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Wave Gotik Treffen
Hilfe die Goten kommen! Nähme man den Namen des alljährlichen Treffens der Gothics ernst, müsste man so formulieren. Aber wie alles ist auch dies nur Spiel, Verkleidung und schwarzer Spaß in Leipzig. Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
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Der gotische Reigen: Faith And The Muse bezaubern Leipzig mit spektakulärer Liveshow + Bildergalerie

Daniel Thalheim
Der WGT-Sonntag war endlich wieder mit Höhepunkten auf der Agra gespickt. "Faith And The Muse" bezaubern mit einer spektakulären Show, "Diary Of Dreams" mit elektronischen Rockklängen, "Lacrimosa" polarisieren zu ihrem 20. Geburtstag und "Alien Sex Fiend" überraschen mit tanzbaren Industrial Punk.

Wer kennt sie nicht? Wave Gothic setzen ja viele mit bezaubernden und liebevollen Kostümen gleich, die von schönen und anmutigen Menschen in der Leipziger City und im Clara-Zetkin-Park herumgeführt werden. Dass es eine Band gibt, die noch eins drauf setzt, ist wahrscheinlich nicht vielen geläufig. "Faith And The Muse" aus den USA ist so eine Truppe, die die Musik scheinbar zur Nebensache werden lässt.

Zusammen mit dem weiblichen Tanz-Duett "Serpentine" begeistern die Amerikaner die schwarzen Gäste mit einer atemberaubenden Show auf der "Agra", die zwischen japanischen Kabuki-Theater, Märchen und Grusel schwebt. "Faith And The Muse" arbeiten also diesmal mit Tänzerinnen zusammen. Während der ersten Klänge steigt Nebel auf, die beiden schönen Tänzerinnen Aradia und Lucretia kommen aus dem Dunst mit überlangen Fingernägeln hervor und geistern mit schleichenden Schritten in Richtung Bühnenrand. Was nach dem märchenhaften Einstieg folgt, sind heftig dröhnende japanische Taiko-Trommeln, schwere Gitarrenklänge und ein sehnsüchtig seufzender Gesang von Sängerin Monica Richards. Applaus und begeisterte Schreie aus dem Publikum begrüßen die faszinierende Band. "Hallo Leipzig!", ruft Mr. Faith den Gästen zu. Wiederum aufbrausender Applaus.

"Wir lieben es, auf dem WGT zu performen. Denn es ist eine wunderbare Ansammlung von verschiedenen Musikrichtungen und Styles und eine große Gelegenheit, das atemberaubende Spektrum von dunkler Musik aus der ganzen Welt zu erleben. Seit langem ist Deutschland so etwas wie unsere zweite Heimat geworden und wir lieben es hier zu spielen, sobald sich die Chance ergibt", sagt Sänger William Faith im Vorfeld des Konzerts gegenüber der L-IZ.

Und Mr. Faith ist auch während des Konzerts fleißig, den Fans und dem WGT zu danken, dass sie in Leipzig auftreten konnten. Die Fans sollen sich nicht unterkriegen lassen, nur weil sie sich gerne anders kleiden als andere. Ein Fan raunt zu seinem Nachbar: "Die Band passt einfach in keine Schublade, wie schön." Die Massen sind angesichts der verführerisch rockenden Klänge und der geisterhaften Show von "Serpentine" einfach nur hin und weg und manchereiner schaut ab und an selbst etwas beschämt auf seine Sachen.

Doch auch "Faith And The Muse" haben anfänglich mit dem "Brendan-Perry-Problem" zu kämpfen. Auch hier quillt der Sound zu lärmig aus den großen Boxen, was sofort im Publikum mit "Mist Sound, super Show!" kommentiert wird. Vor allem die Synchron-Performance des verführerischen Duetts "Serpentine" weiß zu begeistern, vor allem dann, wenn sich Sängerin Monica Richards mit ihrem roten Kostüm dazwischen schmuggelt und anmutig mittanzt. So muss das sein.

