Blauverschiebung: Internationales Performancefestival geht haarig und blutig in Leipzig zu Ende
Daniel Thalheim
09.10.2011
Heilprozesse im Dunkeln: Blauverschiebung-Highlight "La Promenade du Sceptique".
Foto: Daniel Thalheim
Es ist bereits das vierte Mal, dass "Blauverschiebung" in Leipzig stattfindet. Die Galerie KUB war am Samstag Austragungsort interessanter Darstellungen. Performancekunst greift in die Realität ein. Viele junge Leute ließen sich verführen und in die Geschichten hineinziehen. Galeristin Franziska Eißner erzählt über das kleine aber feine Stück Szenekultur. Am heutigen Sonntag ist die "Blauverschiebung" vollendet worden.
Anzeige
Seit Donnerstag konnten Kunstinteressierte in der Galerie KUB, naTo und Cammerspiele Leipzig sehen, was Performance ist. Am gestrigen Samstag hatten u.a. Eva Weingärtner, Vera Stenke und Andrea Pagnes ihre großen Momente. Zum Sonntag endet das 4. Internationale Performancefestival in Leipzig. Nichts wurde eingeübt, alles frei improvisiert, so KUB-Galeristin Franziska Eißner. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Artpa-Vereins hat sie wieder das Internationale Performancefestival in Leipzig gestemmt. Am Nachmittag des 8. Oktober haben Performance-Liebhaber ganz besondere Darbietungen gesehen.
Verpasst hatten Leipziger auch so einiges. "Am Freitag hatten wir sieben Performances - in der naTo, in den Cammerspielen, in der KUB". berichtet Eißner. Ihr Eindruck vom Freitag und Samstag war "wunderbar". Sie weiß, dass "Blauverschiebung" traditionell mit ein paar weniger Leuten beginnt, sich aber von Ort zu Ort steigert. Zumindest am Freitag ist es so gewesen. "Viele haben zum ersten Mal Performance gesehen. Dadurch, dass alle Performances sehr gut waren, gab es durchweg positive Resonanzen." Angefangen hat alles mit dem Abendmahl am Donnerstag, doch der Freitag startete mit der künstlerischen Darbietung des polnischen Künstlers Artur Grabowski durch. Ungewöhnlich hier: Grabowski lag zum Schluss auf einem Tisch, dessen Tischbeine er selbst mit einer Kettensäge auf der Platte liegend zerkleinerte. Das Ganze wurde in Folie verpackt und in der KUB ausgestellt. "Eigentlich kann man die Performances schwer erklären - man muss sie gesehen haben", weiß Eißner.
Geteiltes Rinderherz in "La Promenade du Sceptique".
Foto: Daniel Thalheim
Am Samstag hat sich Eva Weingärtner an den deutschen Künstler Markus Lüpertz heran gewagt. Weingärtner sagt von sich, dass sie als Künstlerin eine Schauspielerin ist. Nur sie selbst und ein TV-Gerät stehen im Raum, der eine Videoaufnahme von einem Interview mit Lüpertz zeigt. Weingärtner spricht fast synchron die Antworten des Künstlers nach. Ein erhellender Moment für viele, die mitunter auch zu lachen beginnen. Grund: Lüpertz erzählt philosophischen Kopfsalat und Gedankenblasen, die keinen Sinn ergeben. Erst durch die Performance wird das deutlich, so Eißner. Die Wormserin bekommt am Ende viel Applaus für ihren kritischen Blick auf die Selbstproduktion von Künstlern, die eigentlich nicht viel zu sagen haben.
Eißner erklärt, warum diese Performance am Samstagnachmittag als erstes gezeigt wurde: "Wir als Galerie sind der Meinung, dass Performance aus der bildenden Kunst kommt, auch wenn jetzt viele Durchmischungen wie dem Tanztheater-Genre geschehen. Performance ist aus einer Bewegung entstanden, die sich bewusst von Tanz und Theater abgrenzte." Aus der Kunstgeschichte weiß man, dass schon die Dadaisten und Surrealisten wie Max Ernst und Salvador Dali sich der Performance bedienten, um etwas auszudrücken. "Performancekunst wird nicht wirklich geprobt, entsteht spontan und ist auch stark vom Publikum abhängig."
Wie sehr das zutrifft, zeigt eine andere Darstellung eines Paares aus Italien und Deutschland. Verena Stenke und Andrea Pagnes haben sich in einem abgedunkelten Raum platziert, während sich die Gäste vorsichtig hinein bewegen. Nur mit wenigen Taschenlampen ausgestattet, eröffnet sich eine Szenerie eines an der wand stehenden Mannes, in einer Ecke sitzenden halbnackten Frau, die mit Bücherseiten bekleidet ist und raschelt. In der Mitte ein Glasscherbenhaufen.
