Nationalbibliothek zeigt 140 Jahre Taschenbuch-Geschichte: Reclam. Die Kunst der Verbreitung
Redaktion
12.02.2008
Stephan Jockel. Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig präsentiert vom 15. Februar bis 17. Mai einen Querschnitt aus der bundesweit größten Reclam-Sammlung. "Jedes Buch erzählt etwas über seinen Besitzer", sagt der Frankfurter Antiquar und Sammler Georg Ewald, der in rund 20 Jahren die Sammlung zusammengetragen hat. Anhand einer Fülle von Büchern zeichnet die Ausstellung die Geschichte der "Universal-Bibliothek" nach.
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Darunter viele Erstausgaben-Prospekten, Plakaten, Katalogen und Zeitschriften. Besonderes Augenmerk liegt auf der Vermarktung und Verbreitung der Reihe von 1867 bis 1945. - Die Ausstellung zeigt neben Geschenk- und Luxusausgaben auch gelesene, bekritzelte und mit Bemerkungen versehene Lehrer- und Schüler-Exemplare. Hier werden auch jüngere Exemplare gezeigt. "Universal-Bibliothek mit Lebensspuren" nennt Ewald die Exemplare, die von den Lesern mehr oder weniger liebevoll "bearbeitet" wurden. Gezeigt werden weiterhin Theaterausgaben, Tarnschriften, eine "tragbare Feldbücherei", Kriegsausgaben und Automatenbücher. Der Nachbau eines Bücherautomaten ist als Leihgabe des Reclam Verlages in der Ausstellung zu sehen.
1828 gründete Anton Philipp Reclam seinen Verlag in Leipzig, 1867 veröffentlichte er mit Goethes "Faust I" den ersten Band der bis heute so genannten "Universal-Bibliothek" als "eine Sammlung von Einzelausgaben allgemein beliebter Werke". Dieser erste Band, der nur noch in zwei Exemplaren existiert, ist als Leihgabe von Rainhilt Reclam in der Ausstellung zu sehen. Die Zahl der erschienenen Titel der "Universal-Bibliothek" liegt inzwischen bei mehr als 10.000.
Das Ziel des Verlegers war es, anspruchsvolle Texte in sorgfältiger Ausstattung zu einem erschwinglichen Preis mit dem Anliegen anzubieten, Bildung für Viele zu ermöglichen. Dank moderner Drucktechnik konnte er preiswerte kleine, in die Tasche passende Bücher in hohen Auflagen auf den Markt bringen. Der westdeutsche Zweig des Verlages wurde 1947 in Stuttgart gegründet und hat seit 1980 seinen Sitz in Ditzingen. Das Stammhaus, das unter dem Namen "Reclam Leipzig" firmierte, wurde Ende März 2006 geschlossen. Die Ausstellung war bereits im Offenbacher Klingspor-Museum und in der Universitätsbibliothek Bern zu sehen und wird nun am Ort der Verlagsgründung gezeigt.
"Reclam. Die Kunst der Verbreitung", Ausstellung der Sammlung Georg Ewald vom 15. Februar bis 17. Mai im Foyer der Deutschen Nationalbibliothek, Deutscher Platz 1. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 22 Uhr, Sonnabend 9 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage und vom 20. bis 24. März geschlossen.
Eröffnung: 14. Februar, 18 Uhr.
Führung durch die Ausstellung mit Georg Ewald: 13. März, 16.30 Uhr
Lesung im Rahmen der Ausstellung. F. W. Bernstein "Deklamationen und Reclamationen": 13. März, 18 Uhr
Begleitpublikation: Reclam. Die Kunst der Verbreitung. Begleitband zur Ausstellung im Klingspor-Museum, Stuttgart: Reclam, 2006
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