Ganz anders präsentieren sich die deutschen "Diary Of Dreams" mit ihrer Elektro-Rock-Show in Grau und Weiß. Im Gegensatz zum bunten Treiben von "Faith And The Muse" setzt die 1989 gegründete Formation ganz auf ihre Klänge, die hörbar sauberer in die Ohren der Besucher hämmern. Sänger Adrian Hates singt mit klarer Stimme die zahllosen Hits der letzten zwanzig Jahre. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf ihrem 2009 erschienenen Album "If", das anscheinend jeder im übervollen Saal kennt und liebt. Ein neues Werk wird für 2011 angekündigt. Die Fans wird diese Info glücklich stimmen und feiern eine Band, die in der Wave-Gotik-Szene zu Recht einen Stammplatz inne hat.

Die von "Lacrimosa" groß angekündigte Jubiläumsshow wurde von den Zuschauern kritisch beäugt. So richtig glauben wollen viele Festivalbesucher Thilo Wolff nicht, dass er 1994 beim damaligen Wave Gotik Treffen nur vor 150 Besuchern auftrat. Er kann es selbst noch nicht fassen, so viele Menschen an diesem Pfingstsonntag vor der Bühne stehen zu sehen und dankt ausgiebig den Fans, die seine Band jahrzehntelang unterstützt haben. Indes suchen viele Schwarzröcke das Weite, um sich draußen auszuruhen, etwas zu essen und sich frisch zu machen. Denn in der Halle ist es enorm stickig geworden. So lichten sich die Reihen bei "Lacrimosa" merklich.

"Aber wenigstens ist was los an diesem Sonntag", erklärt ein Betreiber eines Getränkestandes. Wie stöhnen doch die Getränkestand-Besitzer und Verkäufer auf der "Agra" über die Flaute am Samstag. Nicht nur von ihnen hört man, dass das diesjährige WGT musikalisch eher schwach aufgestellt ist. Fans des Treffens bedauern die Weitläufigkeit der einzelnen Spielorte, wo sie so gerne das eine oder andere erleben wollen und nicht können. Lange Wege und zusammenfallende Spielzeiten von diversen Top-Acts lassen bei manchem die Vermutung aufkommen, dass das so beabsichtigt ist. Dass es dem Treffen nicht unbedingt auf die typischen Szenekonzerte ankommt, zeigt seiner Beobachtung nach auch der hohe Zuspruch bei den Klassikevents, Lesungen und anderen Angeboten des schwarzen Pfingsttreffens.


So bringt man die Wartezeit mit derlei Gesprächen bis zum nächsten Topact über die Runden und merkt recht bald, dass die als Mitternachtsspezial angekündigten "Alien Sex Fiend" für viele einer der Höhepunkte beim diesjährigen WGT sind. Exentrisch, extrem und irgendwie "Kult". Sieht man während des Pfingstwochenendes ständig T-Shirts mit dem Schriftzug von "Alien Sex Fiend".

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Wave Gotik Treffen 2010
Hilfe die Goten kommen! Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
Die 1982 gegründete Band versteht es, minimalistische elektronische Sounds mit extremer Rockmusik zu vermischen, legt über die Stimme von dem glatzköpfigen, als Totenkopf geschminkten Nik Fiend viel Hall, was der ganzen Stimmung einen apokalyptischen Zauber verleiht. Zudem sind überall auf der Bühne zahlreiche kleine Totenköpfe aufgespießt, der Dunstnebel steigt aus allen Ecken wieder auf. Oder raucht Mr. Fiend einfach zuviel? Jedenfalls ist der notorische Kettenraucher stets dabei, eine nach der anderen zu qualmen. Ob das den krächzenden Charme seiner beängstigend klingenden Stimme ausmacht? Wer weiß. Jedenfalls herrscht tanzbare Gruselstimmung.

Überall schweben die Gruftis mit leichtfüßigen Schrittfolgen über den Boden, schaukeln Reifröcke hin und her. "Alien Sex Fiend" ist der wiederauferstandene Voodoo-Zauber der extremen Musik. Fast schon hypnotisch scheint die Aura von der berühmten Formation auf die zahlreichen Gäste zu wirken. Herr Fiend scheint seinen Spaß ebenfalls zu haben, auch wenn er manchmal betroffen und traurig in sein leeres Becherlein schaut.

So erleben die WGT-Gäste eine abwechslungsreiche Bandzusammenstellung, die alle Facetten der Gotik-Szene zeigt. Viele Fans werden sicher die Auftritte von "Alien Sex Fiend" und "Faith And The Muse" in Erinnerung behalten. Gelten beide Gruppen in ihrem Gebiet als die auffälligsten Erscheinungen im dunklen Rocksektor.

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