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Wave Gotik Treffen
Hilfe die Goten kommen! Nähme man den Namen des alljährlichen Treffens der Gothics ernst, müsste man so formulieren. Aber wie alles ist auch dies nur Spiel, Verkleidung und schwarzer Spaß in Leipzig. Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
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Wave Gotik Treffen XX: Gedränge und Geschiebe in der Absintherie Sixtina

Daniel Thalheim
Geschiebebahnhof Sixtina - rund um die Uhr ist hier was los zum WGT.
Geschiebebahnhof Sixtina - rund um die Uhr ist hier was los zum WGT.
Foto: Daniel Thalheim
Tagsüber staunen Leipziger in der City. Mächtig viel los um den Marktplatz herum. Das Treiben konzentriert sich nicht nur auf "Hare, Hare" singende Krischna-Anhänger, oder das soeben stattfindende Bachfest. Es laufen massig schwarz gewandete Leute herum, die nur ein Ziel kennen: Absintherie Sixtina.

Ein Mann raunt zu seiner Frau, 'Das kann nur ein Mann sein, der sich Brüste dran gemacht hat'. Auf dem Weg zur Absintherie Sixtina in der Leipziger Katharinenstraße kann so einiges passieren. Neben den üblichen Gruftis hat der Senior einen in Latex gewandeten Herren erblickt, der sich seinen Busen erweitern ließ - um ganz beträchtliche Nummern übrigens. Skurril ist im übrigen das Wort schlechthin, was zur Abfüllschänke im 1545 erbauten Fregehaus zum guten Ton gehört. Die Absintherie ist die Hausnummer für Leipziger und Nicht-Leipziger Gothics überhaupt.

Einer der Gruftis in der Sixtina weiß, dass das im frühen 18. Jahrhundert zur Bach-Zeit vom Leipziger Ratsmaurermeister Johann Gregor Fuchs (1650 - 1715) barock umgebaute Renaissancegebäude neben Moritzbastei, Romanushaus und einem weiteren Stadtpalais in der Katharinenstraße das älteste Gebäude Leipzigs ist. Und dort wird eines der ältesten Genussmittel der Menschheit ausgeschenkt, sagt der Mann mit der Sonnenbrille und dem zum Mohawk frisierten Haar.

Zunächst als Heilmittel gegen Magenkrämpfe eingesetzt, hat Absinth durch neueste Forschungen angeblich ergeben, dass in Maßen genossener Wermut auch Morbus Crohn-Patienten helfen solle. Absinth war um 1900 das Künstlergetränk geworden, nicht weil es so berauschend gut gewesen ist, sondern so billig. Durch Filme wie "Bram Stoker's Dracula" und "From Hell" kam das giftgrüne Getränk wieder in Mode. Der Mann weiß auch, dass Gottfried Otto Frege ein Vorfahr des Toten-Hosen-Sängers Campino ist. Na dann!

Rauch, Bratwürste, Bier und viel Absinth - der Innenhof des Fregehauses mit der Sixtina.
Rauch, Bratwürste, Bier und viel Absinth - der Innenhof des Fregehauses mit der Sixtina.
Foto: Daniel Thalheim

Freilich trinkt schon eine große Schar der WGT-Besucher das beliebte Getränk an den Freisitztischen. Schwaden von Qualm des verbrannten Grillfleischs, Grillkohle und Rostern quellen über den Hof des Fregehauses, Bier kleckert auf das Pflaster, ein Wirt erklärt einem weiblichen Gast wie man den Absinth anrührt. Man gießt den Wermut in ein Glas, legt eine Metallklammer darauf, wo wiederum ein mit Absinth getränktes Stück Würfelzucker gelegt wird.

Dieser wird angezündet, bis der darin enthaltene Alkohol und die Hitze den Zucker zum Schmelzen und Karamellisieren bringen und den übrigen Klumpen ins Glas fallen lässt. Danach wird kräftig umgerührt, der darin enthaltene Alkohol verflüchtigt sich zum Teil. 'Aha!', denkt sich die Schönheit und balanciert ihr großes Tablett mit vielen Absinthgläsern und einer großen Wasserkaraffe zu ihrem Tisch. Wasser dient zur Verdünnung des hochalkoholischen Getränks, ruft's ihr noch hinterher.

Inzwischen nehmen The Murderous Mistake ihren Platz auf der Bühne im Innenhof ein. Ihr Elektro-Rock soll die Köpfe wieder frei pusten, denn die Gespräche und Gelächter hallen immer lauter von den Gemäuern zurück in die Ohrmuscheln. Durch den einsetzenden Landregen flüchten außerdem immer mehr Leute in das schützende Durchgangsgewölbe. Geschiebe und Gedränge auf engstem Raum.

Dort sollen sie im übrigen geblieben sein, denn die Leipziger Gothicrock-Formation Canterra um Korinna König haben am frühen Abend hier ihren ersten WGT-Auftritt absolviert. Unter Anfeuern von Ian Cox, seines Zeichens Sänger und Songwriter von Cox And The Riot. "Wir feuern uns immer gegenseitig an", so der aus England stammende Frontmann. Er hat sich mit seiner Freundin fürs WGT auch etwas heraus geputzt.

Noch bis Pfingstmontag steigt hier ab 8 Uhr morgens die schwarze Party, eigentlich hört sie in der Sixtina gar nicht auf und findet rund um die Uhr statt. Das schlaucht zwar die Sixtina-Mannschaft, aber sie halten sich mit Absinth über Wasser. Hilft auch gegen Müdigkeit.

Sixtina Online
www.sixtina.net

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