Wave Gotik Treffen XX - Nachlese: Initiative 'Schwarz statt braun' geht rechten Tendenzen beim WGT auf den Grund
Daniel Thalheim
14.06.2011

Das Logo der Neofolk-Band Death in June in Anlehnung an den Totenkopf der Waffen-SS prangt auf der Schulter eines WGT-Gastes, hier in Kombination mit der Lebensrune am Ärmel.
Foto: Patrick Limbach
Claudia K. ist aus Berlin und bedauert eines: der kritiklose Umgang des WGT mit der Verwendung der Schwarzen Sonne aus der SS-Wewelsburg als Emblem für die Obsorgekarte 2009. Auch sonst kritisiert sie das mangelnde Vorgehen der WGT-Macher beim Tragen von befremdlichen und sogar verfassungsfeindlichen Symbolen beim Leipziger Pfingsttreffen. Ein kleines Gespräch zum Thema "Schwarz statt braun" auf dem WGT 2011.
Gruftis gegen Rechts gab es bis vor wenigen Jahren. Diese Gruppierung wandte sich gegen die Verwendung von verfassungsfeindlichen Symbolen unter anderem in der Neofolk-Szene, bis die sich unter Druck und Vorwürfen sie seien von der Antifa auflöste. Vielfalt wurde und wird in der schwarzen Szene groß geschrieben, aber eine Gruppe scheint das auszunutzen und Leute anzulocken, die das Wave Gotik Treffen als Anlass nehmen, die eine oder andere rechtsideologische Ideen zu streuen - und die Veranstalter scheinen es bis heute zu tolerieren.
"In den letzten Jahren gab es kein WGT ohne offen rechte Bands mehr, seit Jahren steht der Stand des rechten VAWS Labels in der AGRA-Halle" - so kann man es, wenn man denn wollte, auf einem beim Viktorianischen Picknick in die Hand gedrückten Flyer der Initiative "Schwarz statt braun" lesen. Weiter heißt es da: "Der Beweis, dass die Veranstalter des WGT diese Entwicklung nicht nur tolerieren, sondern auch aktiv fördern, wurde 2009 erbracht, als auf den Obsorgetickets eine schwarze Sonne, ein Nazi-Symbol, abgebildet war."

Das Logo von der Neofolk-Band Von Thronstahl ist der "Schwarzen Sonne" nachempfunden.
Foto: Patrick Limbach
Diese Kontroverse entlud sich da bereits in einem schriftlich geführten Streit der 2009 zum letzten Mal auf dem WGT aufgetretenen Gothic-Rock-Gruppe ASP, die den WGT-Machern dasselbe vorwerfen, wie "Schwarz statt braun" jetzt. Damals begründete das WGT in einem offiziellen Statement das Verwenden der Schwarzen Sonne damit, dass es eigentlich ein altes germanisch-mittelalterliches Symbol sei. So recht glauben wollten es bereits 2009 nicht alle, die eine weitaus schlüssigere Geschichtslinie darin sehen.
Denn in Ausführung und Gestalt ist die Schwarze Sonne mit dem von Karl Maria Wiligut entworfenen Symbol für die SS-Ausbildungsstätte Wewelsburg identisch. Alexander Spreng, Sänger von ASP hat im vergangenen Jahr in einem L-IZ-Interview nicht ohne Hintergedanken bei der Frage geantwortet, ob die Band jemals beim WGT auftreten wird: "Solange das mit der Treffengesellschaft nicht geklärt ist, so lange das so bleibt, so lange das Personal da sich nicht ändert auf gar keinen Fall!"
Claudia K. sagt nun während des Viktorianischen Picknicks im Clara-Zetkin-Park am 10. Juni gegenüber der L-IZ: "Die meisten Gruftis wollen weder mit rechts noch mit links zu tun haben." Claudia K. betont aber auch, dass sich "Schwarz statt braun" nicht mit "Gruftis gegen rechts" vergleichen lassen wollen. Die Initiative will etwas Neues anschieben, will lieber aufklären. "Hey, wenn ihr euch dafür interessiert, schaut auf unsere Seite." Darauf und auf dem Flyer erwähnt die Initiative, die ihre Recherchen dem antifaschistischen Magazin "Der rechte Rand" zu entnehmen scheint, dass ein gewisser Joseph Maria Klump ein in rechten Kreisen umtriebiger Geselle sei, der auch bei der nicht ganz unumstrittenen Band Von Thronstahl Leadsänger ist.

Variationen der Schwarzen Sonne, Totenköpfe und noch mehr - auch 2011 auf dem Wave Gotik Treffen Leipzig
Foto: L-IZ.de
2000 stand eben jener Sänger mit seiner Band von Thronstahl trotz eines Auftrittsverbotes und mit Wissen des Veranstalters auf der Parkbühne und schwenkte zu Tonbandabspielungen fleißig das schwarze Sonnenradfähnchen. Nur eine Personalie aus diesem Jahr ist bis heute in der Führungsetage des Veranstalters konstant - Thomas Görnert leitet auch 2011 noch die Geschicke des Treffens und sah sich dennoch laut ASP nicht in der Lage, die windige Erklärung zur Verwendung der Schwarzen Sonne auf der Obsorgekarte 2009 mit zu unterschreiben. So recht glaubte er wohl selbst nicht an die Erläuterungen darin in Richtung ASP und die Besucher.
Im Fall der in diesem Jahr ebenfalls heftig umstrittenen Neofolk-Band Blood Axis ist Claudia K. der Meinung, dass man zum Konzert am 20. August in der Leipziger Theaterfabrik als Initiative hingehen müsse, um zu schauen, was noch an den den Vorwürfen dran ist, Blood Axis würden mit dem braunen Ufer kokettieren. Und sie verweist auf andere Gothic-Festivals, die sich offensiv gegenüber braunen Strömungen abgrenzen.

