Lust auf Farbe – Führung durch neue Sonderausstellung des Antikenmuseums
Redaktion
02.08.2012
Statuengruppe des so genannten Ganswürgers.
Foto: Marion Wenzel / Antikenmuseum
Am Samstag, 4. August, findet im Antikenmuseum der Universität in der Alten Nikolaischule die erste öffentliche Führung durch die neue Sonderausstellung "Lust auf Farbe. Die neue bunte Antike" statt. Vorgestellt werden historische und neuere farbige Rekonstruktionen antiker Skulpturen und Reliefwerke, die renommierte archäologische Sammlungen und Museen des In- und Auslandes als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben.
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Ergänzt werden die Objekte durch Exponate aus dem eigenen Haus, die die Farbigkeit antiker Kleinkunst illustrieren.
Ihren Ausgangspunkt nimmt die 58 Objekte umfassende Kabinettausstellung am heutigen Erscheinungsbild antiker Plastik, das durch das schlichte Weiß des Marmors und die dunkle Patina korrodierter Bronze geprägt ist. Antike Schriftquellen und archäologische Funde ließen jedoch niemals daran zweifeln, dass die antike Skulptur farbige Oberflächen besaß.
"Inzwischen ist weitgehend akzeptiert, dass sehr viele, vielleicht sogar die meisten antiken Marmorwerke bunt bemalt waren. Auch die Bronzeplastik wies durch die Kombination unterschiedlicher Materialien und Legierungen ursprünglich eine farbige Oberfläche auf", sagt Dr. Hans-Peter Müller vom Antikenmuseum. Wie sich Klassische Archäologen durch praktische Experimente ihre bunte, ja farbenfrohe Antike vorstellen, zeige die Ausstellung an 17 markanten Beispielen.
Erste Rekonstruktionsversuche zur Veranschaulichung der Farbigkeit antiker Marmorskulpturen entstanden im späten 19. Jahrhundert. Dass sie eher künstlerische Experimente als archäologisch nüchterne Projekte waren, zeigen die an der Dresdener Skulpturensammlung entstandenen Arbeiten Georg Treus. Gleichzeitig sollten sie zeitgenössischen Künstlern als Vorbild für eine Erneuerung der antiken Polychromie dienen. Eines der prominentesten Beispiele dafür bietet das bildhauerische Hauptwerk Max Klingers, das Beethoven-Denkmal im Museum der bildenden Künste Leipzig.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beteiligte sich auch der Leipziger Archäologe Franz Studniczka an der Wiedergewinnung der antiken Polychromie und rekonstruierte das verlorene, nur noch in römischen Marmorkopien erhaltene Bronzeporträt des griechischen Dichters Menander.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei jüngste Experimente zur Farbigkeit antiker Großbronzen. Sie demonstrieren, welch farbige Effekte verlorene oder erhaltene Originale gehabt haben könnten. So vermittelt der aufwändige, bisher nur selten ausgestellte Nachguss der berühmten griechischen Skulptur eines Knaben, der wie ein professioneller Athlet mit einer Gans ringt, einen allgemeinen Eindruck vom Einsatz farbiger Bronzelegierungen.
Statuengruppe des so genannten Ganswürgers. Bronzerekonstruktion nach der römischen Marmorkopie in München, Glyptothek.
Foto: Marion Wenzel / Antikenmuseum
Im Unterschied dazu versucht die Rekonstruktionsvariante eines Knabenkopfes in der Münchner Glyptothek die Perfektion in der Oberflächengestaltung und den möglichen optischen Effekt eines vollendeten antiken Kunstwerks zu erreichen. Der erstmals öffentlich gezeigten Nachbildung gelingt es, sich in der visuellen Ausstrahlung eines solchen, auf Hochglanz polierten, im Tageslicht glänzenden und funkelnden Bildwerks anzunähern. Zu dessen antikem Erscheinungsbild gehörten auch in farbigem Material eingelegte Augen, die hier in Silber, kombiniert mit dem Halbedelstein Granat für die Iris, rekonstruiert sind. Wie lebensnah solche Einsatzaugen wirken konnten, demonstriert eine Mumienmaske römischer Zeit aus dem Ägyptischen Museum - Georg Steindorff - der Universität.
Ergänzend zu den Rekonstruktionen werden auch die in der Antike verwendeten Farbmaterialien, überwiegend Pigmente anorganischer Natur, vorgestellt. Hierzu zählten Mineralien wie der blaue Lapislazuli, der grüne Malachit und das goldgelbe Auripigment, von denen die Mineralogisch-petrographische Sammlung der Universität Leipzig Proben zur Verfügung stellte.
Ein weiterer Blickfang ist die kolorierte Umzeichnung der Gravur auf einer etruskischen Deckelbüchse, die sogenannte Cista Ficoroni, die eine Szene aus dem Mythos der Argonauten zeigt. Die noch unveröffentlichte, im Maßstab 1:1 über einen Meter breite Abrollung stammt von dem Bonner Archäologen Franz Winter (1861-1930), der als außerordentlich begabter Zeichner viele Farbrekonstruktionen geschaffen hat. In diesem Fall handelt es sich um den Versuch, ein verlorenes griechisches Gemälde wiedererstehen zu lassen, das als Vorlage für die Ritzzeichnung gedient haben könnte.
Die Ausstellung ist noch bis zum 25. November zu sehen. Weitere öffentliche Führungen finden am 2. September, 7. Oktober und 4. November jeweils 14.00 Uhr statt. Museumseintritt und Führungen sind kostenfrei.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, Samstag und Sonntag, 12.00 bis 17.00 Uhr.
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