Von Hannes Mann: Wie weit entfernt von der Praxis hier die Diskussion über die leidige Verkehrssituation am Ring stattfindet, erstaunt mich nach wie vor. Als Anlieger und Betroffener finde ich mich hier aber weder auf der einen noch auf der anderen Seite Ernst genommen.
Fakt ist: auf dem Ring zwischen rasenden Autos möchte ich nicht radfahren. Fakt ist auch: einen Radweg gibt es einfach nicht und so bin ich gezwungen, weitere (gefährliche) Umwege in Kauf zu nehmen. Die geschaffenen Fahrradstraßen innerhalb des Rings sind zwar eigentlich eine gute Idee, aber es scheitert (und ich gehe davon aus daß sich hier nichts ändern wird) defintiv an der Praxis.
Ich bitte alle, die mir widersprechen, es eine Woche lang im Selbstversuch zu versuchen, sich dort täglich mit dem Rad (zu Fuß ist es übrigens ähnlich unmöglich) durch die Stadt zu bewegen.
Problem 1: durch den Anlieferverkehr der anliegenden Unternehmen (der ja auch sein muss) wird man als Radfahrer regelmäßig bei Wende- und Einparkmanövern großer LKW und anderer Lieferfahrzeuge übersehen.
Problem 2: ein großes Problem sind ebenfalls die zahlreichen Reisebusse entlang der Fahrradstraße, die kleinere Verkehrsteilnehmer ebenfalls gerne übersehen - logisch bedingt durch die Enge der Straße.
Problem 3: Zahlreiche Baustellen säumen die angeblich sichere "Fahrradstraße". Besonders an der Brühlbaustelle sorgen nicht nur Fußgänger (die stellenweise keinen Gehsteig mehr haben und nicht anders können) und etliche Baustellenfahrzeuge für ein eklatantes Gefahrenpotential. Nicht besser, sondern noch schlechter sieht es aus an der Großbaustelle der Universität aus, wo man selbst als Fußgänger seine Not hat, nicht zwischen LKWs zermalmt zu werden.
Problem 4: Die zahlreichen Parkhäuser innerhalb der Innenstadt sorgen zudem noch für zusätzlichen Verkehr auf der Fahrradstraße. Ich beobachte fast täglich Beinahezusammenstöße zwischen Auto und Mensch.
Problem 5: Die Situation am Augustusplatz spottet jeder Beschreibung. Gerade bei Veranstaltungen wie jetzt beim Weihnachtsmarkt ist es für Radfahrer als auch für Fußgänger immer wieder eine Herausforderung, zwischen Straßenbahn, Verkehr, Parkhaus, Baustelle, Weihnachtsmarktbesuchern, Taxis, Lieferfahrzeugen usw. heile dort herauszukommen.
Diese Auflistung von Problemen ließe sich vermutlich noch weiter führen und soll nur in Ansätzen zeigen, wie gefährlich diese "Fahrradstraße" ist, mit der man sich nun rühmt.
Die nächsten Baustellen kommen mit Sicherheit, die Parkhäuser werden nicht verschwinden und die Reisebusse werden auch auf ihrem Recht, direkt an der Thomaskirche zu parken, bestehen. Eine Besserung der Verkehrsituation auf dieser "Fahrradstraße" ist nicht in Sicht
Auch wenn das Radfahren auf dem Ring nicht die Lösung ist - diese "Fahrradstraßen" sind es ebensowenig. Ich fürchte es wird weiterhin zu Unfällen bei dieser gefährlichen Lage kommen - und leider wird es viele Fahrradfahrer geben, die dann (gesetzeswidrigerweise) auf den für sie sicheren Gehsteig ausweichen (auch zu meinem Leidwesen, was ich aber durchaus nachvollziehen kann).
Womit diese Diskussion weitergehen dürfte über die Fahrradrowdys - obwohl es in der Macht der Stadt gestanden hätte, hier sichere Verkehrssituationen zu schaffen. Und ist dies nicht auch eigentlich die Pflicht der Stadt, dies zu tun?
Zum Artikel vom 29. November 2011 auf L-IZ.de
Neue Schilder für die Stadt: Nur ja keine Radler auf dem Ring!
Zum Leserbrief vom 30. November 2011 auf L-IZ.de
Leserbrief zu Neue Schilder für die Stadt: Nur ja keine Radler auf dem Ring!