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Leserbrief zu Ein Schnellbericht zur Bürgerumfrage 2011 (2): Einkaufsfahrten und die Furcht vorm Radfahren

Redaktion
Wieder ein bisschen Licht ins Leipziger Verkehrsverhalten.
Wieder ein bisschen Licht ins Leipziger Verkehrsverhalten.
Foto: Ralf Julke
Von Torsten Schönebaum (rad-le.de): Lieber Herr Julke, Sie schreiben, "All diese Antworten deuten darauf hin, dass die Stadt bei der Stärkung des Radverkehrs tatsächlich einen Schritt vorankommen würde, wenn sie für separierte und sichere Radwegeverbindungen in einem komplettierten Netz sorgt." Nun enthält dieser Satz aber einen ziemlichen Widerspruch, denn separierte Radwege sind gerade nicht sicher, zumindest nicht, wenn sie straßenbegleitend sind.

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Spätestens an den Knotenpunkten kracht es häufiger, als wenn es keinen Radweg gäbe, je nachdem, wie Weg und Knotenpunkt gestaltet sind, doppelt bis zwölf mal so oft. Investitionen in straßenbegleitende Radwege sind damit Investitionen in Scheinsicherheit, ein realer Sicherheitsgewinn ist nicht zu erwarten, eher das Gegenteil.

Wie Sie schreiben, zeigt die Bürgerumfrage, dass vielen Leipzigern das Fahren auf der Fahrbahn gefährlicher erscheint, als das Fahren im Seitenraum. Diese Risikowahrnehmung steht im Gegensatz zum tatsächlich vorhandenen Risiko, dass auf der Fahrbahn eben deutlich kleiner ist. Statt nun diese Diskrepanz zu verringern (und damit auch für mehr tatsächliche Sicherheit zu sorgen), zementiert jeder neue Radweg dieses zwar verständliche, aber auch gefährliche Bauchgefühl.

Nun könnte man diese Nachteile vielleicht in Kauf nehmen, wenn auf diese Weise der Radverkehrsanteil tatsächlich erhöht werden würde. Für diese Kausalbeziehung gibt es aber keinen Beleg; Untersuchungen aus Detmold und dem österreichischem Langenlois sprechen eher dagegen. Als wirksamstes Mittel, um den Radverkehrsanteil zu steigern, erwiesen sich dort Imagekampagnen. Wenn die Stadt etwas für den Radverkehr tun soll, dann lieber sowas.

Und falls es doch unbedingt Radwege sein sollen, so gibt die Bürgerumfrage einen wichtigen Hinweis: Wege abseits der Straßen sind am beliebtesten, dort könnte und sollte investiert werden. Dort gibt es viel weniger Knotenpunkte, die Gefahren durch den Kfz-Verkehr sind also geringer als bei straßenbegleitenden Radwegen. Auch der Investitionsbedarf bei diesen Wegen ist hoch, sind die allermeisten doch nicht ganzjährig benutzbar, falls man kein Schlammspringen oder Eisrutschen veranstalten möchte.

Viele Grüße,
Torsten Schönebaum

Zum Artikel vom 25. April 2012 auf L-IZ.de
Ein Schnellbericht zur Bürgerumfrage 2011 (2): Einkaufsfahrten und die Furcht vorm Radfahren


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