"La Promenade du Sceptique" heißt das Kunstwerk, in dem Mann und Frau langsam und sicher aufeinander zugehen, sich finden und auch blind vertrauen. Doch der Weg dahin ist blutig, schmerzhaft. Zerbrechlich wirken beide Menschen, während die Frau mit Stöckelschuhen auf den Glasscherben stakst, der Mann barfuß auf ihnen balanciert. Da schaut so mancher auch mal weg, wenn ein langer, echter Schnitt auf die Haut gemacht wird. Interessierte Blicke auch als der Mann sich symbolisch die Haut abzieht und auf rostige Nägel hängt. Die intensive Performance vollzieht sich fast still, außer der Mann schnauft bei den mitunter anstrengenden Bewegungen, während unter ihm das Glas knirscht.
Darstellungen wie diese sind so intensiv, dass weder Videos, Fotos und Beschreibung annähernd das wiedergeben können, was an Stimmungen und die Raumwirkung auf die Betrachter einströmt, weiß Eißner aus Erfahrung. Zu Verena Stenke und Andrea Pagnes erzählt die Galeristin, dass beide Künstler Global Player sind. "Sie sind ständig unterwegs. Zerbrechliche Gegenstände und Situationen sind wahrscheinlich die Themen der beiden. Sie arbeiten mit dem Körper, mit dem Raum, wie man es gerade eindrucksvoll sehen konnte. Das Publikum ist da auch wesentlich involviert gewesen. Für mich war 'La Promenade du Sceptique' eines der stärksten Performances, die ich gesehen hatte."
Natürlich kann Gedanken austauschen oder die eigenen still mit nach Hause tragen. Denn so Eißner: "Man muss auch sagen, dass man nicht jedes Stück interpretieren sollte. Bei Publikum und Künstlern geht es auch ums Erleben und den Augenblick. Natürlich kann man anhand der verwendeten Symbolik viel interpretieren wie bei 'La Promenade du Sceptique' das geteilte Rinderherz, die Glasscherben, die Personen, dann die Einheit der beiden Darsteller und das Vertrauen zueinander."
Die Thematisierung zwischenmenschlicher Verwerfungen des auch im "normalen" Leben liierten Pärchens Verena Stenke und Andrea Pagnes in "La Promenade du Sceptique" endet jedenfalls in lang anhaltendem Applaus. Während auf dem Hof der KUB das Besteck klappert, weil ein großer Topf selbstgemachte Tomatensuppe zum Schmaus einlädt, empfängt schon der norwegische Künstler Kurt Johannessen die ersten Gäste, und erklärt ihnen, warum er Haare sammelt. Der gesamten Veranstaltung ist nicht nur die Wiederkehr im kommenden Jahr, sondern auch eine wachsende Interessentenschar zu wünschen.
Die Reihe "Recht auf Stadt" erlebt am 31. Mai eine weitere Auflage. Die zweite Veranstaltung, diesmal im Werk 2, dreht sich dabei rings um Fragen moderner Stadtentwicklung und die Rolle aller Beteiligten dabei. Diesmal unter dem Motto: "Kapitalanlage - Von Investoren-UFOs und Stadtteilzentren". mehr…
Flotte Sprüche, schwarze Business-Anzüge, dunkle Sonnebrillen. Die "Men in Black" sind nach zehn Jahren Leinwandabstinenz zurück. Im dritten Teil des SciFi-Franchise reist Will Smith ins Jahr 1969, um seinem Partner Tommy Lee Jones das Leben und die Menschheit vor einer vernichtenden Alien-Invasion zu retten. mehr…
Mit dem Sieg bei Fortuna Chemnitz hat der 1. FC Lok sein Saisonziel erreicht, steigt als Sechster in die neue Regionalliga auf. Geplant war alles ein wenig anders. Eigentlich sollte es der dritte Platz werden, eigentlich sollten die Neuzugänge einschlagen und von einem Trainerwechsel war vor der Saison auch nicht die Rede. Ein Saisonrückblick. mehr…
„Mut zu machen, dass wir Zeichen gegen Willkür und Gewalt setzen können“. Das ist für die in Berlin lebende Filmemacherin Karin Kaper die Botschaft ihres Filmes „Aber das Leben geht weiter“. Es geht um die - authentische - Vertreibungsgeschichte der Familien Queißer und Zukowscy, die in einem Bauernhof bei Görlitz aufeinander treffen. Ein L-IZ-Interview. mehr…
Das Fazit der "Frankfurter Rundschau" war am Ende eindeutig: Was da am Wochenende in Frankfurt zu erleben war, war ein Sieg für die Blockupy-Bewegung. Die Stadt Frankfurt selbst blamierte sich mit ihrem martialischen Großaufgebot an Polizei gründlich, mit ihrer Argumentation gegen vermeintliche "Linksextremisten" sowieso. Ein weiterer Versuch, die berechtigte Kritik der Demonstranten an der Erpressungspolitik gegenüber Griechenland zu diskreditieren. mehr…
