Porno 2.0 oder Die große Wunderkiste Web: Eine Ausstellung
Ralf Julke
13.11.2008
Foto: Sophie Lautru
Porno in Leipzig? Gar noch Porno 2.0? - Natürlich: Eine spannende Ausstellung im Ausstellungsraum D21 in Lindenau gibt Anlass, darüber nachzudenken, zu welchen Enthüllungen Menschen im „Informationszeitalter“ fähig sind.
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In der Gruppenausstellung „Porno 2.0“ haben sich die Künstler Ursula Biemann, CUM2CUT, JLNDRR, Deborah Kelly, Sophie Lautru, Eva and Franco Mattes aka 0100101110101101.ORG, John Tonkin zusammengetan und einmal aus artistische Sicht beleuchtet, was da in den zwielichtigen Seitenstraßen und nächtlichen Szenerien des Internets geschieht.
Denn eines scheint evident: „Die Rolle der Pornografie sollte bei der Entwicklung und Verbreitung neuer Medien und Technologien nicht unterschätzt werden. Wie Videorekorder, Privatfernsehen ist auch das Internet mit und dank ihr gewachsen. Vor allem während der Interneteuphorie in den 1990ern schienen die Möglichkeiten von Sex im Cyberspace grenzenlos. Virtueller Sex versprach neben Anonymität und der Loslösung vom biologischen Körper – und damit auch von sexueller Diskriminierung – eine zweite sexuelle Revolution auszulösen: Mehr Sex, besserer Sex, anderer Sex.“
Der Mensch ist ein Wesen mit Einbildungskraft und dem tiefinnigen Glauben an die Erfüllung aller Wünsche. Und so hat er die neue Maschinerie zum großen Wunschbriefkasten gemacht. Und die Heilsverkünder warten allerenden mit dem, was auch farbetriefende Zeitungen so gern versprechen: Sex. Manchmal mit Crime. Meistens mit Abzocke und einem Irrgarten der mehr als halblegalen Abwege.
Sex sells. Und wenn heute von Milliarden Euro getönt wird, die im Internet verdient werden, dann geht ein gewichtiger Teil davon auf die Online-Angebote zum menschbewegenden Thema.
Foto: D 21
Con2cut: Indie Porn Short Movie Festival.
Viele Fantasien gingen den technischen Möglichkeiten voraus, heißt es im Statement der Galerie. „Computersex fand, wenn überhaupt, vor allem im Austausch erotischer Textbotschaften in Chatrooms statt. - Die Technikentwicklung der vergangenen Dekade hat uns näher an diese Fantasien gerückt. Es gibt einfache Bildübertragungen, Internetportalen, auf denen User_innen Filme und Bilder hochladen können, soziale Netzwerke und digitale Parallelwelten. Das World Wide Web ist eine unendliche Kontaktplattform zum Austausch von Sexfantasien jenseits von Raum und Zeit. Wenn Jede und Jeder eigene Inhalte ins Web 2.0 stellen kann, beginnt auch die Grenze zwischen Pornoproduzent_innen und -konsument_innen zu verschwimmen.“
Wie wahr. Fast im Gleichschritt mit immer neuen Tiefen-Erkundungen privater und weniger privater Fernsehkanäle werden die schrillsten Mitmenschen zu Laien-Darstellern ihrer selbst. Die Grenzen zwischen Entblößung und Selbst-Entlarvung verschwinden.
Eva and Franco Mattes
Reanactment von Marina Abramovic und Ulay.
„Internetuser_innen erschaffen sich digitale Doppelgänger, für die die Grenzen der Veränderlichkeit des biologischen Körpers nicht gelten: Perfekte Schönheit ist programmierbar. Jenseits sexueller Tabus ist eine eigene Online-Sexkultur mit einem eigenen Vokabular, zahlreichen Praktiken und eigenen, alten und neuen Geschlechterrollen entstanden. Entgegen der Liberalisierungsfantasien vervielfacht sich jedoch auch sexuelle Ausbeutung und Prostitution in der digitalen Welt.“
Und das ist nicht nur ein Thema für die digitale Welt der Wunschfantasien. Der Rausch vom Immer-Mehr schwappt zurück in den Alltag der von Werbebotschaften dominierten Welt, skurrilste Praktiken erleben ihre Sternstunden als Thema in Vorabendserien und in Werbekampagne. Und so recht weiß am Ende nur noch die Polizeistatistik, was davon tatsächlich stattfindet und was nicht.
