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Neue Ausstellung eröffnet am 2. November: Thomaner forever. Noten aufzeichnen - Klang speichern

Redaktion
Notenhandschrift für liturgische Zwecke.
Notenhandschrift für liturgische Zwecke.
Foto: DNB
Als Beitrag zum 800. Geburtstag der Thomaner lenkt die Deutsche Nationalbibliothek ab Freitag, 2. November, mit Exponaten aus den Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und des Deutschen Musikarchivs die Aufmerksamkeit auf die technischen Voraussetzungen zur Speicherung und Verbreitung von Musik, die es erst erlauben, den flüchtigen Klang auf Dauer zu bewahren.


Heute, da Musik allerorten als Konserve verfügbar ist, lässt sich kaum mehr nachvollziehen, dass das Musikhören über Jahrtausende hinweg ausschließlich an den Moment der Aufführung gebunden war. Um 625 n. Chr. wies der Historiker und Bischof Isidor von Sevilla in seiner "Etymologiae" auf das Problem des flüchtigen Klangs hin: "Wenn sie nämlich nicht von den Menschen im Gedächtnis behalten werden, vergehen die Töne, weil sie sich ja nicht aufschreiben lassen."

Obwohl der Gesang zu den ältesten Kommunikationstechniken des Menschen gehört, begann die Ausbildung von Notenschriften erst im 9. Jahrhundert. Zunächst wurde mit Punkt- und Strichzeichen nur der grobe Verlauf einer Melodie über den Liedtexten notiert. Nachdem der Benediktinermönch Guido von Arezzo um 1000 das Liniensystem eingeführt hatte, konnten auch Tonhöhen fixiert werden. Die zuverlässige Darstellung von Rhythmus und Tonwerten - eine Voraussetzung für die exakte Aufzeichnung mehrstimmiger Musik - wurde im 13. Jahrhundert möglich. Nach der langen handschriftlichen Tradition konnten Noten seit dem 15. Jahrhundert durch den Typendruck, den Holzschnitt und nachfolgend durch Notenstich und Lithografie massenhaft reproduziert und verbreitet werden.

Notenhandschrift für liturgische Zwecke.
Notenhandschrift für liturgische Zwecke.
Foto: DNB
Einen weiteren Qualitätssprung brachte der Beginn der Phonographie im späten 19. Jahrhundert. Jetzt konnte nicht nur die Vorlage zur musikalischen Ausführung fixiert und vervielfältigt werden, sondern die Darbietung selbst wurde aufgezeichnet und hörbar gemacht. Die Digitalisierung eröffnete der Tradierung und dem Konsum von Musik schließlich ganz neue Dimensionen.

Mit einer Auswahl mittelalterlicher Pergamenthandschriften, besonderen Notendrucken, grafischen Werkzeugen, Notenschreibmaschine, Grammophon und Tonträgern mit Aufnahmen des Thomanerchores spürt die kleine Ausstellung diesen wichtigen Innovationen nach. Zu den besonderen Exponaten zählen unter anderem ein Missaledruck der berühmten italienischen Druckerfamilie Giunta von 1584, ein Musterbuch der Schriftgießerei J. G. I. Breitkopf in Leipzig von 1789, der erste gelungene Versuch einer Steinzeichnung von Alois Senefelder 1797 (Inkunabel der Lithografie), eine Notenschreibmaschine der Firma Wanderer, Werkzeuge zum Notenstich aus dem Leipziger Traditionsunternehmen C. G. Röder, ein Grammophon mit Pathé-Blumentrichter von 1910 und frühe Aufnahmen des Thomanerchores auf Schellackplatten.

"Thomaner forever: Noten aufzeichnen - Klang speichern". Eine Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und des Deutschen Musikarchivs im Tresor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, 3. November 2012 - 5. Mai 2013.

Eröffnung am Freitag, 2. November, um 20 Uhr.

Zur Begrüßung sprechen Michael Fernau, Direktor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, und Dr. Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchores. Die Einführung hält Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek. Zur musikalischen Umrahmung singt ein Ensemble des Thomanerchores.

www.dnb.de


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