Der Schatten über Leipzigs Verwaltung wird größer: Der Sonderprüfbericht über die sogenannten herrenlosen Häuser zeigt deutlich, welches Fehlverhalten im Rechtsamt seit über 15 Jahren alltägliche Praxis war. Getreu nach dem Motto „Mein Name ist Hase und ich weiß von nichts“ weist die Verwaltungsspitze aber die Vorwürfe von sich, bereits durch frühere Berichte den Missstand erkannt haben zu können. Aber das ist ja auch logisch, wenn die Berichte ungelesen beiseite gelegt werden. mehr…
Es passte natürlich. Am einen Ende der Straße erklärte Baubürgermeister Martin zur Nedden den wissbegierigen Journalisten, warum die Stadt jetzt auffällige Piktogramme neben die Blindenleitstreifen in der Grimmaischen Straße malen lässt - und 100 Meter weiter stand ein Blumentransporter drauf und ein DHL-Auto parkte mal kurz. Es geht wohl nicht wirklich um die Leitstreifen im Pflaster. Es geht wohl mehr um die tägliche Gedankenlosigkeit der Eiligen. mehr…
Am Samstag, den 26. Mai 2011 findet auf dem Sportcampus Jahnallee das alljährliche Internationale Kinderfest der Studentischen Eltern Leipzig e.V. statt. Das Fest für Leipziger Familien wird von Engagierten vieler internationaler Vereinigungen wie dem Zentrum für europäische und orientalische Kultur (ZEOK) und der Capoeira-Gruppe mit verschiedensten Aktionen getragen. mehr…
Die Fotoausstellung "Es ‚messet’ wieder." ist Teil des Pilotprojekts „Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“ im Rahmen der Forschungsförderung „Geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung“ des Freistaates Sachsen. Die Studenten und Wissenschaftler des Fachbereichs Buchwissenschaft an der Universität Leipzig erforschen seit dem Wintersemester 2009/10 die vom Stuttgarter Stammverlag zur wissenschaftlichen Erschließung zurückgeführten Archivdokumente des Leipziger Parallelverlagsteils. mehr…
Die LVB planen für August 2012 eine weitere Erhöhung der Fahrpreise. Ein Einzelfahrschein wird zum Beispiel 20 Cent mehr kosten. Insgesamt werden die Tarife um rund 10 Prozent erhöht. Die Grüne Hochschulgruppe kritisiert diese Entwicklung scharf. Sie sieht die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs gefährdet und findet, Busse und Bahnen sollten für alle bezahlbar bleiben. mehr…
Wagner ist Leipziger. Irgendwie schon. Am 22. Mai 1813 hier geboren. 1834 fortgegangen Richtung Würzburg. "Als fertig ausgebildeter Komponist", betont Thomas Krakow, Wagner-Beauftragter der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender des Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. Wagner-Beauftragter ist er, weil Leipzig 2013 im Mittelpunkt steht, wenn der 200. Geburtstag des kleinen Wilhelm Richard Wagner gefeiert wird. mehr…
Im Rahmen einer Tournee zu ihren Schwesternhochschulen in Aachen, Mainz und Hannover macht die Big Band der Hochschule für Musik und Tanz Köln auch Station in Leipzig. Sie tritt am Mittwochabend, 23. Mai, in der Hochschule für Musik und Theater, Grassistraße 8 auf. Gespielt werden zwei Kompositionen des Big-Band-Leiters Joachim Ullrich: „No Better Blues Suite“ und „Second Crime Suite“, die die Band in der letzten Phase erarbeitet und aufgenommen sowie in zwei Konzerten in Köln präsentiert hat. mehr…
"agra - Brücke B2. Und wie weiter?" Unter dieser Überschrift lädt die Arbeitsgruppe Landschaftspflege des Grünen Ringes Leipzig am Mittwoch, 23. Mai, in den Kleinen Lindensaal des Rathauses Markkleeberg ein. Verschiedene Planungen für den Bereich der agra sollen näher vorgestellt, näher beleuchtet und mit allen Beteiligten diskutiert werden. mehr…
Annaberg ist eigentlich nur die halbe Stadt. Annaberg-Buchholz heißt die Doppelstadt an der Sehma seit 1945. Die Sehma war 1497 noch Landesgrenze zwischen dem ernestinischen und dem albertinischen Sachsen, als die Neustadt am Schreckenberg gegründet wurde, die ab 1501 Annaberg hieß. Der Grund für die Gründung mitten im wilden Erzgebirge: das Erz natürlich, das große Berggeschrei, das genau von hier aus losging 1491. mehr…
Der Schatten über Leipzigs Verwaltung wird größer: Der Sonderprüfbericht über die sogenannten herrenlosen Häuser zeigt deutlich, welches Fehlverhalten im Rechtsamt seit über 15 Jahren alltägliche Praxis war. Getreu nach dem Motto „Mein Name ist Hase und ich weiß von nichts“ weist die Verwaltungsspitze aber die Vorwürfe von sich, bereits durch frühere Berichte den Missstand erkannt haben zu können. Aber das ist ja auch logisch, wenn die Berichte ungelesen beiseite gelegt werden. mehr…