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Von Angesicht zu Angesicht: MdbK mit großer Max-Beckmann-Schau und einem Geschenk

Daniel Thalheim
Ab 17. September im MdbK: Porträtbilder von Max Beckmann.
Ab 17. September im MdbK: Porträtbilder von Max Beckmann.
Foto: Daniel Thalheim
Er ist einfach ein großartiger Künstler, so MdbK-Direktor Hans-Werrner Schmidt. Für eine Ausstellung wie diese braucht es keine Eckdaten wie Geburt oder Tod. "Von Angesicht zu Angesicht" ist die vierte Ausstellung in Leipzig zu einer der zentralen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts neben Max Ernst, Pablo Picasso und Paul Klee. Eine reine Porträtausstellung zu Beckmann gab es zuletzt 1964. Grund genug für eine Überraschung.

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Wenn heute zum 16. September die neue Beckmann-Ausstellung eröffnet wird, schauen die erstaunten Kunstinteressierten auf eine Fülle von Porträtwerken des 1884 in Leipzig geborenen Künstlers. 58 Gemälde und 160 Skizzen, Studien und Druckgrafiken lassen ein Freundesnetzwerk Revue passieren, wie es vielleicht nur ein solches im sozialen Netzwerk wie Facebook in einem niedrigen Level gleich kommen könnte. Ein "Facebook" ist die Ansammlung an Kunstwerken mit den Gesichtern aus Max Beckmanns Leben nicht. Dafür ist "Von Angesicht zu Angesicht" zu wertvoll.

Direktor Hans-Werner Schmidt betont, dass die Ausstellung nur im Tandem aus großzügiger Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig möglich ist, woran sich noch ein Grüppchen weiterer Sponsoren wie die Kulturstiftung der Länder, der Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung, die Förderer des Museums der bildenden Künste Leipzig, Bürgerstiftung Leipzig und Freundeskreis Max Klinger e.V. Beckmann-Enkelin Mayen Beckmann unterstützte die Ausstellung sowie die Autoren des 400 Seiten starken Ausstellungskatalogs beim Zusammenstellen des biografischen Lexikons.

Eine ganze Lebensspanne Bilder - Beckmann in Leipzig.
Eine ganze Lebensspanne Bilder - Beckmann in Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim

In dieser Zusammenarbeit ist die Ausstellung ein ganz dicker Brocken, formuliert Frank Steinmeier (Sparkasse Leipzig) es ein wenig flapsig, der am Vormittag des 16. September in trauter Presserunde auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung vertritt. "Wir als Sparkassenorganisation sehen uns in der Pflicht und haben uns gesagt..., dass wir dieses Ausstellungsprojekt begleiten." Steinmeier ist überzeugt, dass diese Ausstellung in die Stadt hineinstrahlt, oder wenigstens über die Stadtgrenzen hinaus strahlt. Denn Beckmann-Ausstellungen wie diese gibt es nicht wie Sand am Meer. Man erhofft sich ganz viele Besucher, die in Leipzig mehr sehen wollen als nur eine Armutshauptstadt Sachsens.

Steinmeier fragt: "Kann Kultur und Kunst zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen?", und gibt in etwa die Formulierung des sächsischen Wirtschaftsministers Sven Morlok (FDP) wieder als er 2010 als Schirmherr der Leipziger Jazztage ähnliches von den Jazztagen erhofft hat. Die Wahrheit liegt wohl eher in der reichhaltigen Kreativwirtschaft, die in Leipzig prekär vor sich hin dümpelt und nicht bei großen Förderleuchttürmen wie eine Beckmann-Ausstellung alle Jahre in Leipzig. Steinmeier verweist auch gleich in eigener Sache auf die kommende Bilderschau in der Leipziger Kunsthalle der Sparkasse hin, die "Saxonia Paper - Zeichnungen in Sachsen" heißt und auch Beckmann-Zeichnungen zeigt.

