50 x Mendelssohn: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig zeigt Schätze und Überraschungen aus der Sammlung Elvers
Daniel Thalheim
21.11.2011
50 x Mendelssohn: Kuratorin Kerstin Sieblist mit einem Mendelssohn-Autograph vor der "Elvers-Zimmerwand":
Foto: Daniel Thalheim
Den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy ja kann man fast als Sohn dieser Stadt bezeichnen. Der Komponist und Gewandhauskapellmeister hat viele Verehrer. So auch Rudolf Elvers, der seine Sammlung an das Leipziger Stadtgeschichtliche Museum übertragen hat. Mit einer kleinen Kabinettsausstellung würdigt das Museum den kürzlich verstorbenen Mendelssohn-Forscher und seine Exponate.
Anzeige
Wie wichtig die Neuerwerbung für Leipzig ist, erklärten am schonen Montagmorgen, 21. November, zwei Damen den Medienvertretern im Böttchergässchen 3. Doris Mundus, Kuratorin Stadt- und Landesgeschichte und stellvertretende Direktorin, und Ausstellungskuratorin Kerstin Sieblist erzählten der Presse, was es mit Rudolf Elvers und seiner 1.000 Exponate umfassenden Sammlung auf sich hat. Die neue Ausstellung, die am 22. November um 16 Uhr mit einer feierlichen Eröffnung durch Museumsdirektor Dr. Volker Rodekamp und Prof. Wolfgang Dinglinger, Dekan der Fakultät Musik an der Universität der Künste Berlin startet, heißt "50 x Mendelssohn - Die Sammlung Rudolf Elvers".
Mit großem Bedauern teilte Doris Mundus mit, dass der Sammler Rudolf Elvers am 23. Oktober verstorben ist. Der 1924 in Plau am See in Mecklenburg geborene Musiker war von 1967 bis 1988 Leiter des Mendelssohn-Archivs in Berlin und hat als Publizist die Initialzündung für die Mendelssohn-Briefausgabe mit der ersten Veröffentlichung dieser Art 1968 eingeleitet. Von 1979 bis 2003 war Elvers Mitherausgeber der Mendelssohn-Studien. Seit seiner Pensionierung 1988 widmete sich der Mendelssohn-Kenner seiner privaten Sammelleidenschaft.
Rudolf Elvers (1924 - 2011).
Foto: Daniel Thalheim
Seine Sammlung umfasst über 1.200 Stücke aus dem Besitz Mendelssohn Bartholdys, die bereits im März dieses Jahres Leipzig erreichte. Doch nur 50 Exponate werden ausgestellt. "Es ist im Nachhinein, als wäre diese Übergabe sein Vermächtnis", sagt Doris Mundus den Pressevertretern. Von der großen Sammlung wird nur ein kleiner aber feiner Ausschnitt bis zum 8. Januar 2012 gezeigt.
Wie das Stadtgeschichtliche Museum zur Sammlung gekommen ist, scheint eine ganz "kuriose Geschichte" zu sein, wie Mundus es schildert. Der Vorsitzende des Leipziger Bibliophilen-Abend e.V. Herbert Kästner hatte Rudolf Elvers 2009 nach Leipzig eingeladen. Der Sammler sollte über seine Sammlung sprechen. Am 3. Februar 2009 wurde auch "Der Leipziger Mendelssohn" als Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum eröffnet, die von Mundus und Sieblist begleitet und kuratiert wurde. Damals hatte sich der Geburtstag des Komponisten zum 200. Mal gejährt. Es war Mendelssohn-Jahr.
Mundus erzählt, wie sie nach der offiziellen Ausstellungseröffnung ins Mendelssohnhaus gegangen ist, um Elvers zu treffen. Sie schildert wie der Mendelssohn-Forscher an einem Tisch saß und aus einer Tasche ein Stück nach dem anderen hervorholte und darüber detailreich eine Geschichte um die andere erzählte. Danach lud sie den zunächst skeptischen Experten ins Stadtgeschichtliche Museum ein. Dort schritt er kritisch die Ausstellung ab und zeigte auf die Ausstellungsstücke mit den Worten: Das kenne ich und das kenne ich. Am Ende war Elvers beeindruckt, weil Leipzig doch noch Dinge aus Mendelssohns Nachlass hatte, die er noch nicht besaß. "Diese Ausstellung ist ja besser als meine Sammlung", soll er 2009 gesagt haben. Mundus: "Das hatte den Ausschlag dafür gegeben, wohin er seine Sammlung abgibt."
