Das Okkulte in der Kunst: Kunstraum D21 ist schwarzen Geheimnissen in einer Ausstellung auf der Spur
Daniel Thalheim
14.07.2011
Suzanne Treister, "Hexen 2039" / Diagramm, Tusche auf Papier, 2006.
Bild: Kunstraum D21
Wie schwarz muss Kunst sein, um als "okkult" zu gelten? Entweder prangen kitschige Bilder von Beelzebub, Satanas und derlei Ungestalten auf zahlreichen Heavy-Metal-Plattencover-Hüllen. Oder die Bilder sind so intellektuell beladen, dass sie kaum einer zu entschlüsseln vermag. Das Dunkle hat Künstler schon immer fasziniert. Nun geht der Kelch an den Kunstraum D21 in Lindenau. Dort heißt es ab kommende Woche "The True Artist Helps the World by Revealing Magick Truths".
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Wer kennt nicht das Bild vom eingeschlossenen Akademiker, der über seine Bücher und Geräte "faustisch" grübelt - und meint, Gold herstellen zu können? Der Künstler August Strindberg (1849 - 1912) unternahm bis zu seinem Lebensende Versuche, Gold aus Licht mit fotografischen Mitteln zu gewinnen. Eigentlich auch ein Versuch des okkultischen.
Die Künstler Craig Baldwin, Bo Christian Larsson, Alice Cannava vom Occulto Magazine, Johan Thom, Suzanne Treister und Peter Wächtler finden sich in einer spannend klingenden Ausstellung vom 21. Juli bis 21. August 2011 in der Kunstgalerie in der Demmeringstraße ein, um sich mal mit der dunklen Seite der Macht auseinanderzusetzen. "Ich glaube, dass starke Gefühle als Ergebnis ästhetischer Erfahrung ein sehr wichtiger Teil meines kreativen Prozesses sind. Die Betonung von Gefühlen wie Angst und Schrecken – das sind Gefühle, die man erfahren kann, wenn man mit der direkten Bedeutung meiner Arbeiten konfrontiert wird", hat einst der schwedische Künstler Bo Christian Larsson gesagt - fasziniert vom Dunklen und Abseitigen.
Suzanne Treister, "Hexen 2039" / Diagramm/MI5, Tusche auf Papier, 2006.
Bild: ensemble.va.com.au/Treister
Mit "okkulter Kunst" hat das nicht viel zu tun. Heißt "Okkultismus" nichts anderes als dass man etwas im Verborgenen praktiziert. Diese Künstler stellen aus, gehen an die Öffentlichkeit mit ihren Bildinhalten. Aber gedanklich und inhaltlich gehen sie in die Vollen - ins okkulte - nicht beschwörerisch, sondern künstlerisch. Es wird im Kunstraum D21 keine Ritualkunst gezeigt.
Geisterbeschwörungen und dergleichen mehr finden sich eher in Filmen, Romanen und Bildwerken wieder. Stummfilmklassiker wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1919) und "Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920) sollen mit okkultistischen Motiven spielen. Friedrich Wilhelm Murnau und Albin Grau waren damals als überzeugte Okkultisten bekannt, waren an der Produktion des Vampirklassikers "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" (1922) beteiligt. Sogar Maler wie Wassily Kandinsky, Max Ernst, Piet Mondrian, Paul Klee, Hans Arp und weitere ließen sich vom dunstigen Begriff "Okkultismus" beeinflussen.
So auch bei den Künstlern in der kommenden Ausstellung in der D21? Die Ausstellungsmacher offerieren: "Unterschiedliche Positionen zeitgenössischer Künstler gehen in der Ausstellung 'The True Artist Helps the World by Revealing Magick Truths' dem Okkulten in der Kunst und den Spuren okkulten Denkens in der Gegenwart nach."
Wie das aussieht, zeigt der Kunstraum ab den 20. Juli bei der Vernissage um 19 Uhr, dann ab 21. Juli bis zum 21. August in den Kunsträumlichkeiten in der Demmeringstraße. Ausstellungskurator Michael Arzt verspricht eine vielfältige Darstellung von Künstlerpositionen, wo die Beschäftigung mit verborgen und verloren geglaubten afrikanischen Riten ebenso eine Rolle spielt, wie das Aufspüren längst vergessener Gesellschaftsbilder fernab von Spinnerei und Ammenmärchen über Gespenster.
Viel eher verbirgt sich laut Arzt hinter der Ausstellung der Kosmos der Sozialgeschichte des Okkulten, die so weit zurück reicht wie die Menschheit besteht. Und dass Künstler faszinierende und freiheitliche Gedanken in anderen Feldern spannend finden, drängt sich Okkultismus als freiheitlich-gedankliches Prinzip förmlich auf. Die Welt wird einfach durch eine andere Perspektive betrachtet, und das gar nicht im historischen Kontext - alt, verstaubt und nachahmend - sondern neu und frisch.
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