Galerie Artae: Menno Fahl und Friedemann Grieshaber verführen mit Guss, Farbe und Formen
Daniel Thalheim
14.11.2011
Menno Fahl und Friedemann Grieshaber mit neuen Arbeiten bis 23. Dezember in Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim
Zum dritten Mal stellen sie schon gemeinsam aus. Wie dieses Mal in Gohlis. Von Berlin-Pankow nach Leipzig ist eine überwindbare Strecke. Menno Fahl und Friedemann Grieshaber haben es in die Messestadt geschafft und zeigen in der Galerie Artae, wie Form, Farbe und Fassbares miteinander funktionieren.
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"Über drei Ecken" heißt die neueste Kunstschau in der Gohliser Galerie "Artae". Assemblagen, Skulpturen und Zeichnungen zeigen Sabine Aichele-Elsner und Marian Elsner vom 11. November bis 23. Dezember. Jene Arbeiten stammen von zwei Künstlern, die fast Tür an Tür in Berlin-Pankow leben und arbeiten. Menno Fahl und Friedemann Grieshaber kennen sich schon seit ihrer Studienzeit und ergänzen sich mit ihren Werken, obwohl beide unterschiedliche Ansätze und Ausdrucksformen haben. Entscheidend ist der Raum.
"Gegenseitig beeinflusst haben wir uns sicher", sagt Menno Fahl. Friedemann Grieshaber nickt. Er ist derjenige, der staunend zurückblickt und entdeckt, dass sich beide schon seit 1993 kennen. "Man wird älter", Grieshaber kann schon wieder lachen. Galeristin Sabine Aichele-Elsner beobachtete über jene Zeit, wie beide Künstler ihrem Stil treu blieben und entwickelt haben.
Denn beide hat sie ebenfalls vor langer Zeit während ihres Kunstgeschichtsstudiums in Berlin kennengelernt. Aichele-Elsner: "Friedemann Griesemann ist in Leipzig schon relativ bekannt. Er wurde in unserer Galerie bereits vor zwei Jahren mit einer Einzelausstellung gewürdigt. Nebenan stehen auch seit dieser Zeit zwei große Skulpturen auf der Wiese."
Raumgreifende Plastiken mit Farbwirkungen - Menno Fahl.
Foto: Daniel Thalheim
Lange bleiben sie aber nicht mehr auf der Rasenfläche an der Gohliser Straße stehen. Beide Künstler verbindet seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft. Aichele-Elsner betont, dass trotz der biografischen Nähe von Fahl und Grieshaber beide unterschiedliche künstlerische Wege einschlugen. Der 1967 in Hannover geborene Fahl wandte sich nach seinem Studium immer mehr der Skulptur zu. Der aus einer Künstlerfamilie stammende Künstler will so das Stoffliche der Farbe räumlich machen. Der aus Ravensburg stammende Grieshaber ist vom Beton- und Bronzeguss begeistert.
Gäste stellen bei Fahls Arbeiten heraus, dass seine ausgestellten druckgrafischen Arbeiten viel mehr als Skulptur gedacht sind als seine Skulpturen. So der Eindruck bei Manchem. Menno Fahl widerspricht, wenn er mit der Farbe in den Raum geht und seine Arbeitsweise erklärt. "Wir wissen, dass die Farbe auch eine Raumwirkung hat", erläutert Fahl den Gästen Farbe als Material. Auch sie kann aufgetürmt, zerkratzt, aufgeschichtet und wieder abgetragen werden. "Bei mir kommt Farbe elementar und nicht illusionistisch zum Tragen. Farbe ist in meiner Arbeit konkret."
Fahl und Grieshaber: Plastik, Skulptur und Grafik.
Foto: Daniel Thalheim
Dabei soll der Betrachter nicht an Himmel denken, wenn er Blau sieht. Gegenständliche Assoziationen lehnt der Künstler ab. Fahl: "Wenn Farbigkeiten und Farbe versuchen etwas Realistisches vorzugaukeln versucht, empfinde ich es selten als gut."
Deswegen baut und komponiert er Skulpturen wie Assemblagen zusammen, setzt Farbe hinzu, trägt sie wieder ab. Ein künstlerischer Prozess, hebt Fahl hervor und sagt: "Starke Bilder sind für mich diejenigen, wo Farbe als Material konkret erscheint. Das ist für mich der Ansatz, Farbe in die Plastik zu transportieren. Farbe muss man bei mir wie einen Baustein sehen. Die Wechselwirkung der Farbe mit der Plastik muss funktionieren. Einfach eine Plastik zu bemalen, wäre überflüssig. Es muss sich stattdessen ergänzen."
Friedemann Grieshaber hat dagegen einen ganz anderen Ansatz. Er gießt seine Skulpturen. Beton ist sein Material - mal fein, mal grob. Bei ihm muss man rückwärts denken. Grieshaber zeigt auf eine liegende Skulptur und erklärt: "Hierzu habe ich eine Negativform in einem Holzkasten gebaut. Diese Form wurde von unten her gegossen. Jeden Freiraum, den man jetzt als solchen sieht, hab ich in die Kiste mit styropor-artigem Zeug hineingebaut. Dann wird gegossen und die Form abgenommen."
Grieshaber geht auch anders vor, arbeitet auch Gussformen in Ton vor. Eine Figur erinnert an eine afrikanische Maske, auch wenn es keine ist. "Es ist das Prinzip der Kunstfigur", weiß der 1968 in Ravensburg geborene Künstler. Es geht ihm nicht um das Abbild, sondern um die Bildwirklichkeit. So entsteht eine Kunstfigur, im Gegensatz zu einer konventionellen Figur, die man als solche sofort als mit einer reellen Figur identifiziert. Die Interpretation liegt dann ganz beim Betrachter. Antworten gibt Grieshaber nicht vor. Denn wenn er sie auf seine Kunst bezogen hätte, könnte er aufhören. "Egal, was man mit scharfen Kanten und Flächen macht, es bleibt trotzdem ein Rest subjektive Unfassbarkeit. Und wenn es nur die Feststellung ist: Was soll der Quatsch!"
Unfassbarer Quatsch ist die Ausstellung trotzdem nicht. Bis zum 23. Dezember habendie Leipziger die Gelegenheit in die Galerie Artae zu pilgern und zu sehen, welche Geheimnisse sich in den Farb- und Gussskulpturen von Menno Fahl und Friedemann Grieshaber verbergen. Man muss statt einer Feststellung nur Fragen im Kopf haben. Dann öffnet sich darin ein Universum an Antworten - rein subjektiv und ohne doppelten Boden.
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