Büsten, Bilder, Briefe und mehr: 50 x Mendelssohn zeigt Schätze udn kleine Überraschungen.
Foto: Daniel Thalheim
Ausstellungskuratorin Kerstin Sieblist kann nur bestätigen, dass Elvers von Leipzig und seiner Mendelssohn-Sammlung angetan war. Im März dieses Jahres übernahm das Museum in der Leipziger Böttchergasse Elvers' Sammlung für einen fünfstelligen Geldbetrag, über dessen genaue Höhe alle Stillschweigen gewahrt hatten. Alle wissen aber, dass die über 1.200 Stücke der Elvers-Sammlung weitaus mehr wert sind. Seine Sammlung besteht aus drei Teilen, erklärt Sieblist, zu denen er selbst Kataloge anfertigte. Eine Fachbibliothek zum Thema Mendelssohn gehört dazu, aber auch ein umfangreicher Musikalienteil mit seltene Ausgaben sowie Erstdrucke seiner Arbeiten. "Dann gibt es noch den Teil, auf den die meisten scharf waren - den Autographenteil", sagt Sieblist.
Wichtig war für Elvers, dass diese Teile zusammenbleiben und mit in die reguläre Museumssammlung integriert werden, betont Sieblist außerdem. "Der Autographenteil ist das Herzstück der Sammlung." Rund 380 Briefe und persönliche Aufzeichnungen umfasst dieser Abschnitt, darunter auch eine kleine Sensation: acht Briefe von Ehefrau Cécile Mendelssohn Bartholdy an ihren Mann Felix. Bisher dachte man in der Fachwelt, dass diese persönlichen Briefe vollständig vernichtet waren, weil es kaum vertrauliche Zeugnisse des Ehepaares gab.
Sieblist zeigt auf zwei ausgestellte Briefe, die Cécile an Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb. Das Lieblingsexponat von Rudolf Elvers war jedoch ein Brief vom Komponisten an seine Schwester Fanny Hensel aus dem Jahr 1835. Dieser fand in der Vitrine Platz, wohingegen andere Briefe und Zeichnungen des Meisters an die Wände gelangten. Jetzt weiß man auch, dass Mendelssohn mit der damals bekannten Künstlerwelt recht umfangreich kommunizierte.
Nicht nur ein begnadeter Komponist, sondern auch ein begabter Zeichner und Maler: Kerstin Sieblist vor der Elvers-Wand.
Foto: Daniel Thalheim
Eine Ausstellungswand ist aber etwas ganz besonderes. Diese Fläche ist fast so gestaltet, wie sie es der Sammler zu Hause hatte. Daran hängen verschiedene Gemälde und Zeichnungen wie z.B. ein 1900 gefertigtes Porträtmedaillon aus Porzellan. Andere Preziosen zeigen, dass Mendelssohn ein begabter Zeichner und Maler war und sogar in verschiedene Identitäten schlüpfte.
Wie damals, als er nach England ging und sich Peter, Paul und John Meffert nannte: Pfeife rauchend, vollbärtig und mit Schlapphut. Man merkt schnell, dass die 50 Ausstellungsstücke - wie Bilder, Briefe, Büsten, Schreibfedern, Notizen, Notenaufzeichnungen - ein sehr persönliches Bild des Bach-Wiederentdeckers zeichnen. Sogar eine Haarlocke vom Komponisten Carl Maria von Weber ist darunter, die sich im persönlichen Besitz Bartholdys befand. War der Gewandhauskapellmeister ein Devotionaliensammler?
