WGT Eröffnungskonzert: 20 Jahre Wave Gotik Treffen mit Rückblick auf 1992
Daniel Thalheim
16.03.2011

Love Like Blood freuen sich aufs WGT 2011.
Bild: www.facebook.com/LLBofficial
Viele heutige WGT-Gänger werden diese Kapellen noch nie live gesehen haben. Künstler des allerersten Treffens treten zum Eröffnungskonzert des Jubiläums-WGT auf. Darunter die schon längst aufgelösten Gothic-Kapelle von Love Like Blood, die sich extra für diesen Auftritt noch einmal zusammen raufen. Das haben sie seit 1999 nicht mehr getan.
Bereits vor dem regulären Wave Gotik Treffen bespielen also Bands wie Das Ich, The Eternal Afflict, Henke von Goethes Erben, Age Of Heaven und Sweet William die Agra-Bühne. Der 9. Juni ist also noch einmal die große Rückschau auf den Ursprung des Treffens, das jetzt eines der größten Gothic-Festivals Europas ist. Die Bands waren sofort Feuer und Flamme.
"Die Idee mit dem Eröffnungskonzert in memoriam 1992 kam allenthalben gut an", weiß Pressesprecher Cornelius Brach gegenüber die L-IZ zu berichten. "Es ist ja für die beteiligten Bands auch eine exponierte Auftrittsmöglichkeit am Eröffnungsabend des 20. WGT in der großen agra-Halle auftreten zu können. Wir haben keine konkreten Vorgaben gemacht, was die Auswahl der Stücke betrifft, aber wir hoffen, dass es möglichst viele alte Songs zu hören geben wird, um dem Anlaß des Abends möglichst gut gerecht zu werden - eben an das 1.WGT 1992 zu erinnern."

Das Ich mit einer Schippe Exzentrik zur WGT Eröffnung am 9. Juni.
Bild: www.dasich.de
Viele Bands sind lange nicht mehr gemeinsam aufgetreten, wie eben Love Like Blood, die einstmals als eine der wichtigsten deutschen Gothic-Rock-Bands gewesen ist. "Problematisch war es natürlich bei Love Like Blood, da die ja seit 1999 nicht mehr live gespielt haben und eigentlich auch nicht vorhatten, überhaupt nochmal aufzutreten. Daher freuen wir uns, daß wir diese Urgesteine des Gothic-Rock für eine letzten Auftritt begeistern konnten", erzählt Cornelius Brach zum besonderen Auftritt am Eröffnungstag. Die Band indes freut sich schon auf das Eröffnungskonzert. Für Love Like Blood werden natürlich Erinnerungen wach, will aber 2011 noch einmal definitiv für immer und ewig Abschied nehmen.
Hauptsache die Band spielt für ihre Fans viele Evergreens von den Alben "Sinister Dawn" (1992), "Flags Of Revolution" (1990) und "An Irony Of Fate" (1992). Songtitel wie "Ylene", "Don't Leave Me", "High Tension" oder "Dawnland" sowie "Revelation" lassen so manchem Facebook-Nutzer der offiziellen Love Like Blood-Facebookseite "die Höschen nass werden" vor Vorfreude - vielleicht auch in Erinnerung ans WGT 1998, als Love Like Blood noch einmal auftraten.
Bei Das Ich dürften Fans sich vor Freude ebenso ein wenig hin- und herrollen. Hatten Sänger Stefan Ackermann und Bruno Kramm 2009 ihre Tournee abgebrochen, sind nun im Frühjahr wieder live zu sehen. Sie haben die als "Neue Deutsche Todeskunst" bezeichnete Linie innerhalb der Szenerie maßgeblich begründet und bis heute mitbestimmt und sind für seine extremen Performances auf der Bühne bekannt. Gedichtvertonungen wie die von Gottfried Benn, Georg Trakl und Charles Baudelaire schreiben sich Das Ich auf die Fahnen, wissen auch mit philosophischen Lehrsätzen aus der Zitatenkiste von Friedrich Nietzsche um sich zu werfen. Kaum einer wird sich noch an eine DDR-Jugendradiosendung "Tendenz Hard bis Heavy" DT 64 aus dem Jahr 1989/1990 erinnern, in der sich Stefan Ackermann als Das Ich noch seine Lieblingsstücke von Mercyful Fate & Co. gewünscht hatte. Damals wusste der damalige Moderator Jens Molle noch nicht, was mit Das Ich und Neue Deutsche Todeskunst gemeint ist. Spätestens mit den "Satanischen Versen" von 1990 konnte auch er es hören, was Kramm und Ackermann unter diesem Begriff vor allem anfangs für sich allein einordneten. Spätestens mit Titeln wie "Kindgott", "Gott ist tot" und "Destillat" war die Band Mitte der Neunziger bereits etabliert und erfreut sich bis heute mit ihren exzentrischen Bühnenshows großer Beliebtheit. Kaum eine gute "Grufti-Party" kommt bis heute ohne den Song "Destillat" aus.

