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Wave Gotik Treffen
Hilfe die Goten kommen! Nähme man den Namen des alljährlichen Treffens der Gothics ernst, müsste man so formulieren. Aber wie alles ist auch dies nur Spiel, Verkleidung und schwarzer Spaß in Leipzig. Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
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Wave Gotik Treffen XX: Schlafende Gäste bei Roger O'Donnell und volle Hütte bei Deine Lakaien

Daniel Thalheim
Deine Lakaien bitten zur Dark-Wave-Messe in die Agra-Halle und alle kommen.
Deine Lakaien bitten zur Dark-Wave-Messe in die Agra-Halle und alle kommen.
Foto: Patrick Limbach
Wer Deine Lakaien sind, weiß wohl jeder Grufti. Roger O'Donnell ist aber ein Mann, der wohl auf dem ersten Blick unscheinbarer ist. Doch er ist Keyboarder bei The Cure - für manche die Grufti-Band schlechthin. Wo die einen bei Alexander Veljanov & Co. gediegen feiern, schlafen sich Gäste im Centraltheater erst einmal aus.

Roger O'Donnell ist ein ruhiger und stiller Mann. Seine halblangen Haare stehen ihm auch besser als der kurze Fasson-Schnitt vor wenigen Jahren. Er betritt eher unscheinbar die Bühne, aber jeder im Centraltheatersaal am 10. Juni weiß, hier ist einer der großen Leute am Anmarsch, deswegen gibt's auch Beifall. Nur wenige wissen, was der Musiker neben The Cure noch so anstellt. So gibt es eher ein gesundes Interesse an Roger O'Donnell und dem, was er so mit den auf der Bühne stehenden Keyboards und Computern so anstellen mag.

Es dauert nicht lange, und es gehen einige. Ein Mann versinkt im Sessel und schläft. Roger O'Donnell versucht sich im britischen Humor, den aber keiner so recht kennt. "Versteht ihr?", fragt er freundlich. Lachen schallt ihm als Antwort entgegen. Er spielt ruhig wabernde Stücke wie "Earth", "Flowers" und "Sky with trees". Sie sind lang und gefallen durch ihre stille Art durch den Raum zu wandeln. Sie verschaffen ein angenehmes Ambiente, das ganz gut bei Yoga-Übungen und Tai-Chi passt. Oder man rollt sich auf der Couch zusammen und döst vor sich hin.

Entspannung pur: Roger 'O Donnell im Centraltheater.
Entspannung pur: Roger 'O Donnell im Centraltheater.
Foto: Daniel Thalheim
Doch konzentrieren kann man sich dennoch nicht, weil ständig Leute kommen und gehen. Irgendwann geht auch 'O Donnell. Nicht ohne sich zu bedanken und vorher auf sein iPhone hinzuweisen, wovon er ein App, ein Programm abspielt, das ihm zum Stück "Sky with trees" inspirierte. Der Mann im Sessel schläft noch immer, freundlich beäugt von dessen Begleiterin. Schnell leert sich das Centraltheater wieder. Neues Publikum rückt für die nächsten Konzerte an.

Viele der Gäste, die die Bosestraße verlassen, strömen zur nahegelegenen Oper, um dort Diamanda Galas zu bewundern, oder um auch dort den Konzertsaal flugs zu verlassen. Viele dieser Gäste haben sich auch ein anderes Highlight auserkoren. Die Straßenbahn Linie 11 füllt sich mit schwarzen Gewändern und fährt die WGT-Besucher direkt zur AGRA, wo Deine Lakaien auftreten wollen. Die Band um Sänger und Haarpracht Alexander Veljanov und Komponist Ernst Horn hat im vergangenen Jahr wohl das Überraschungsalbum schlechthin veröffentlicht. "Indicator" heißt es und wurde im vergangenen Herbst auch in Leipzig live im Werk II vorgestellt. Damals kamen nicht so viele zum Konzert, doch heute ist das anders. Ganze Straßenbahnladungen von Schwarzkitteln strömen übers AGRA-Gelände um direkt zur Halle zu gelangen. Dort bilden sich am Eingang lange Schlangen von ungeduldigen und schwatzenden Fans. Die seit 1985 aktive Band ist beliebt.

Alexander Veljanov: Gefühlvoll und versiert wie immer.
Alexander Veljanov: Gefühlvoll und versiert wie immer.
Foto: Patrick Limbach
Im Halleninneren gestaltet sich ein Bild der schwarzen Vielfalt. Jede Szene scheint vertreten zu sein: Elektro- und EBM-Anhänger, Romantiker, Neofolk-Anhänger. Und der Zustrom von außen scheint nicht abzubrechen. Da rätselt ein junger Mann an der Bar, wahrscheinlich laufen die Leute im Kreis, vorne rein, hinten raus. Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn die AGRA-Halle wird immer voller. Das Barpersonal bleibt ruhig. Alles ist entspannt.

Inzwischen drücken und schieben sich Menschen aller Schwarzschattierungen in den letzten Freiraum, bis irgendwann alle Wege verstopft sind und die Hitze zu einer erdrückenden Schwüle anwächst. Deine Lakaien legen los. Doch wo ist die Band inmitten des orgelnden Lichtzaubers und den immer größer werdenden Besuchern?

Wer auf Zehenspitzen steht, erkennt Alexander Veljanovs toupierte Haartracht, vernimmt aber während des gesamten Konzerts nur seine Stimme. Derer Masse an Fans ist aber noch normal, so Barfrau Franziska. Für Feindflug und Front 242 erwarten die Tresentiger mehr. Lakaien-Fans trinken eben nicht so viel wie die EBM-Anhänger. Oder es kommt von vorne keiner mehr zur Bar durch.

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Wie dem auch sei, Titel wie "One Night", "Who'll save your world", "Blue heart" und "Gone" bereiten den Gruftis hohes Verzücken. Untermalt von stimmungsvollem Licht präsentieren Deine Lakaien eigentlich fast dieselbe Titelliste wie auf der letztjährigen Tour, doch wie schon im L-IZ-Interview Alexander Veljanov erzählte, die Songs gehen durch eine Metamorphose auf der Bühne. So klingen zwar dieselben Titel an, aber in einem leicht umgeschneiderten Gewand. Das sorgt für so manchen Aha-Effekt bei dem einen oder anderen, bevor die Stücke ihrem Ende zuneigen.

Und siehe da: Während des Konzerts leert sich die AGRA-Halle auf ein erträgliches Maß, der Barbetrieb nimmt ab und Deine Lakaien können auf ein erfolgreiches Mitternachts-Spezial blicken, haben sie wohl vor versammelter WGT-Mannschaft - es mögen wohl um die 15.000 Leute gewesen sein - ein stimmungsvolles Konzert gegeben, das sogar Metal-Fans begeistert hätte. Pop ganz anders gestrickt und doch so Independent. Irgendwie Klasse findet das auch ein Pärchen, das während des gesamten Konzerts schmuste und knutschte.


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