Leserbrief zu Klimaschutz auf sachsen-anhaltinische Art: Ein neues Kohlekraftwerk bitte
Redaktion
02.11.2011
Im Tagebau Profen.
Foto: Mibrag / Christian Bedeschinski
Von Kurt-L. Schornsheim: Liebe Leipziger Leser, zuerst bedanke ich mich beim Verfasser für seine gelungene Anmoderation des Themas. Leider komme ich erst heute zur notwendigen Ergänzung. Nun frage doch mal bitte jemand, wer diesen anhaltischen Ministerpräsidenten auf den Plan gerufen hat! Was also ermächtigt diesen Prediger, den Leipzigern ein Kraftwerk aufs Silbertablett zu setzen, das offenbar außer ihm und der ewig gestrigen Mibrag niemand haben möchte?
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Welches sind denn die Triebkräfte, die uns gebildeten Menschen ein solches Steinzeitmonstrum schmackhaft machen könnten? Bei allem Respekt vor unternehmerischen Entscheidungen, aber hier soll etwas etabliert werden, das niemand mehr braucht und auch niemand mehr bezahlen möchte. Der Verfasser des Artikels hat nicht zu Unrecht darauf verwiesen, daß dieses ungeliebte und überflüssige Kraftwerk bei Lützen vermutlich aus Steuergeldern unterstützt werden soll.
Das muß man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: ein absolut nicht konkurrenzfähiges Kohlekraftwerk soll mit Steuergeldern errichtet werden und den Erneurbaren Energien eine Brücke in die Zukunft sein. Perfider geht es nimmer.
Dabei gibt es in Deutschland Pioniere ganz anderer Art. Leute, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und erkennen mußten, daß dieser ganze fossile Mummenschranz in absehbarer Zeit verfeuert sein wird - aus, Ende, vorbei. Ob dieses Verfeuern indes klug ist, darf bereits heute bezweifelt werden. Kein Geringerer als die Deutsche Bahn setzt beispielhaft mit dem weltweit ersten Hybridkraftwerk bei Prenzlau (Wind und Wasserstoff) voll auf die erneuerbaren Energien und braucht dazu in der Planung kein Kohlekraftwerk mehr.
Der aktuelle Tagebau Profen.
Foto: Mibrag / Christian Bedeschinski
Was also zeigt, daß es geht, wenn man nur will und seinen Kopf zur Lösung des vor uns liegenden Energieversorgungsproblems einsetzt. Darüber hinaus kann es auch nicht verwundern, daß eine erpreßbare Anhaltische Landesregierung ihr einziges aufwendig gehätscheltes Lieblingskind Mibrag nach Kräften unterstützt und dabei selbst vor Wettbewerbsverzerrungen nicht zurückschreckt. Erpreßbar deshalb, weil bis heute der Kaufpreis für die ehemaligen DDR-Braunkohlebetriebe an die Landesregierung von Sachsen-Anhalt auch nicht annähernd vollständig entrichtet worden ist.
Und die nächste Wettbewerbsverzerrung wird vermutlich vom Anhaltischen Landtag mit der WasEE-VO LSA in Kraft gesetzt, einer Verordung, die dem Braunkohleriesen Mibrag auch weiterhin die kostenlose Entnahme des Bodenschatzes Grundwasser gestatten wird. Dies wird das Land Sachsen-Anhalt (fast könnte man sagen im Bruderbund) weiterhin um Millionenbeträge prellen.
Fehlende Steuereinnahmen, die dann an anderer Stelle zur Begründung der Schließung von Schulen und ähnlichem Ungemach herhalten müssen oder geführt haben. Niemand braucht diese menschenverachtende Technologie Braunkohle. So rufen Sie sich bitte die unzähligen Orte aus dem Leipziger Umland in Erinnerung, die ausgelöscht worden sind. Das und nichts anderes bedeutet Braunkohle.
Vertreibung von Menschen, Enteignung, unzureichende Entschädigung, frevelhaftes Abtragen des äußerst wertvollen Ackerbodens, Auslöschen kultureller Bezüge (Gustav Adolf, Nietzsche, Seume), Veröden der Dörfer in Randlage des künftigen Tagebaus, Wegzug der Firmen und Jüngeren, vollkommen unakzeptabler Preisverfall der betroffenen Grundstücke, durch das Grundgesetz nicht gedeckte Zwangsarbeit der von Umsiedlung betroffenen Bevölkerung, Vertreibung aller Tiere und Rodung aller Pflanzen (man sollte sich als Gegenstück dazu einmal das Genehmigungsverfahren für einen Windpark auf der Zunge zergehen lassen - da wird völlig korrekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung abverlangt - dies wäre bei einem Monstrum wie einem rundum schlagenden Tagebau überhaupt nicht möglich).
Man könnte die Aufzählung der hahnebüchenen, fragwürdigen und unmoralischen Beispiele bis zur Sättigung fortsetzen, aber das liegt mir wirklich fern. Ich wollte helfen, Ihren Blick und auch den der Leipziger Stadtverordneten zu weiten, damit Sie sich von diesen Roßtäuschern nicht vor deren Karren spannen lassen. Bitte lassen Sie uns mit den Machenschaften des Ministerpräsidenten Haseloff und der Mibrag nicht im Stich.
Schauen Sie zur Deutschen Bahn, wie Energieversorgung der Zukunft aussehen kann!
Ihr geneigter Leser und Mitbürger
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