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Zeichen. Sprache ohne Worte: Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig eröffnet

Redaktion
Welchen Guttenberg hätten Sie gern?
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Foto: HDG / Martin Magunia
Manche merken es, viele nicht mehr: Politik ist ein manchmal subtiles, oft genug aber auch brachiales Spiel mit Botschaften und Zeichen. - Grün ist die Farbe der Hoffnung … oder des Islam oder einer Partei? Ein Vorhängeschloss kann zum Zeichen der Liebe werden – wenn es an einer Brücke hängt. Sind Jeans (noch) eine Einstellung und keine Hosen?


Die neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig geht der Sprache der Zeichen, ihren unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten und ihren Botschaften auf den Grund – sowohl im Alltag als auch in Kultur und Politik. Sie beleuchtet mit rund 600 Objekten, Fotografien, interaktiven Elementen und Medienstationen die Bedeutung nonverbaler Kommunikation in der Gesellschaft. Ordnung, Macht, Protest, Männer und Frauen sind einige der „zeichenhaften“ Themen.

Das Feld der Zeichen ist weit und seine Definition in der Kunst- und Sprachwissenschaft, Philosophie und Psychologie vielfältig. Nahezu jedes materielle Gebilde oder Produkt kann zum Zeichen werden, soweit es neben der instrumentellen auch eine kommunikative Funktion hat: Schwarze Strümpfe wärmen, können aber auch sexy oder ein Zeichen von Trauer sein.

Ständig werden wir mit Zeichen und Zeichensystemen konfrontiert. Wir unterliegen ihrer suggestiven Kraft und „Bildsprache“, die es zu deuten gilt. Zeichen geben uns Orientierung. Sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich tragen Zeichen dazu bei, Strukturen zu verstehen. Im Straßenverkehr sorgt ein einfaches und für alle verbindliches Zeichensystem, das jeder lernen und kennen muss, für einen reibungslosen Ablauf.

Ein Kopftuch ist ein Kopftuch ist ein Kopftuch …

Zeichen geben immer auch Auskunft über die soziale Gemeinschaft, in der sie verwendet werden, deren Normen, Werte, Wünsche, Ideale und Ängste. Je nach Kontext können Zeichen aber unterschiedliche Bedeutungen haben und missverstanden werden, vor allem in der interkulturellen Kommunikation. Ist ein Kopftuch ein Kleidungsstück, ein Zeichen für Religiosität oder gar Islamismus? Die Einordnung gelingt nur über weitere Zeichen oder den „Absender“ des Zeichens – zuweilen auch gar nicht.

Talkshow: Guido Westerwelle präsentiert bei Sabine Christansen sein Wahlziel von 18% für die Bundestagswahl 2002.
Talkshow: Guido Westerwelle präsentiert bei Sabine Christansen sein Wahlziel von 18% für die Bundestagswahl 2002.
Foto: HDG / Martin Magunia

Atomkraft, nein danke

Neben dem Kontext und unterschiedlichen kulturellen Gegebenheiten unterliegen auch Zeichen dem historischen Wandel: Ein Kreuz symbolisiert längst nicht mehr nur christlichen Glauben, spätestens seit Madonna ist es ein beliebtes Modeaccessoire geworden. Die Anti-Atomkraft-Sonne ist vom Symbol einer außerparlamentarischen Protestbewegung zum Zeichen des gesellschaftlichen Konsenses für erneuerbare Energien mutiert.

Die Macht der Zeichen

Mimik und Gestik, Kleidung und Sprache: In bewusst und unbewusst gesetzten Zeichen verdichten sich Weltanschauung und Identität. Sie signalisieren dem Gegenüber ein Bild der eigenen Person, das sorgfältig dechiffriert werden muss: vom Blind Date über das Bewerbungsgespräch bis zum Gerichtsprozess. In der Politik wird die Sprache der Gebärden – bewusst oder unbewusst? – eingesetzt. Gerhard Schröders Faust signalisierte Kampfbereitschaft und Durchhaltewillen, Angela Merkel vertraut bei ihren öffentlichen Auftritten den „offenen Händen“ des Dialogs.

Die Ausstellung ist vom 13. Dezember 2012 bis 1. April 2013 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig (Grimmaische Straße 6) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Di–Fr, 9–18 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr.

www.hdg.de


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