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Okkulte Kunst eröffnet: Kunstraum D21 lockt mit Inhalten statt Kitsch

Daniel Thalheim
"Violence is golden", von Bo Christian Larsson (2009).
"Violence is golden", von Bo Christian Larsson (2009).
Foto: Daniel Thalheim
Man kann es plakativ tun, oder sorgfältig. Okkultismus hat viele Künstler beschäftigt - mal mehr mal weniger flach ihre Ausdruckskraft dabei. Hat es schon jemand mal mit Ironie getan, oder mit Nachdenklichkeit? Mit Sicherheit! Kunstraum D21 in Lindenau zeigt verschiedene künstlerische Positionen zum Thema Okkultismus. Ganz ohne Handkante geht es aber auch hier nicht.

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Wer Heavy Metal erwartet, umgedrehte Pentagramme und Hexensabbate, der wird schnell enttäuscht sein von der aktuellen D21-Kunstraumausstellung in der Demmeringstraße nahe Lindenauer Markt. Bei "The true artist helps the worls by revealing magick truths" geht es weit mehr, als den düsteren, oberflächlichen Eindruck.

Der lange Ausstellungstitel sagt aus, dass nur der wahre Künstler die Welt der magischen Wahrheiten enthüllen kann. Und das tun nun seit der gestrigen Eröffnung bis zum 21. August Peter Wächtler, Alice Cannava vom Occulto Magazine, Bo Christian Larsson, Johan Thom, Suzanne Treister und Craig Baldwin.

Kurator Michael Arzt hat diese Künstler wortwörtlich aus aller Welt zusammen getrommelt, auf dass sie quasi international zum Thema "Okkultismus" Auskunft geben, und natürlich fragen wie viel Magie in zeitgenössischen Abläufen, Ereignissen und Gegenständen steckt. Der künstlerische Leiter des Kunstraums, welcher im Mai diesen Jahres seinen fünften Geburtstag gefeiert hat, ist schon seit 2008 an diesem Ort und betreut so viele Ausstellungen. Ob über die weltweiten Militärflüge, Facebook-Eintragungen von GIs, die in Leipzig auf den Weiterflug nach Irak warteten und über das umstrittene US-Gefangenenlager Guantanamo im Jahr 2008. "Netze des Krieges" hieß sie.

Der Gäste-Blick zum Videohimmel: "Mock up on a Mu", von Craig Baldwin (2008)
Der Gäste-Blick zum Videohimmel: "Mock up on a Mu", von Craig Baldwin (2008)
Foto: Daniel Thalheim
Als alles hier anfing, erzählt Arzt gestern eher mit Augenzwinkern, wurde der Kunstraum von "arbeitslosen Studenten und Alleinerziehenden" betrieben. Das ambitionierte Ziel war es damals, internationale Kunst nach Leipzig zu bringen, weil sich damals noch alle Welt auf die "Neue Leipziger Schule" stürzte und jedermann wie Neo Rauch malen wollte. Nach dieser Aufbruchszeit gibt es nun drei bis vier Ausstellungen im D21 pro Jahr.

Und die aktuelle "The true artist helps the worls by revealing magick truths" startete am 20. Juli mit großer Besucherbeteiligung. Für diese Ausstellung muss man sich Zeit nehmen. Handzettel liegen aus, auch über die Künstler und ihr Wirken. Hier wird alles erklärt, das D21-Team steht jedem Besucher für Fragen zur Verfügung.

Laut Ausstellungsleiter Arzt macht man es sich zu einfach, wenn man Okkultismus mit Gläserrücken, Ammenmärchen und Spinnerei abtut. Die Künstler wollen wertungsfrei auf die "magischen" Phänomene zugehen, um dabei einen recht faszinierenden Sozialraum dahinter entdecken. "Wunschbilder, Projektionen, vergessenes, verdrängtes und altertümliches Wissen, Sehnsucht nach alternativen Lebensweisen bündeln sich hier", so Arzt weiter. Einige Exponate beschäftigen sich mit Parallelgeschichten zur herkömmlichen Geschichtsschreibung - Parallelen zu Hollywood. "Es geht auch um die okkulten Moden der vergangenen hundert Jahren wie Spiritismus und Gläserrücken und was die Künstler daran fasziniert hat, um eine neue Kreativität zu erzeugen."

