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Die schönsten Holländer in Leipzig: Vom Kinderzimmer ins Museum - Die Sammlung Speck von Sternburg

Daniel Thalheim
"Die schönsten Holländer in Leipzig" bis 17. Juni im Museum der bildenden Künste.
"Die schönsten Holländer in Leipzig" bis 17. Juni im Museum der bildenden Künste.
Foto: Daniel Thalheim
Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg ist der Präsident und Vorsitzender der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig. Gemeinsam mit Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt und dem Leiter der Gemäldesammlungen Jan Nicolaisen empfing er am 24. Februar die Pressemeute zu einem Gespräch.


Anlass für die Presserunde im Untergeschoss des MdbK war die Ausstellung "Die schönsten Holländer in Leipzig", die am Abend des 25. Februar feierlich eröffnet wurde und die bis in den Juni hinein mit vielen Gemälden und Veranstaltungen auf ihre Besucher wartet.

Als Nachkomme des Leipziger Kunstsammlers Maximilian Speck von Sternburg (1776-1856) ist Wolf-Dietrich Speck von Sternburg besonders eng mit der Sammlung verbunden, die sein Vorfahre im frühen 19. Jahrhundert auf dem Familiensitz der Sternburgs in Lützschena zusammentrug. Seitdem wurde sie nicht verändert, reduziert oder erweitert. Zuvor wurden die Gemälde niederländischer Künstler im Leipziger Stadthaus des Leipziger Wollkaufmanns gezeigt. Dort befindet sich heute "Speck's Hof". Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg erinnert sich daran, dass er mit den Gemälden auf dem Schloss in Lützschena aufwuchs, die heute alle Leipziger im Museum der bildenden Künste bestaunen dürfen.

Einladende Kunst des 17. Jahrhunderts bei einladender Atmosphäre: "Die schönsten Holländer in Leipzig".
Einladende Kunst des 17. Jahrhunderts bei einladender Atmosphäre: "Die schönsten Holländer in Leipzig".
Foto: Daniel Thalheim

Eine persönliche Geschichte, die er gern erzählt, handelt von einem Gemälde von Peter Paul Rubens. Es ist das kleine Bild "Das Schiffswunder der heiligen Walpurga", das in seinem Kinderzimmer hing und nun im Untergeschoss leicht abgedunkelt und unauffällig an einer grün gestrichenen Wand hängt. Eines seiner Lieblingsbilder. "Für uns waren die Bilder unser Familienvermögen", schildert der Stiftungspräsident. Weiter sagt er: "Bis 1945 war ein Kustos in unserem Schloss da. Aber es wurde nicht weiter gesammelt. Dieser Rubens hing in unserem Kinderzimmer." Speck von Sternburg lacht und fügt hinzu: "Das klingt für heutige Zeiten etwas eigenartig, aber das gehörte einfach zum Schloss."

Jan Nicolaisen ergänzte die Ausführungen des Freiherrn mit den Worten: "Es gab die Tradition, dass die religiöse Malerei im Kinderzimmer aufgehängt wurde. Darunter auch die 'Heimsuchung' von Rogier van der Weyden, die man heute wohl eher nicht im Kinderzimmer aufhängen würde. Auch dieses Bild konnte man in einem Kinderzimmer des frühen 19. Jahrhunderts antreffen."

Alte Meister in Leipzig.
Alte Meister in Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim

Speck von Sternburg betonte noch einmal, dass es damals usus war, wertvolle Gemälde auch im Kinderzimmer aufzuhängen. "Wenn ich heute höre, wie Gemälde ausgeliehen werden, wie viel Geld für Klimakisten ausgegeben wird, mit aller Vorsicht die Bilder hoch-versichert und mit Fingerspitzengefühl behandelt werden... Bei uns hingen sie 200 Jahre lang im Schloss! Ich habe mir von Experten erklären lassen, dass das den Bildern nicht geschadet hatte." Im Gegenteil. Speck von Sternburg beschrieb, dass sich die dicken Schlossmauern je nach Jahreszeit ganz langsam erwärmten und wieder abkühlten. "Das tat den Bildern grundsätzlich gut! Aber wir sind jetzt auch glücklich, dass hier alles so schön hängt!"

Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg.
Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg.
Foto: Daniel Thalheim
Gemeinsam mit der "Walpurga" von Peter Paul Rubens warten 130 Gemälde und 30 Zeichnungen aus dem Bestand des Museums der bildenden Künste auf ihre Betrachter. Die Bilder stammen aus verschiedenen Sammlungen Leipziger Bürger. Nicht nur von den Sternburgs.

So ist ein Teil der Sammlung holländischer Malerei von Ernst Peter Otto (1724-1799) vertreten, die durch seinen Großneffen Gustav Moritz Clauß (1796-1871) im Jahr 1861 der Stadt Leipzig gestiftet wurde. Auch Gemälde aus der Sammlung des Leipziger Unternehmers und Metallfabrikanten Alfred Thieme (1830-1914) befinden sich in der aktuellen Ausstellung. Der Kunsthistoriker Wilhelm von Bode (1845-1929) half ihm beim Sammeln. 1916 gingen die Bilder in den Leipziger Besitz über. Wie auch die "Holländer" von Julius Otto Gottschall (1841-1903).

Der Überblick über die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts zeigt bis zum 17. Juni Meisterwerke der Porträt-, Stillleben-, Landschafts- und Genremalerei. Darunter auch viele Schätze aus dem Magazin des Leipziger Kunstmuseums, die man so schnell nicht wieder sieht. Für Nicolaisen ist die Ausstellung "Die schönsten Holländer in Leipzig" nur ein kleiner Ausschnitt des größeren Leipziger Sammlungsbestands von 400 Gemälden niederländischer Malerei.

Für Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt zeigen Bilderschau, die Veranstaltungsreihe "Holländer spezial" und Bestandskatalog, dass das Thema Forschung im Ausstellungsbetrieb auch in Leipzig ganz oben auf der Agenda steht. Deswegen zeigt auch die Restaurationswerkstatt des MdbK einen Einblick in ihre Arbeit. Flankiert wird die Ausstellung "Die schönsten Holländer in Leipzig" auch von der Schau "Die Alte Pinakothek München zu Gast" mit alten niederländischen Meisterwerken, die man sonst nur in München bestaunen darf.

Museum der bildenden Künste mit Veranstaltungsprogramm:

www.mdbk.de


Die Sternburg-Stiftung Online:

www.sternburg-stiftung.de


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