The Eternal Afflict sind nach über 20 Jahren immer noch aktiv und gelten als starke Nummer.
Bild: www.the-eternal-afflict.net
Aus der selben "schwarzen Aufbruchszeit" wie Das Ich stammt die Essener Elektro-Kapelle The Eternal Afflict, die letztmalig 2009 auf dem WGT auftraten. Andrè Kampmann und Markus Borowski gehen anders als Das Ich wesentlich ruhiger, verträumter aber nicht minder beklemmend zu Werke. Beide haben mit "Ion" 2009 ein Erfolgsalbum geschrieben, das sie in diesem Jahr noch toppen wollen. The Eternal Afflict befinden sich gerade im Studio, werden vielleicht pünktlich zur Eröffnungsshow neue Stücke präsentieren.
Ganze viermal waren hingegen Goethes Erben auf dem Wave Gotik Treffen vertreten. Zuletzt 1999 und 2002. 1992 befanden sie sich aber noch in ihren Anfängen, veröffentlichten im WGT-Geburtsjahr ihr Debüt "Das Sterben ist ästhetisch bunt". Künstlerisches Musiktheater steht im Vordergrund des Schaffens von Bandgründer Oswald Henke, der 2011 allein auf die Bühne zurückkommt. Der Bandname erklärt fast schon selbst, welchen literarischen Anspruch das Musikprojekt in sich tragen möchte. 2005 ein letztes Lebenszeichen in Form von "Dazwischen", danach ein kleiner Funke in Form von "Tage des Wassers". Ein Best Of namens "Zeitlupe" blickt seit 2010 auf die wechselhafte Bandgeschichte zurück - was wird Oswald Henke beim Eröffnungskonzert bieten?
"Übrigens sind wir auch noch an Ghosting und Templar dran, wenn beide noch zusagen würden, hätten wir tatsächlich alle acht Bands des 1. WGT nochmal beeinander, das wäre natürlich toll", berichtet Cornelius Brach weiterhin freudig gestimmt. Die auf der WGT-Seite fürs erste Treffen 1992 angegebenen Calva Y Nada, waren hingegen laut Brach nachweislich nicht dabei.
"Im Falle von Templar war es ein wahres Kunststück überhaupt jemanden ausfindig zu machen. Diese Electro-Band existierte nämlich nur ganz kurz, hat nie eine CD veröffentlicht und hat sich noch im Jahr des 1.WGT aufgelöst. Ihre Spuren waren fast verwischt. Nach langen Recherchen konnten wir aber den damaligen Sänger der Band ausfindig machen. Er war sichtlich überrascht über unsere Anfrage, wunderte sich, daß sich überhaupt noch jemand an die Band erinnern konnte", erzählt der Pressesprecher von einer Anekdote aus der derzeitigen Vorbereitung.
Auch wenn vielleicht nur sechs statt der ursprünglich acht Eröffnungskapellen auftreten, weht für Cornelius Brach am 9. Juni in jedem Falle ein gehöriger nostalgischer Hauch der frühen Neunziger Jahre die ersten Stunden des 20. WGT-Jubiläums. Man darf gespannt sein.
Wave Gotik Treffen Online
www.wave-gotik-treffen.de
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