Die sieben internationalen, medienkünstlerischen Positionen in der Ausstellung Porno 2.0 im D21 Kunstraum Leipzig werfen Schlaglichter auf die Aktualität und Doppelbödigkeit sexueller Fantasien in der digitalen Welt.
Und hinterfragen damit nicht nur den augenscheinlich immer heftigeren Hunger der Netz-Abhängigen nach irgendeiner Art sexueller Erfüllung, sondern auch die stets wahrnehmbare Kehrseite des Spiels: eine von Gefühlskälte dominierte Gesellschaft, die eine reale Erfüllung der Liebessehnsucht für viele Menschen nicht mehr bieten kann.
Und natürlich zeigen die sieben künstlerischen Essays auch, wie ent-täuschend am Ende auch dieses Heilsversprechen einer Industrie ist, die mit immer neuen Wellen versucht, ein Medium als Heilmittel zu verkaufen. Es ist schon über zehn Jahre her, als das Internet auch von diversen Leipziger Magazinen als eine Welt gepriesen wurde, in der die Sehnsüchte def Wirklichkeit digital in Erfüllung gehen.
Nichts davon ist passiert.
Genausowenig, wie das viel zitierte „Web 2.0“ irgendetwas zum Besseren verändert hat oder im Netz gar neue Inhalte geschaffen hat. Es lohnt sich, nach Lindenau zu pilgern und sich mit den Arbeiten der Medienkünstle zu beschäftigen, die sich rücksichtslos mit dem e-Müll aus Pornokanälen, Spams und Partnerbörsen beschäftigen, den hilflosen Rollenbildern de Fantasy-Spiele, den Selbst-Darstellungen im Do-it-yourself-Web und den Versprechen von Omnipotenz, mit dem die spendierfreudigen Surfer gelockt werden. Das Selbstbild als Wunschbild. Sex als Wettbewerb der Perfektion.
Hinterher wird mancher ernüchtert auf die Straße treten und sich freuen, dass noch echte Menschen durch Lindenau laufen.
Die Ausstellung ist im D21 Kunstraum Leipzig, Demmeringstraße 21, bis zum 14. Dezember zu sehen.
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Mit Krebs ist nicht zu spaßen. Krebs ist kein Spaß. Vielleicht ist die moderne Zivilisationskrankheit Krebs die Kehrseite unserer Spaßgesellschaft. Die keine spaßige ist, auch wenn sie alles, was wichtig ist, in einen Spaß zu verwandeln scheint. Nicht nur Regina Rose fragt wohl zu recht, welche Rolle unsere moderne Lebensart für die Ausbreitung der "Volkskrankheit" Krebs hat. mehr…
Es gab ja in letzter Zeit einige verächtliche Bemerkungen von gut bezahlten Politikern gegenüber Bürgern, die auf verschiedene Weise versuchen, ihre Interessen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. "Wutbürger" war so ein arroganter Begriff. Dabei können selbst Großprojekte sinnvoller, nachhaltiger und vor allem zielführender geraten, wenn Politik frühzeitig die Diskussion mit den Betroffenen sucht. Das ist bei den Planungen zur neuen B 87 sogar passiert. mehr…
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
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Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
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Am 22. April gab es nicht nur eine Einwohneranfrage - sondern gleich ein ganzes Bündel. Zeichen auch dafür, dass in der Leipziger Politik vieles gar nicht so klar ist, wie es sich die Akteure wohl denken. Eines der diffusesten Themen ist der Fluglärm. Auch nachts dröhnen die Flugmaschinen über Leipziger Stadtgebiet. Und keiner scheint zu wissen, warum sie das tun. Die "kurze Südabkurvung" soll's nach offizieller Auskunft nicht sein. mehr…
Das jährliche Kolloquium "Neue Forschungen zur ägyptischen Kultur und Geschichte" versammelt am Donnerstag, 23. Mai, Nachwuchswissenschaftler und gestandene Forscher der Universitäten, ägyptischen Museen und Akademien von Leipzig und Berlin zum Austausch über aktuelle Erkenntnisse und Fortschritte von Projekten. Zu der zum 42. Mal stattfindenden Veranstaltung (seit 1971) findet als Festvortrag die 24. Siegfried-Morenz-Gedächtnis-Vorlesung statt. mehr…