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Rundgang an der HGB Leipzig: Politik, Gesellschaftskritik und Medienkunst wollen Kunstfreunde in die Wächterstraße locken

Daniel Thalheim
Beliebter Treff HGB-Rundgang.
Beliebter Treff HGB-Rundgang.
Foto: Daniel Thalheim
"Ist heute eine Zeitung notwendig?", fragt man aus der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Pünktlich zum Rundgang durch die Klassenräume der Leipziger Kunsthochschule, wird eine Hochschulzeitung gegründet. Außerdem warten Installationen, ein interaktives Computerspiel, Künstlerbücher und Grafiken auf die Besucher des alljährlichen HGB-Rundgangs. Eine Hausmesse gibt es auch am zweiten Februarwochenende. Es könnte politisch werden.

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Wenn zwischen 9. und 12. Februar die Kunstschau im Hochschulgebäude an der Wächterstraße stattfindet, werden viele Besucher wieder viel Malerei erwarten. Der Run in den letzten Jahren konzentrierte sich tatsächlich auf die malenden Nachwuchs-Künstler, die man gerne in den Topf "Neue Leipziger Schule" warf. Seit dem Weggang von Neo Rauch darf man den Stempel nicht mehr an der HGB erwarten. Stattdessen konzentriert sich das Rundgang-Programm auf Sparten, die sich erst auf dem zweiten Blick erschließen. Themen wie Politik, Gesellschaftskritik und Medien nehmen scheinbar den künstlerischen Raum ein.

So gibt die Kunsthochschule dieser Tage Hinweise, was künstlerisch interessant sein könnte. Keine bunt gekleckste Malerei, sondern Schlagwörter wie "Zukunftskonzepte", "Wirtschaftliches Potenzial", "Hochschulreform" treten an den Kunstfreund in vielerlei Gestalt heran. Bereits 2011 fragte man beim Rundgang nach dem Selbstbild der Leipziger Kunsthochschule in der Öffentlichkeit.

Augenfällige Rundgangseröffnung 2012 kann so nur die Hausmesse "Vision2020" sein. Im Lichthof der Hochschule zeigen Künstler ihre Visionen einer erfolgreichen Hochschule im Jahr 2020. Im Programm heißt es: "Kostenminimierung und Hochschulreform sind Schlagwörter der Gegenwart, denen wir durch klare Zukunftskonzepte begegnen und das ungenutzte wirtschaftliche Potential der Kunsthochschule in Zeiten des Abbaus aufbauen.“

HGB-Rundgang: Kunst, Treff und Plausch.
HGB-Rundgang: Kunst, Treff und Plausch.
Foto: Daniel Thalheim

Dass Studiengebühren noch kein Hochschulkonzept sein könnten, stellte schon "Der Standard" im November 2010 fest. Ob die HGB in Richtung einer unternehmerischen Hochschule tendiert, kann nur die Lichthof-Ausstellung beantworten. Stelltedoch schon 2010 die Hans-Böckler-Stiiftung fest, dass sich die die deutschen Hochschulen durch den Bologna-Prozess verändern. Die Wissensakademien verschulen, stehen im Wettbewerb zueinander. Dass dadurch Forschungsaufgaben vernachlässigt werden könnten, fand man in der Böckler-Stiftung auch heraus. Schon jetzt klagt die Wirtschaft, dass das derzeitige Bachelor- und Masterstudium nicht praxisbetont genug sei. Was auch immer das heißen mag.

In diese Fragestellung kann anscheinend nur Prof. Markus Dreßen mit seiner Fachklasse für Buchkunst und Grafik-Design eintauchen. "Work, Work, Work (Pub, Club, Sleep)" ist Titel seiner Ausstellung. Thema soll der "Tripel-Dauerspagat“ des Lebens zwischen Arbeit, Performance und Ausstellung sein. Lebenswirklichkeit vieler Künstler, die ihre Kunst durch Nebenjobs finanzieren müssen.