Besucherandrang zur Vernissage.
Besucherandrang zur Vernissage.
Foto: Daniel Thalheim

Die aktuelle Ausstellung fragt wie es jetzt ist mit dem Okkultismus in der Kunst und wie gehen die zeitgenössischen Künstler an das Thema heran, so Arzt weiter zur Motivation. "Peter Wächtler ist ein Rollenbeobachter, wenn es um Esoterik heutzutage geht", erzählt Michael Arzt. "Das Occulto Magazin ist ein Denk- und Arbeitsraum zwischen Wissenschaft und Kunst und auch mal Zusammenhänge herzustellen versucht wo keine zu finden sind." Arzt lächelt. Zwei in Berlin lebende Italienerinnen geben das Magazin heraus und haben ein weltweites Netzwerk zu Künstlern aufgebaut. Interessant hier der Zusammenhang zwischen Technik und Geistererscheinungen. Immer wenn eine technische Neuerung erschienen war, wurde es zum Aufspüren von Geistererscheinungen genutzt, wie einst schon das Aufnehmen von Stimmen mit Tonbandgeräten.

Die visuelle "Handkante" ist eine mit Holzkreuzen bespickte Holzkate. Assoziationen zu Vampirpfählung kommen da schnell auf. Das ist es aber nicht, was der Künstler in die Gehirne pflanzen möchte. Zur mit Kruzifixen gepfählten idyllischen Hütte von Bo Christian Larsson sagt Arzt, dass das Gemütliche, Heimische des Zuhause gestört ist und dass Glaube selbst auch Bedrohung sein kann. Ein entstelltes Porträt der Hollywood-Diva Greta Garbo prangt an der Wand dahinter, und im schwarzen Nachbarraum wartet die Installation von Craig Badwin auf die Gäste, die es sich auf dem Boden gemütlich machen und zum Himmel starren können. Dort flimmert ein Video mit allbekannten Filmversatzstücken und Soundtracks.

Hier geht es um Waffen, Psychologie, Raketenforschung und Geheimdienste. Aber auch um freimaurerische, satanistische und esoterische Zusammenhänge werden hergestellt. Bis zum 21. August können Besucher staunend feststellen, dass hinter dem sonst so plakativ anmutenden Begriff "Okkultismus" ein riesiger Komplex aus Zusammenhängen entsteht, der den modernen und technikbegeisterten Menschen immer noch in alten Glaubensvorstellungen zeigt. Und dabei dick unterstreicht, dass der Weg ziwschen dem steinzeitlichen Höhlenmensch und dem heutigen Homo technikus soweit letztlich nicht ist. Oder wer erschrickt nicht, wenn es in der Nacht in der Wohnung poltert und glaubt, jemand befände sich in den heimischen vier Wänden? Dabei war es ja nur der Besen, der umgefallen ist, vielleicht auch nicht.

Außerhalb des jährlichen Ausstellunsgreigens hat der Kunstraum die D21 Lab parat, wo Künstler eine Laborausstellung kreieren. Zudem gibt es auch die D21 Experimentalfilmreihe mit "sperriger Filmkunst" als Schwerpunkt. Zwei Ausstellungspublikationen und gedruckte Dokumentationen "Thanks for sharing" und über den vergessenen Enfant terrible der DDR-Kunstszene Klaus Hähner-Springmühl gibt es auch bei der D21 zu sehen und zu kaufen. "The true artist helps the worls by revealing magick truths" ist also "nur" der aktuelle Hingeher für Kunstfreunde mit Köpfchen und Interesse.

Kunstraum D21 Online
www.d21-leipzig.de


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