Über 200 Werke noch bis zum 22. Januar 2012 im Museum der bildenden Künste.
Über 200 Werke noch bis zum 22. Januar 2012 im Museum der bildenden Künste.
Foto: Daniel Thalheim

"Es gibt bis heute kein Haus in Leipzig, dass eine Gedenkplakette trägt", erzählt MdbK-Direktor Hans-Werner Schmidt wissend über Beckmanns Wohnorte in der Messestadt und fügt hinzu: "Das rührt daher, dass die Familie Beckmann in 17 Jahren 13-mal den Wohnort gewechselt hat. Aber bitte jetzt nicht an Mietnomaden denken, man war eher an einer jeweils besseren Adresse interessiert." Immerhin konnte sich Beckmann am Geruch der Pelzwarenmeile am Brühl erinnern - und das dürfte kein angenehmer gewesen sein, wenn schon Lexikonbeiträge auf starke Gerüche von Iltis, Marder & Co. hinweisen. Aber Schmidt will auf etwas anderes hinweisen: Beckmann schien es auch im späteren Leben immer umher zu ziehen, sei es nach Weimar, Frankfurt am Main, Amsterdam, und New York. Stets den Duft von Leipzig in der Nase - vielleicht das der Grund, warum nur seine Werke in die Messestadt gekommen sind, aber zu Lebzeiten nicht er selbst.

Max Beckmann, Quappi in Blau, 1926, Pinakothek der Moderne München.
Max Beckmann, Quappi in Blau, 1926, Pinakothek der Moderne München.
Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2011
So viele Städte er besuchte, so viele Menschen traf Beckmann in seinem Leben, die er porträtierte. Dabei konnte es schon mal vorkommen, dass ex-Geliebte in Höllengemälden auftauchen oder das Gesicht von seiner Lieblingsgeliebten Mathilde "Quappi" Kaulbach aufgesetzt bekamen. Weshalb wohl der heutige Tag noch ein wenig länger nachhalöen wird, ist die Überraschung, welche die Beckmann-Enkelin Mayan Beckmann dem Museum der bildenden Künste beschehrte. Sie überließ vor wenigen Stunden dem Leipziger Ausstellungshaus das Bild Quappi von Max Beckmann als Schenkung. Irgendwie nicht ganz falsch, angesichts des hohen Interesses am Maler in der Messestadt.

Jedenfalls haben es die Leipziger ziemlich gut erwischt mit Max Beckmann. Vier Ausstellungen über den Maler hat es seit 1984 in der Messestadt gegeben: 1984 zum hundertsten Geburtstag des Meisters mit einer klitzekleinen Werkschau auf Initiative des DDR-Malerstars Bernhard Heisig. 1990 gab es im ehemaligen Reichsgerichtsgebäude, das zu DDR-Zeiten Georgi-Dimitroff-Museum genannt wurde, eine weitere, groß angelegte Bilderschau. 1998 die vorerst letzte Ausstellung mit der Einbringung der Sammlung von Mathilde Kaulbach.

"Wir wissen alle, wenn man die letzten vier Dekaden der Museumslandschaft Revue passieren lässt, gab es große Retrospektiven wie 1984 in München und in Berlin. Es gab viele thematische Ausstellungen wie 'Beckmann und das Meer', 'Beckmann in Baden-Baden', ... aber das Porträt ... gab es das letzte Mal 1964 im badischen Kunstverein in Karlsruhe", ergänzt Schmidt die Fakten, um die Wichtigkeit der aktuellen Ausstellung hervor zu heben. Beschäftigt hat die Ausstellungsmacher die Geschichten hinter den Gesichtern. "Was ist das Who-is-Who in Beckmanns Leben?", sagt Schmidt zum Kosmos der Beckmannschen Beziehungen, die sich in Vorskizzen, Zeichnungen und vollendeten Gemälden niederschlagen.

Über 200 Werke zeigt das Museum der bildenden Künste bis zum 22. Januar 2012 in "Von Angesicht zu Angesicht". Die Geschichten dazu gibt es im dazugehörigen Ausstellungskatalog auf 400 Seiten nachzulesen. Weitere thematisch verwandte Ausstellungen begleiten als Trabanten den großen Beckmann: Künstlerporträts von Barbara Klemm gibt es im MdbK-Kabinett bis zum 23. November zu sehen, abstrakte Formen im Rosenkranz Kubus des MdbK von Imi Knoebel bis zum 26. Februar 2012.

Erweitert wird "Von Angesicht zu Angesicht" im "Beckmann Dialog" mit Werken von Marlene Dumas und Alex Katz. Zusätzlich gibt es noch ein museumspädagogisches Programm für Kinder, das "Quappi, Ugi, Butshy" heißt samt Beckmann-Werkstatt, Workshops, Schulangeboten, Führungen und Kreativwerkstatt. Im "Beckmann Spezial" gibt es Vorträge, Gespräche, Lesungen, u.a. von Schauspielerin Corinna Harfouch, Wolfgang Krause-Zwieback und Heinrich-George-Sohn Jan George.

Museum der bildenen Künste Online
www.mdbk.de


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