Daneben steht Sven Bergelt, Diplomand der Klasse Prof. Tina Bara, Fotografie. Er zeigt zum Rundgang seine Videoinstallation "Circle“. Dazu heißt es aus der Hochschule: "Thema dieser als Triptychon angeordneten Videos ist die Darstellung der Zustände Wiederholung, Routine und Gefangenschaft – und der Wunsch aus dem vorhandenen System auszubrechen und neue Ordnungen zu schaffen." Ebenfalls realitätsnah das Vorhaben einiger Studenten, eine Hochschulzeitung zu gründen.

Volle Gänge auch dieses Jahr garantiert: HGB-Rundgang 2012.
Volle Gänge auch dieses Jahr garantiert: HGB-Rundgang 2012.
Foto: Daniel Thalheim

"Derzeit wird an der HGB eine neue Hochschulzeitung gegründet. Ist heute eine Zeitung notwendig? Wir kommunizieren durch Mails, Webseiten oder Blogs. Welche Funktion würde ein Druckmittel in unserem Alltag übernehmen? Die Redaktionsgruppe stellt mit ihrer ersten Ausgabe diese und andere Fragen", so die Hochschule zu dem neuen Projekt. Es scheint fast, als möchte die Leipziger Hochschule aus seinem Dornröschenschlaf des Kunsttempels aufwachen. Dass aber Kunst auch der Realität entfliehen darf, könnten andere Arbeiten demonstrieren.

Prof. Katrin von Maltzahn will Arbeitsergebnisse ihres Partituren-Workshops vorstellen. "Studierende unterschiedlicher Sparten setzten sich mit dem Begriff 'Partitur' auseinander", heißt es aus der HGB zum Workshop, der im November 2011 stattfand. "Die Bandbreite der Arbeitsergebnisse umfasst Künstlerbücher, Malereien und Zeichnungsserien, druckgrafische Arbeiten, musikalische Kompositionen, Notationssysteme, Soundinstallationen, interaktive und multimediale Installationen." Außerdem verkündet die Hochschule eine neue Ausstellung im Rahmen des Masterstudiengangs "Kulturen des Kuratorischen" an. Die Studierenden der Fotografie-Klasse Prof. Heidi Specker hinterfragen die Bedeutung des Ausstellens im Rahmen eines Rundgangs. "Zwischen den beiden Polen der Repräsentativität auf der einen Seite und dem Zwang der Auswahl auf der anderen wird versucht, einen Raum der Interaktion zu eröffnen", so die HGB.

Interaktiv auch eine ganz andere Darstellung von Kunst im 21. Jahrhundert. Zum Rundgang möchte Konstantin Kopka das interaktive Computerspiel "Another Grey" vorstellen. Aufgabe des Spielers soll es sein, mit einem gasbetriebenen Luftschiff die im Spiel dargestellte malerische Spielwelt zu durchqueren. Hierbei gilt es, zahlreiche Hindernisse zu umfahren. Kern-Element des Spiels soll das “Färben“ der anfangs noch grauen Spielwelt sein. Im Laufe der Reise mischt sich der Spieler so seinen eigenen, individuellen Farbton zusammen.

Kunst zum Anfassen also, die um 18 Uhr beim diesjährigen Rundgang mit einer Eröffnungsrede von Hochschulrektorin Ana Dimke und dem Hochschulchor unter der Leitung von Christoph Scholtz eingeleitet wird. Mehr Kunst gibt es auch außerhalb des Hochschulgebäudes. In der Galerie Eigen+Art zeigt Franziska Jyrch ihre Arbeiten. Im "mzin" in der Paul-Gruner-Straße gibt es "Singles und Fanzines", eine Ausstellung von Studierenden des 2. Studienjahrs Buchkunst/Grafik-Design, zu sehen. Und das bis zum 10. März.

Mehr Kunst in der Hochschule auf der Webseite der HGB:

www.hgb-leipzig.de


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