Der VAWS auch 2011 in der Agra-Ständehalle auf dem WGT zu finden
Foto: L-IZ.de
"Das Festival M'Era Luna ist beispielsweise ein Vorbild, wie man Neofolk-Bands und die damit im Zusammenhang stehenden Symbole aussperrt. Die Veranstalter dort sagen, wir wollen das Ganze nicht. Das Festival arbeitet mit 'Laut gegen Nazis' zusammen, die wiederum mit ganz vielen Mainstream-Künstlern wie Die Fantastischen Vier zusammenarbeiten. M'Era Luna hat somit Position bezogen gegen rechte Tendenzen in der Gothic-Szene. Das wollen wir auch bei den Leipziger Veranstaltern erreichen. Doch man munkelt, dass der VAWS-Stand von Werner Symanek überhaupt keine Standgebühren zahlt und gar nicht auf der offiziellen Standliste aufgeführt worden ist. Wir wollen vom WGT Klarheit - entweder sie positionieren sich, oder sie legen endlich mal dar, was an den Gerüchten dahinter steckt. Das tut den Veranstaltern doch selber nicht gut, wenn alle sagen, das WGT ist ein Festival, das rechte Tendenzen duldet. Warum tut ihr nichts? Das verärgert auch Leute."
Zumindest ein weiterer Verkaufsstand war beim diesjährigen Treffen Schauplatz einer solchen Geschichte. Der Musikvertrieb für Neofolk, Industrial und Gothic Rock "Skullline" war in der Ständehalle auf der Agra präsent und zeigte sich bei aller sonstiger Zeigefreudigkeit in der Szene sehr ungehalten ob der Fotoarbeiten eines L-IZ - Redakteurs von seinem Stand und den Waren. Die durch die Standbetreiber hinzugerufene vier Mann starke Security des Veranstalters versuchte gemeinsam mit den zwei Standmitarbeitern dem Journalisten klarzumachen, dass dieser die vom Stand gemachten Fotos zu löschen hätte. Was er natürlich nicht tat. Anschließend befanden sich Redakteur, Stand-Mitarbeiter und ein Security-Mann bei der Polizei vor Ort.
Diese musste dem Mitarbeiter des Skullline-Standes und der Veranstalter-Security eine Nachhilfestunde in Pressefreiheit geben und stellten anschließend in Aussicht, den Stand selbst zu besuchen, um die ausliegenden typischen Neofolk-Symbole hinsichtlich eventueller verbotener Symboliken genauer zu begutachten. Ob sie das tatsächlich getan haben, ist bislang noch nicht bekannt, die Fotos blieben natürlich auf der Kamera.
Claudia K. schaute sich derweil am Samstag das Konzert von Tony Wakeford im Heidnischen Dorf an, dessen Konzertzusammenstellung zumindest nicht auf dem offiziellen und aktuellen Treffenplan erscheint. Auch eine Spielart der Veranstalter, die nie ganz transparent mit der Programmplanung umgingen und immer wieder Auftritte ohne vorherige Ankündigung in den Spielplan einbauten. Außer mit einem Plakat und einer mühevoller Recherche bei der Online-Künstlerzusammenstellung.
Claudia K. bleibt im Hier und Jetzt, wenn es um Sorgen dieser Art geht. "Es ist schwer zu sagen, vor zehn Jahren ist das und jenes im Zusammenhang mit Rechts passiert. Wir wollen uns auf den aktuellen Kenntnisstand beziehen, wie die Frage, was für Leute dahinter stehen, was Tony Wakeford und Sol Invictus machen. Wie ist die Entwicklung jetzt? Von daher werden wir uns im diesem Jahr annähernd all das angucken, was kritisch verfolgt wird und offensichtlich ist, dass es Verbindungen zur rechtsextremen Szene gibt."
Eine am 12. Juni durch die L-IZ.de schriftlich formulierte Frage zu einer Stellungsnahme zu der von der Initiative "Schwarz statt braun" formulierten Kritik steht seitens der Veranstalter noch aus. Zu hoffen ist, dass es diesmal mehr wird, als der Singsang einer unpolitischen Szene, während Politik unter den Verkaufstresen manches Standbetreibers gemacht wird.
Denn im WGT-Forum wurden diese Themen auch im vergangenen Jahr bereits diskutiert. Zumindest der VAWS-Stand (Verlag und Agentur Werner Symanek) scheint für viele Gothics ein echtes Ärgernis zu sein. Funshirts wie das vom Musikmagazin "Zillo" seit Jahren gedruckte "Ich bin ein W-G-Tarier" in Anlehnung an den Spruch "Ich bin ein Vegetarier" hingegen nicht.
Schwarz statt braun Online
schwarzstattbraun.wordpress.com
Die Forumsdiskussion auf der Treffenseite zum Thema W-G-Tarier
www.wave-gotik-treffen.de/forumwgt/Festivalshirts
Die Forumsdiskussion auf der Treffenseite zu VAWS, Von Thronstahl und die Schwarze Sonne
www.wave-gotik-treffen.de/forumwgt/Rechte raus
VGWortLIZ

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