte Edelstahl-Objekt eben nicht. Quasi analog zum Über-Ich, das über allen Dingen zu stehen scheint.

Oder "Ego" desselben Künstlers, ein zerstörter und blutender Spiegel - man soll sich selbst so wichtig nehmen, so der übertragene Sinn. Nilz Böhme hat es eher auf eine füllige Frau abgesehen, die einst sein Opa fotografierte. Die Dame hat inzwischen das Zeitliche gesegnet, so sehen die Leute eine Art Erinnerung. Die Arbeiten von Schwarwel sind knallig und man könnte sie wohl mit "Shit happens" inhaltlich überschreiben. Pete Steele hat ins Gras gebissen, bei Schwarwel steht er wieder auf. Eine junge Dame hat ihren Fuß verloren. Schönheit hat eben seinen Preis. Und Lipsi Lillies-Tänzerin Roxy Heart tanzt einen geheimnisvollen Tanz inmitten der zahlreich gekommenen Gästen. Die Künstler sind zuversichtlich, dass während des Wave Gotik Treffens genügend Gäste und Käufer vorbeikommen und die neue Seelenfresserausstellung "Titten + Ärsche + Über-Ich" genauso anregend finden, wie die gestrigen Besucher der Vernissage.


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