"An dieser Stelle bedauere ich, dass ich mit Rudolf Elvers keine Gelegenheit hatte, mich über solche Dinge im Detail zu unterhalten", stellt Kerstin Sieblist abschließend fest. "Diese Fülle ad hoc zu bearbeiten, ist schier unmöglich. Ich war oft bei ihm, aber wohl nicht oft genug und hätte noch so viele Fragen an ihn." Besagte Haarlocke war zum Beispiel ein Teil eines Brieffragments. "Ich weiß nicht wie sie in die Sammlung gekommen ist, was sie zu bedeuten hat", bedauert die Kuratorin. Inzwischen wurde die gesamte Sammlung inventarisiert und im Internet zugänglich gemacht.
Die Ausstellung "50 x Mendelssohn" wird hingegen dem Sammler Rudolf Elvers und seinem Lebenswerk gewidmet. Im Original sind die 50 Briefe, Notenaufzeichnungen, Aufzeichnungen und Bilder vom 22. November 2011 bis zum 8. Januar 2012 zu sehen. Einen Katalog wird es aber noch nicht dazu geben, denn noch müsse man viele der Stücke auswerten. Jetzt wäre noch vieles mit der heißen Nadel gestrickt, so Kuratorin Sieblist. Denn gut Ding will Weile haben.
Die Reihe "Recht auf Stadt" erlebt am 31. Mai eine weitere Auflage. Die zweite Veranstaltung, diesmal im Werk 2, dreht sich dabei rings um Fragen moderner Stadtentwicklung und die Rolle aller Beteiligten dabei. Diesmal unter dem Motto: "Kapitalanlage - Von Investoren-UFOs und Stadtteilzentren". mehr…
Flotte Sprüche, schwarze Business-Anzüge, dunkle Sonnebrillen. Die "Men in Black" sind nach zehn Jahren Leinwandabstinenz zurück. Im dritten Teil des SciFi-Franchise reist Will Smith ins Jahr 1969, um seinem Partner Tommy Lee Jones das Leben und die Menschheit vor einer vernichtenden Alien-Invasion zu retten. mehr…
Mit dem Sieg bei Fortuna Chemnitz hat der 1. FC Lok sein Saisonziel erreicht, steigt als Sechster in die neue Regionalliga auf. Geplant war alles ein wenig anders. Eigentlich sollte es der dritte Platz werden, eigentlich sollten die Neuzugänge einschlagen und von einem Trainerwechsel war vor der Saison auch nicht die Rede. Ein Saisonrückblick. mehr…
„Mut zu machen, dass wir Zeichen gegen Willkür und Gewalt setzen können“. Das ist für die in Berlin lebende Filmemacherin Karin Kaper die Botschaft ihres Filmes „Aber das Leben geht weiter“. Es geht um die - authentische - Vertreibungsgeschichte der Familien Queißer und Zukowscy, die in einem Bauernhof bei Görlitz aufeinander treffen. Ein L-IZ-Interview. mehr…
Das Fazit der "Frankfurter Rundschau" war am Ende eindeutig: Was da am Wochenende in Frankfurt zu erleben war, war ein Sieg für die Blockupy-Bewegung. Die Stadt Frankfurt selbst blamierte sich mit ihrem martialischen Großaufgebot an Polizei gründlich, mit ihrer Argumentation gegen vermeintliche "Linksextremisten" sowieso. Ein weiterer Versuch, die berechtigte Kritik der Demonstranten an der Erpressungspolitik gegenüber Griechenland zu diskreditieren. mehr…
Der Schatten über Leipzigs Verwaltung wird größer: Der Sonderprüfbericht über die sogenannten herrenlosen Häuser zeigt deutlich, welches Fehlverhalten im Rechtsamt seit über 15 Jahren alltägliche Praxis war. Getreu nach dem Motto „Mein Name ist Hase und ich weiß von nichts“ weist die Verwaltungsspitze aber die Vorwürfe von sich, bereits durch frühere Berichte den Missstand erkannt haben zu können. Aber das ist ja auch logisch, wenn die Berichte ungelesen beiseite gelegt werden. mehr…
Es passte natürlich. Am einen Ende der Straße erklärte Baubürgermeister Martin zur Nedden den wissbegierigen Journalisten, warum die Stadt jetzt auffällige Piktogramme neben die Blindenleitstreifen in der Grimmaischen Straße malen lässt - und 100 Meter weiter stand ein Blumentransporter drauf und ein DHL-Auto parkte mal kurz. Es geht wohl nicht wirklich um die Leitstreifen im Pflaster. Es geht wohl mehr um die tägliche Gedankenlosigkeit der Eiligen. mehr…
