Sonderschau für den Jäger der fast verlorenen Schätze eröffnet: Bronzetafel für Ägyptologen Steindorff enthüllt
Matthias Weidemann
02.05.2012
Großer Andrang zu Eröffnung der Sonderschau.
Foto: Matthias Weidemann
Erst vor ein paar Tagen feierte Thomas Hemer seinen 90. Geburtstag. Und als sein größtes Geschenk durfte er erleben, wie im Ägyptischen Museum der Universität Leipzig am 2. Mai eine Sonderausstellung über seinen Großvater Georg Steindorff eröffnet und im selben Atemzug eine Bronzetafel zu Ehren des bedeutenden Leipziger Forschers und Ägyptologen enthüllt wurde.
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Erstaunlich viele Menschen drängten sich an diesem heißen Dienstag vor dem Eingang zum historischen Kroch-Hochhaus, das den würdigen Rahmen für eine denkwürdige Veranstaltung bildete. Thomas Hemer war wieder einmal extra aus den USA eingereist, um sich das Spektakel, das er sichtlich genoss, nicht entgehen zu lassen. Ehrengast der Eröffnungsfeier war Thomas Hemer, der extra aus den USA angereiste Enkel Steindorffs: "Mein Großvater war ein sehr bescheidener Mann", sagte der immer noch erstaunlich rüstige Hemer, der sich von der Ausstellung sichtlich begeistert zeigte.
Steindorf besichtigt die Fundstücke in Ägypten.
Foto: Matthias Weidemann
Ziel seines Großvaters Steindorffs sei es gewesen, die Ägyptologie zu fördern. "Das ist ihm gelungen. Das war sein größter Erfolg", betonte Hemer. Universitäts-Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking bezeichnete in ihrem Grußwort vor vollem Haus das Ägyptische Museum als "ein besonderes Juwel" der Universität. Mit Blick auf die Emigration des renommierten Wissenschaftlers jüdischer Herkunft in die USA hob sie jedoch auch hervor, dass es in der mehr als 600-jährigen Geschichte der Alma Mater auch Licht und Schatten gebe. Beides müsse aufgearbeitet werden.
Der Umgang des Ägyptischen Museums mit dem Erbe Steindorffs sei "beispielhaft". Dieses Erbe öffentlich sichtbar zu machen, sei Teil der Einigung der Universität mit der Jewish Claims Conference (JCC). Beide Seiten hatten sich im vergangenen Jahr außergerichtlich darauf verständigt, die altägyptische Privatsammlung Steindorffs in Leipzig zu lassen. Sie verabredeten, dass die Universität Leipzig – unter Anerkennung des verfolgungsbedingten Entzugs der Sammlung - den Lebensweg Georg Steindorffs weiter aufarbeitet und veröffentlicht, gerade auch in Kinder- und Jugendzeit an das Schicksal der Familie aufmerksam macht und an ihn an prominenter Stelle erinnert.
Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Berlin im Verfahren um die Rückgabe der Steindorff-Sammlung des Ägyptischen Museums eine Klage der Universität Leipzig abgewiesen. Auf der am Mittwoch enthüllten Gedenktafel ist Steindorff vor den Pyramiden von Gizeh zu sehen. In einem darunter stehenden Text sind die Verdienste des Ägyptologen vor allem für die Universität Leipzig und Informationen über dessen Verfolgung durch die Nazis nachzulesen. Die Sonderausstellung beschreibt das bewegte Leben des Wissenschaftlers von der Kaiser- bis zur Nachkriegszeit. Gezeigt werden neben ausgewählten Ausgrabungsobjekten sowie Briefen mit den dazugehörigen Kommentaren Steindorffs auch persönliche Dinge aus dessen Leben wie Tagebücher, unter anderem mit seinen Reaktionen auf den Tag der deutschen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Thomas Hemer vor der Gedenktafel für seinen Großvater
Foto: Matthias Weidemann
Ebenfalls am Mittwoch wurde erstmals einer der wichtigen Funde, die durch Steindorffs Wirken ins Museum gelangten, neu präsentiert: der Sarkophag des kleinwüchsigen Hofbeamten Seneb. Eine Nachbildung seiner Grabkammer, die in den vergangenen Monaten im Rahmen einer Kooperation mit der Leipziger Oper entstand, war an diesem Tag erstmals zu sehen. Nach achtjähriger Restaurierung war der 1,5 Tonnen schwere Steinsarg aus Giza, der aus der Zeit um 2600-2500 v. Chr. stammt, im August vergangenen Jahres wieder nach Leipzig zurückgekehrt und ist im Schaufenster des Museums im Krochhaus ausgestellt. Prof. Dr. Georg Steindorff war seit 1893 Professor und ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig. Zwischen 1903 und 1931 unternahm er eigenverantwortlich und im Auftrag der Universität Leipzig Grabungen in Ägypten. Nach ihm ist neben dem Museum auch das Ägyptologische Institut der Universität benannt.
Die Sonderausstellung "Georg Steindorff (1861 - 1951): Stationen eines Lebens" ist bis zum 18. November geöffnet.
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