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Ein projizierter Liebeszauber: Jochen Plogsties erhält 9. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung

Daniel Thalheim
LVZ-Kunstpreis: Jochen Plogsties in der Mitte des Geschehens.
LVZ-Kunstpreis: Jochen Plogsties in der Mitte des Geschehens.
Foto: Daniel Thalheim
Er war Meisterschüler von Neo Rauch und fällt seit einiger Zeit positiv in der Kunstwelt auf. Der Künstler aus Cochem hört auf den Namen Jochen Plogsties und wurde am 2. Dezember mit dem Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung geehrt. Die zum neunten Mal verliehene Auszeichnung enthält neben einer Kabinettsausstellung auch einen Katalog sowie ein saftiges Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

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"Er ist schon lange im Business", meint Kuratorin Tanja Kluß zum Preisträger. "Erst seit Kurzem beschäftigt sich Jochen Plogsties mit den Bildwerken anderer Künstler und unserer Alltagswelt." Für die Kabinettsausstellung im Museum der bildenden Künste hat Jochen Plogsties eigens neue Arbeiten angefertigt, die er den Leipzigern ab Freitag, 2. Dezember, zeigt. Mit ihnen können die Betrachter auf eine Reise durch die europäische Kunstgeschichte der vergangenen 500 Jahre gehen.

Denn Plogsties griff verschiedene berühmte Werke des Spätmittelalters und der Frühneuzeit auf und hat ihnen einen modernen Anstrich verpasst. Durch die Künstlerbrille sieht der Besucher auf Gemälde, die einem bekannt vorkommen müssten: Werke von Lucas Cranach, Albrecht Dürer, Vermeer van Delft und vielen anderen Künstlern tummeln sich an den Wänden des Bildermuseums.

9. LVZ-Kunstpreisträger Jochen Plogsties.
9. LVZ-Kunstpreisträger Jochen Plogsties.
Foto: Daniel Thalheim
Der "Liebeszauber" befindet sich auch unter den neuen Bildern. Dazu erzählt Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt eine Anekdote aus seiner Studienzeit. In den Siebziger Jahren studierte Schmidt in Marburg Kunstgeschichte. Wer die Vorlesungen in abgedunkelten Vorlesungssälen kennt, weiß, dass bei den Diashows die Meisterwerke nicht unbedingt in Originalgröße gezeigt werden. So auch nicht der berühmte "Liebeszauber", den Schmidt in einer Vorlesung zur spätmittelalterlichen Malerei kennenlernte. Dieses kleinformatige Bild eines niederrheinischen Meisters wuchs zu einer beachtlichen Größe von rund acht Quadratmetern an. "Als ich die Sammlung des Museums der bildenden Künste aufsuchte bin ich doch glatt an diesem Bild vorbeigelaufen, weil es kaum größer als ein DIN-A-4-Blatt ist."

Schmidt ergänzt: "Plogsties geht es nicht nur um Topoi in der Kunstgeschichte. Ihm geht es auch um deren mediale Vermittlung." Ganz so wie beim Kunstunterricht. Nur dass Plogsties nicht einfach die Werke alter Meister auf Leinwände projiziert und abmalt, er lässt auch seinen eigenen Duktus aus dem Handgelenk fließen. Da sich nun der "Liebeszauber" als Leihgabe in Köln befindet, ist Schmidt umso beglückter, dass Plogsties auch dieses Werk zu einer beachtlichen Größe aufplusterte und es nun im Kabinettsaal des Bildermuseums hängt. Zur Arbeitsweise sagt der Künstler selbst, dass er nicht einfach die Motive kopiert, sondern auch künstlerisch bearbeitet.

Kuratorin Tanja Kluß meint, dass es Plogsties gar nicht darum geht, einen Dürer zu kopieren. "Die Vorlage für das Bild des Künstlers ist eigentlich die Projektion. Er macht es so, wie wir uns Bildern meistens nähern - über die Reproduktion." Kluß führt aus, dass das Katalogabbildungen, Fotografien, Postkarten sein können oder auch Bilder aus dem Internet. Dinge also, die an die Originale erinnern. Plogsties nimmt immer Bezug auf das bildnerische Vorbild, so die Meinung der Kuratorin. Ganz wichtig sei auch, dass der Fundort mit angegeben ist.

Der "Liebeszauber" als Auslöser für Kunstgeschichte in Bildern - Jochen Plogsties.
Der "Liebeszauber" als Auslöser für Kunstgeschichte in Bildern - Jochen Plogsties.
Foto: Daniel Thalheim

Plogsties betont seine Entdeckungsreise durch die frühneuzeitliche Malerei mit den Worten: "Diese Faszination ist bei mir noch relativ neu. Das begann vor einigen Jahren, als sich das Interesse dafür entwickelte. Um das mit dem 'Liebeszauber' aufzugreifen - es ist sehr spannend zu sehen, wie die alten Meister malten. Wie viel Neo Rauch ist eigentlich im 'Liebeszauber'? Oder auch wie viel Matthias Weischer?" Plogsties fragt nach dem Einfluss eines so kleinen Gemäldes und der damaligen Zeit auch auf heutige Künstler. "Die Kompositionsleistungen um 1500 sind - grandios!"

Alles nur "Copy and Paste"? Der 1974 in Cochem an der Mosel geborene Künstler ist derzeit sehr damit beschäftigt eben diese Kompositionsleistungen zu ergründen. "Durch die Malerei will ich mir diese aneignen und ein bisschen verstehen. Das fasziniert mich mehr als 'eigene Leistungen'." Plogsties ist der suchende Künstler, der sich bildet und sich entdeckt. "Ich bin mir sicher, dass sich das auswirkt." Mit seiner Vorgehensweise erschafft er keine Kopien, sondern, wie es Hans-Werner Schmidt betont, ganz neue Werke, die aus den Reproduktionen entstehen. Für diese Leistung erhält Plogsties den 9. Kunstpreis der LVZ, der 1994 anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Zeitung zum ersten Mal ausgelobt wurde. Künstler wie Via Lewandowsky wurden geehrt. Neo Rauch wurde so einem größeren Publikum bekannt. Ebenso Matthias Weischer und Julius Popp.

Bis Mitte Februar 2012 haben Leipziger selbst Gelegenheit, mit den Kabinettstückchen von Jochen Plogsties auf eine Entdeckungsreise durch die europäische Malerei zu gehen. Dazu gibt es auch einen kleinen Katalog aus den Händen des Kerber Verlags, den Hans-Werner Schmidt eigens herausgibt und der zahlreiche Werkabbildungen enthält. Für 18 Euro ist dieser an der Museumskasse erhältlich.

Museum der bildenden Künste Online
www.mdbk.de


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