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Leserbrief zum Melder Torsten Herbst (FDP): Einführung der 30-Stunden-Woche würde Arbeitsplätze in Deutschland vernichten

Redaktion
Von Dr Leonhard Kasek: Der Vorschlag, schrittweise zur 30 Stundenarbeitswoche überzugehen ist das vernünftigste zum Thema Arbeitsmarkt, was seit langem zur Diskussion gestellt worden ist. Die Arbeitslosenquote in Deutschland betrug im Januar 2013 7,4 %. Mindestens bis Sommer wird sie nach Einschätzung fast aller Experten nicht weiter sinken. Wie es dann weiter geht, ist fraglich. Die Krise ist längst nicht ausgestanden. Mit Wachstum und dem Rückgang der Zahl junger Leute die auf den Arbeitsmarkt nachrücken allein, werden wir in Deutschland keine Vollbeschäftigung schaffen.


Der Vorschlag sieht vor, den Teil der von den Tarifparteien ausgehandelten Lohnerhöhungen, der die Inflationsquote übersteigt in Arbeitszeitverkürzungen umzuwandeln. Die Reallöhne blieben so gleich und zugleich würde es nicht zu einer Erhöhung der Lohnstückkosten über das durchschnittliche Wachstum der Arbeitsproduktivität hinaus kommen. Das ruiniert keinen Unternehmer.

Eine kürzere Arbeitszeit würde dafür sorgen, daß die Arbeitnehmer konzentrierter und intensiver arbeiten. Dazu gibt es eine Vielzahl von Studien. Außerdem würde die Zahl der psychischen Erkrankungen durch Streß und zu hohe Arbeitsbelastung sinken. Das führt zu erheblichen Einsparungen: ein hoher Krankenstand belastet nicht nur die Krankenkassen sondern auch die Arbeitgeber. Schließlich nimmt der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung zu. Die Nachfrage nach Teilzeit vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern mit Kindern ist weit höher als das Angebot. Nur in den unteren Lohngruppen gibt es viele Teilzeitbeschäftigte, die lieber voll arbeiten würden, um mehr zu verdienen.

Der Fachkräftemangel ist im Moment in den meisten Regionen von der Wirtschaftslobby herbei fantasiert: Nimmt man die älteren Arbeitslosen und die Langzeitarbeitslosen dazu liese sich in den meisten Regionen der Fachkräftebedarf schnell decken. Die dazu zum Teil nötigen Anpassungs- und Auffrischungsweiterbildung dürfte da keine Hürde sein. Aber viele Arbeitnehmer sortieren Langzeitarbeitslose und ältere sofort aus, wenn sie Fachkräfte suchen. Langzeitarbeitslose gelten als arbeitsscheues Gesindel, als Bodensatz wie mir ein Herr von der FDP mal sagte. Ältere als verbraucht und weder auf der Höhe der Zeit noch bildungsfähig. Ausländer, deren Qualifikation oft erst nach längerer Zeit und nicht selten nur teilweise anerkannt wird, sind da viel billiger und leichter unter Druck zu setzen.

Übrigens würden sich Jahresarbeitszeitkonten und Arbeitszeitverkürzung sehr gut ergänzen. Noch besser wären Lebensarbeitszeitkonten. Dazu müßte allerdings die Politik Voraussetzungen schaffen: Sicherung der angesparten Zeit bei Konkurs des Unternehmens und beim Wechsel des Arbeitgebers und Erweiterung der Rechte der Arbeitnehmer, die angesparte Zeit zu nehmen, wann es die Arbeitnehmer für erforderlich halten. In vielen Unternehmen entscheiden sehr einseitig die4 Arbeitgeber, wie die Gleitzeitreglungen genutzt werden, wann mehr gearbeitet und wann weniger. Hier brauchen wir mehr Zeitsouveränität für die Arbeitnehmer und zwar ohne Nachteile in der beruflichen Entwicklung.

Das alles würde helfen, die Lebensqualität der Arbeitnehmer zu verbessern, mehr Zeit für Kinder, Familie, Fortbildung und Hobbys lassen und endlich die Geisel Arbeitslosigkeit zu überwinden. Das käme auch den Unternehmern zu Gute.

Zum Melder vom 11. Februar 2013 auf L-IZ.de
Torsten Herbst (FDP): Einführung der 30-Stunden-Woche würde Arbeitsplätze in Deutschland vernichten


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