Kostbare Fehler: Filmemacherin Friedl vom Gröller stoppte in der HGB-Galerie
Daniel Thalheim
17.12.2011
Fotografie und Film: Friedl vom Gröllers Arbeiten in der ersten deutschen Einzelausstellung in der Leipziger HGB.
Foto: Daniel Thalheim
Es war dunkel, Filmvorführgeräte schnurrten, Bilder wackelten an aufgestellten Wänden. Diese Ausstellung war anders. Statt Bilder zappelten Stummfilme auf 16 Millimeter. Die österreichische Künstlerin Friedl vom Gröller war in Leipzig und schlägt bis Ende Januar 2012 mit "kostbaren Fehlern" in der HGB-Galerie ihre Zelte auf.
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"Ich will ein Gefühl sehen und wie es entsteht“, sagte sie über ihre Arbeiten. Als die Frau am Abend des 14. Dezember gemeinsam mit Besuchern inmitten der abgedunkelten Galerie der Hochschule für Grafik- und Buchkunst stand, hatte sie mit ihrer Filmschau eine lange Reise hinter sich. Ihre künstlerische Reise ist noch viel länger.
Bereits Ende der 1960er Jahre begann die österreichische Künstlerin Friedl vom Gröller, Filme zu drehen. Die 1946 in London geborene Filmemacherin wurde zunächst als Fotografin unter dem Namen Friedl Kubelka bekannt. Durch ihre Serienfotografien wie Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesporträts und einen Zyklus über Avantgarde-Filmemacher wie Jonas Mekas, Ken Jacobs, Toni Conrad, Morgan Fisher oder Owen Land erlangte sie international Bekanntheit.
Dunkelheit, Projektorenschnurren, Flimmern: Galerie der HGB Leipzig bis Ende Januar.
Foto: Daniel Thalheim
Friedl vom Gröller ist nun als Gründerin der Schule für Künstlerische Photographie und in der Folge für Unabhängigen Film in Wien als Leiterin tätig. Vom 15. Dezember 2011 bis 28. Januar 2012 stehen ihre Arbeiten in ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland im Mittelpunkt, nicht sie selbst.
Ältere und neuere Streifen flimmern an den Wänden. Im oberen Teil der Galerie befinden sich Fotografien. Zu ihren Arbeiten sagt die Filmemacherin, dass sie menschliche Charaktereigenschaften in einem anderen Licht zeigen will. Besonders Künstler sind von gewissen Marotten befallen, die vom Gröller einem erheiterten Publikum aufzählt: Unzufriedenheit, Größenwahnsinn, Überempfindlichkeit, unsozial sein, Rivalität, Depressivität, Aggressivität.
Vom Gröller gab auch zu, dass sie beim Filmen reine Autodidaktin sei. Von ihren ausgestellten Filmen sagte sie, dass hier auch handwerkliche Fehler bewusst belassen wurden. "Jeder Film ist gespickt mit Fehlern", äußerte sie gegenüber den Anwesenden. Weiter meinte die Österreicherin: "Erst durch den Erfolg der Filme habe ich gemerkt, dass alle Fehler kostbar sind." Sie zeigen beengte Begebenheiten mit Freunden, Familienmitgliedern und Fremden. Gröllers einzige Anweisung an ihre Modelle lautete, für die Dauer eines Filmes in die Kamera zu blicken. Die Ausstellungsbesucher schauten so interessiert auf verschiedene Situationen zum Beispiek wie einen Kirschkern spuckenden Mann am Küchentisch. Oder Leute spielen "Stille Post". Jeder Streifen ist nur drei Minuten lang.
Improvisiert wurde viel. Optische Unschärfen, Ruckeln der Bilder und der seitliche Einfall von Licht erinnerten die Ausstellungsmacher an die Techniken der Avantgarde. Manche finden Parallelen zum künstlerischen Film. Die Ausstelkung zeigt Porträts, die fotografischen Inszenierungen der Skulpturen von Franz West sowie Gröllers frühe Modeaufnahmen, die als Auftragsarbeiten entstanden. In der Galerie der HGB sind sie bis zum 28. Januar erstmals so zusammenhängend zu sehen.
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