Am Samstag, den 26. Mai 2011 findet auf dem Sportcampus Jahnallee das alljährliche Internationale Kinderfest der Studentischen Eltern Leipzig e.V. statt. Das Fest für Leipziger Familien wird von Engagierten vieler internationaler Vereinigungen wie dem Zentrum für europäische und orientalische Kultur (ZEOK) und der Capoeira-Gruppe mit verschiedensten Aktionen getragen. mehr…
Die Fotoausstellung "Es ‚messet’ wieder." ist Teil des Pilotprojekts „Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“ im Rahmen der Forschungsförderung „Geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung“ des Freistaates Sachsen. Die Studenten und Wissenschaftler des Fachbereichs Buchwissenschaft an der Universität Leipzig erforschen seit dem Wintersemester 2009/10 die vom Stuttgarter Stammverlag zur wissenschaftlichen Erschließung zurückgeführten Archivdokumente des Leipziger Parallelverlagsteils. mehr…
Die LVB planen für August 2012 eine weitere Erhöhung der Fahrpreise. Ein Einzelfahrschein wird zum Beispiel 20 Cent mehr kosten. Insgesamt werden die Tarife um rund 10 Prozent erhöht. Die Grüne Hochschulgruppe kritisiert diese Entwicklung scharf. Sie sieht die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs gefährdet und findet, Busse und Bahnen sollten für alle bezahlbar bleiben. mehr…
Wagner ist Leipziger. Irgendwie schon. Am 22. Mai 1813 hier geboren. 1834 fortgegangen Richtung Würzburg. "Als fertig ausgebildeter Komponist", betont Thomas Krakow, Wagner-Beauftragter der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender des Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. Wagner-Beauftragter ist er, weil Leipzig 2013 im Mittelpunkt steht, wenn der 200. Geburtstag des kleinen Wilhelm Richard Wagner gefeiert wird. mehr…
Im Rahmen einer Tournee zu ihren Schwesternhochschulen in Aachen, Mainz und Hannover macht die Big Band der Hochschule für Musik und Tanz Köln auch Station in Leipzig. Sie tritt am Mittwochabend, 23. Mai, in der Hochschule für Musik und Theater, Grassistraße 8 auf. Gespielt werden zwei Kompositionen des Big-Band-Leiters Joachim Ullrich: „No Better Blues Suite“ und „Second Crime Suite“, die die Band in der letzten Phase erarbeitet und aufgenommen sowie in zwei Konzerten in Köln präsentiert hat. mehr…
"agra - Brücke B2. Und wie weiter?" Unter dieser Überschrift lädt die Arbeitsgruppe Landschaftspflege des Grünen Ringes Leipzig am Mittwoch, 23. Mai, in den Kleinen Lindensaal des Rathauses Markkleeberg ein. Verschiedene Planungen für den Bereich der agra sollen näher vorgestellt, näher beleuchtet und mit allen Beteiligten diskutiert werden. mehr…
Annaberg ist eigentlich nur die halbe Stadt. Annaberg-Buchholz heißt die Doppelstadt an der Sehma seit 1945. Die Sehma war 1497 noch Landesgrenze zwischen dem ernestinischen und dem albertinischen Sachsen, als die Neustadt am Schreckenberg gegründet wurde, die ab 1501 Annaberg hieß. Der Grund für die Gründung mitten im wilden Erzgebirge: das Erz natürlich, das große Berggeschrei, das genau von hier aus losging 1491. mehr…
Der Schatten über Leipzigs Verwaltung wird größer: Der Sonderprüfbericht über die sogenannten herrenlosen Häuser zeigt deutlich, welches Fehlverhalten im Rechtsamt seit über 15 Jahren alltägliche Praxis war. Getreu nach dem Motto „Mein Name ist Hase und ich weiß von nichts“ weist die Verwaltungsspitze aber die Vorwürfe von sich, bereits durch frühere Berichte den Missstand erkannt haben zu können. Aber das ist ja auch logisch, wenn die Berichte ungelesen beiseite gelegt werden. mehr…